1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Kaufering: Vom Aus der Bürgermeisterin wussten nicht mal Parteifreunde

Kaufering

22.05.2019

Kaufering: Vom Aus der Bürgermeisterin wussten nicht mal Parteifreunde

Copy%20of%20leit23731.tif
2 Bilder
Kauferings Bürgermeisterin Bärbel Wagener-Bühler will ihr Amt aufgeben.
Bild: Leitenstorfer

Plus Bärbel Wagener-Bühler gibt persönliche Gründe für den Rücktritt an. Das LT hat Reaktionen zu der Entscheidung gesammelt. Wie es nun weitergehen soll.

Es ist eine Nachricht, die am Mittwoch für viele überraschte Gesichter in Kaufering gesorgt hat: Bürgermeisterin Bärbel Wagener-Bühler (Kauferinger Mitte) hat am Morgen im Rathaus ein Schreiben eingereicht, in dem sie um ihre Entlassung bittet. Für eine Stellungnahme war die Bürgermeisterin nicht erreichbar. Die Gesundheitsmanagerin, zweifache Mutter und Tochter des langjährigen Kauferinger Bürgermeisters Dr. Klaus Bühler hatte das Amt vor etwas mehr als einem Jahr von Erich Püttner (UBV) übernommen. Sie setzte sich in der Stichwahl mit 51,8 Prozent gegen Thomas Salzberger von der SPD durch.

Lesen Sie dazu auch: Der Anteil der Frauen in Kreistag, Stadtrat und den Gemeinden Der Anteil der Frauen in Kreistag, Stadtrat und den Gemeinden

Bürgermeisterin gibt nur Schreiben ab

Wagener-Bühlers jetzige Entscheidung ist sowohl für die Gemeinderäte des Marktes wie auch für die beiden Stellvertreterinnen überraschend gekommen. „Ich habe sie leider nicht persönlich angetroffen und kenne deswegen auch nur das Schreiben, das sie abgegeben hat“, sagt Dritte Bürgermeisterin Gabriele Hunger (CSU) gegenüber dem LT auf Nachfrage. Der Markt hatte zuvor eine E-Mail verschickt, in der es heißt, dass Wagener-Bühler „aus persönlichen Gründen für den 31. August 2019 ihre Entlassung beantragt.“ Zweite Bürgermeisterin Gabriele Triebel (Grüne) kündigt an, noch das Gespräch suchen zu wollen. Auch sie kennt bislang keine näheren Gründe für die Entscheidung der 46-Jährigen.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Sehr oft krankgeschrieben

Zuletzt hatte Wagener-Bühler zweimal mehrere Wochen krankheitsbedingt gefehlt. Deswegen musste auch bereits zweimal die Bürgerversammlung abgesagt werden. Zu den Gründen der Entscheidung ist nichts bekannt. „Das ist ihre Privatsphäre, die zu respektieren ist“, sagt Triebel. Ein Gemeinderat sagt, dass er niemanden kenne, der Bescheid wisse.

Die Geschäfte der Marktgemeinde führen nun erst einmal die beiden Stellvertreterinnen weiter. Normalerweise springen sie im Urlaubsfall oder bei Krankheit kurz ein. Die Aufgabe wird ehrenamtlich ausgeübt und vergütet. „Wir waren die vergangenen Monate schon gefordert und haben das gemeinsam mit der gut funktionierenden Verwaltung auch gut aufgefangen“, sagt Hunger. Sie ist selbstständig und führt in Landsberg gemeinsam mit ihrer Tochter ein Geschäft. Derzeit müsse ihre Tochter deutlich mehr Aufgaben übernehmen, das werde wohl auch noch eine Weile so bleiben.

Was machen die Stellvertreterinnen?

Zweite Bürgermeisterin Triebel sitzt für die Grünen im Bayerischen Landtag, hat also auch nicht die zeitlichen Kapazitäten, die Aufgabe komplett zu übernehmen. Sie ist sich sicher, dass sich Wagener-Bühler die Entscheidung nicht leicht gemacht hat. „Sie hat ihren Lebensmittelpunkt extra nach Kaufering verlegt, um kandidieren zu können.“ Auch sie hat großes Vertrauen in die Verwaltung der Gemeinde.

Wie es nun genau weitergeht, muss noch geklärt werden. Zuständig ist in solch einem Fall das Landratsamt. Dessen Pressesprecher Wolfgang Müller erklärt auf Nachfrage des LT, dass „so ein Fall nicht alltäglich ist und Details noch geklärt werden müssen“. Es gebe eine Frist von drei Monaten, innerhalb derer neu gewählt werden müsse, so Müller. Fraglich sei noch, wann diese Frist beginne. Entweder mit dem Tag des eingereichten Entlassungsschreibens oder mit dem Tag des Ausscheidens. Letzteres hat Wagener-Bühler für den 31. August erbeten. Warum sie diesen Termin gewählt hat, konnte gestern in Kaufering niemand beantworten. Voraussetzung ist zudem, dass der Gemeinderat dem Wunsch der Bürgermeisterin entspricht und der Entlassung zustimmt, so Müller.

Der Kauferinger Gemeinderat Thomas Salzberger (SPD) hat durch die Presse vom Rücktritt der Bürgermeisterin erfahren und die Mail aus dem Rathaus erst später gelesen. Er berichtet, dass sich die Fraktionsvorsitzenden zeitnah treffen werden, um zu beraten, wie es nun weitergeht. Dass solche Gespräche schnellstens stattfinden müssten, sagt auch Gemeinderatsmitglied Wolfgang Gottschalch (Kauferinger Mitte). Er erfährt auch erst durch das LT von der Entscheidung seiner Parteifreundin. „Ich bin völlig schockiert. Da erwischen Sie mich kalt“, sagt er am Telefon. Auch die Gruppierung Kauferinger Mitte müsse sich nun schnell treffen und das weitere Vorgehen beraten. Der Fraktionsvorsitzende Manfred Huber ist derzeit im Urlaub und wurde Dienstagabend informiert.

Auch Gemeinderat Sascha Kenzler (UBV) ist überrascht über die Entscheidung der Bürgermeisterin und den von ihr benannten Termin. „Das wird für Gabriele Triebel und Gabriele Hunger sicher eine anstrengende Zeit und für uns Gemeinderäte auch. Eigentlich ist der Gemeinderat ein Gremium, das berät und entscheidet. Zuletzt sind die Fraktionen aufgrund der Erkrankung von Bärbel Wagener-Bühler aber schon zusammengerückt und haben deutlich mehr geleistet. Da war es quasi ein Arbeitsgremium.“ Das sei auch notwendig, schließlich stünden beispielsweise mit dem Baugebiet Lechfeldwiesen V und in der Feuerwehrkommission wichtige Entscheidungen an. Es müsse vorangehen. Und am Horizont sei auch schon eine etwas ruhigere Phase mit der Sommerpause abzusehen, so Kenzler.

Der Kommentar zum Thema: Was sind die Gründe für den Rücktritt der Kauferinger Bürgermeisterin?

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren