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25.08.2014

In Finning geht es munter zu

Der Finninger Siegfried Weißenbach gehört noch zu den typischen Dorfbürgermeistern, die ihr Amt nicht hauptberuflich ausüben.
Bild: Thorsten Jordan

Siegfried Weißenbach muss Beruf und Politik unter einen Hut bringen und das tägliche Kleinklein braucht viel Zeit

Nach den Kommunalwahlen im März haben am 1. Mai ein neuer Landrat und etliche Bürgermeister ihr Amt angetreten. Seitdem sind 100 Tage vergangen. Zeit, Bilanz zu ziehen. Das Landsberger Tagblatt hat die Neuen befragt und berichtet darüber in loser Folge. Heute über die ersten 100 Tage von Siegfried Weißenbach, Bürgermeister in Finning.

Siegfried Weißenbach gehört noch zu den typischen Dorfbürgermeistern, die ihr Amt nicht hauptberuflich ausüben. Als Gemeindeoberhaupt ist er zwar, so sagt er nach drei Monaten, 24 Stunden am Tag einsatzbereit, aber nicht an jedem Wochentag: Am Mittwoch und am Freitag geht er für zehn beziehungsweise sechs Stunden noch seiner bisherigen Berufstätigkeit bei einer Medizintechnikfirma in Prittriching nach.

Wenn er dann nach einem bürgermeisterfreien Tag am Donnerstagmorgen in sein Büro mit Blick auf das Sportgelände kommt, geht es mitunter munter zu. Telefon und Handy klingeln lebhaft und vor der Tür warten Besucher. Auch in einer 1700-Einwohner-Gemeinde ist Bürgermeister kein Nebenjob mehr, das ist eine der Erfahrungen aus den ersten 100 Tagen. Es sei oft die Summe vieler kleiner Dinge, die einen Bürgermeister beschäftigen. „Es ging gerade um eine Schaukel auf dem Kinderspielplatz“, sagt Weißenbach und legt sein Handy zur Seite. „Von Obdachlosigkeit über die Sportplatzsanierung bis zum Notartermin: Der Bürgermeister ist für alles verantwortlich.“ Das ist für ihn freilich grundsätzlich nicht ganz neu: In der Gemeindekanzlei mit ihrem wuchtigen Eichenholzmobiliar war er schließlich auch schon als Vertreter seines Vorgängers Fritz Haaf gelegentlich tätig. Und selbst Rathauschef werden zu wollen, verrät er weiter, sei auch schon vor der Wahl 2008 ein Thema gewesen. Damals war er noch im Öffentlichen Dienst in einer Klinik in München beschäftigt gewesen, das hätte irgendwie gut zusammengepasst. Dann aber kandidierte Fritz Ostner – und scheiterte. Als Fritz Haaf 2014 nicht mehr kandidierte, tat sich für Weißenbach eine neue Chance auf – und er gewann.

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Seit 1. Mai steht er an der Spitze der Gemeinde, deren Entwicklung, wie man so schön sagt, in den vergangenen Jahren dynamisch verlaufen ist. Nachdem viel in die Infrastruktur investiert wurde – vom Kanalbau bis zum Breitband – hat sich Finning zu einem attraktiven Gewerbe- und auch Wohnstandort gemausert. Das zeigen die jüngsten Baugebietsausweisungen und -erweiterungen zwischen Oberfinning und Entraching. Aus einer eher finanzschwachen Gemeinde wurde eine Kommune, die seit heuer schuldenfrei ist – dank steigender Einkommensteuern, aber auch der Steuern aus dem Gewerbegebiet. Die Erschließungsarbeiten für dessen Erweiterung werden im Übrigen am heutigen Montag beginnen. Durch neue Wohngebiete hofft Weißenbach auch, den Schulstandort Finning sichern zu können. Ob eine Klasse gebildet werden kann oder nicht ist regelmäßig ein Thema, und auch, wie die Schüler gleichmäßig auf beide Schulstandorte aufgeteilt werden können. Die Regelung ab September gefalle zum Beispiel nicht allen: Damit auch Hofstetten einen entsprechenden Schüleranteil erhält, sollen auch die Finninger Viertklässler dort unterrichtet werden, sagt Weißenbach.

Wie andere neue Bürgermeister hat auch Weißenbach die Erfahrung gemacht, dass das alltägliche Kleinklein mehr Zeit brauche als gedacht. Da bleibe die Umsetzung manches Wahlkampfvorsatzes erst einmal auf der Strecke. Überraschen konnte ihn auch manche verwaltungsrechtliche Feinheit, erzählt Weißenbach weiter. Über eine Erschließungsbeitragssatzung komme man halt einfach nicht hinweg, obwohl sich eine solche im Einzelfall auch mal als ungerecht herausstellen könne, fällt ihm als Beispiel ein. Hin und wieder kommen auch wieder alte, noch unerledigte Themen zum Vorschein, etwa die alte Deponie an der Straße nach Schöffelding.

Über all dem wirkt Weißenbach freilich durchaus gelassen und entspannt und er erwähnt in diesem Zusammenhang auch, was er nicht als Richtschnur für ein Gemeindeoberhaupt betrachtet: „Ein guter Bürgermeister ist einer, der mit dem halben Dorf verstritten ist, hat mir mal jemand gesagt, das meine ich aber nicht.“

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