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Landsberg

03.04.2020

Kunst als Mahnmal für den Frieden auf digitale und analoge Weise

Der Fotokünstler Harry Sternberg, der Issinger Künstler Franz Hartmann und der Dießener Künstler Janos Fischer (von links) in der Ruine der ehemaligen Munitionsfabrik im Landsberger Frauenwald. Dort ist das Projekt „Kunst hält Wache“ geplant.
Bild: Maren Martell

Plus Zum 75. Jahrestag des Weltkriegsendes ist in Landsberg eine besondere Aktion geplant. Allerdings bringt die Corona-Krise das Projekt „Kunst hält Wache“ durcheinander.

75 Jahre Kriegsende haben rund 30 regionale und überregionale Künstler zum Anlass genommen, das Thema Krieg und Frieden künstlerisch zu beleuchten. Auf dem Gelände einer alten Munitionsfabrik der Nazis, die allerdings nie in Betrieb ging, wollen sie ihre Werke unter dem Titel „Kunst hält Wache 75 Jahre Frieden im eigenen Land“ präsentieren. Hauptaktionsort ist die Alte Wache im Frauenwald in Landsberg. Ursprünglich sollten die Ausstellung und das umfangreiche Rahmenprogramm mit Lesungen, Konzerten, Führungen und Performances Ende April starten. Durch die Corona-Krise ist nun alles anders. Das Landsberger Tagblatt sprach mit Franz Hartmann, Künstler aus Issing und künstlerischem Leiter der Aktion.

„Kunst hält Wache“ in schwierigen Zeiten. Wie gehen die Künstler mit dieser Ausnahmesituation durch die Corona-Krise um?

Franz Hartmann: Zum einen lässt uns die aktuelle Situation noch bewusster erleben, was Frieden, Freiheit und Wohlstand für uns bedeuten. Nach 75 Jahren Frieden werden viele möglicherweise abstrakt wirkende Ängste nun doch etwas realer empfunden werden. Auch wenn die aktuelle Situation keineswegs mit einem Kriegszustand zu vergleichen ist, so haben die unter 75-Jährigen etwas Vergleichbares hierzulande noch nicht erlebt. Zum anderen kann die derzeitige Krise Sensibilität in der eigenen Erkenntnis über aktives, verantwortungsbewusstes Handeln oder Erstarren in Ohnmacht, Angst und Panik sein. Dies ist auch nach 75 Jahren Frieden immer noch die entscheidende Frage.

Kunst als Mahnmal für den Frieden auf digitale und analoge Weise

Sie haben schon verkündet, dass die Ausstellung und das Rahmenprogramm in jedem Fall stattfinden werden, wenn nicht analog, dann virtuell. Was erwartet die Besucher?

Hartmann: Ja, wir werden in keinem Fall absagen. Wann die analoge Ausstellung und auch das Rahmenprogramm stattfinden können, werden wir etwa vier Wochen vorher bekannt geben. Bis dahin setzen wir auf eine große Online-Präsenz. Gerade in den sozialen Medien. Im absoluten Worst Case gibt es noch die Überlegung, die Ausstellung selbst virtuell zu präsentieren.

75 Jahre Kriegsende haben Sie zum Anlass für diese Kunstaktion genommen. Sie formulieren es positiv: 75 Jahre Frieden im eigenen Land. Wie kam es zu dieser Idee, was ist konkret geplant?

Hartmann: Von Anfang an war klar, dass wir zu dem Anlass keine Gedenkfeier ersetzen möchten. Das kann die Kunst auch gar nicht. Vielmehr sehen wir uns da als sinnvolle Ergänzung. Wir nehmen den Jahrestag zum Anlass, an einem sehr besonderen Ort 75 Jahre Frieden zu feiern, aber auch kritisch zu hinterfragen. Kein Ort wäre geeigneter als Teile einer nie in Betrieb gegangenen Munitionsfabrik der Nazis, welche 75 Jahre Frieden als stille Zeitzeugen nahezu ungenützt und von der Natur zurückerobert überdauerten. Es wird eine sehr vielseitige Ausstellung, welche großen Wert auf ein breites und generationsübergreifendes Publikum legt. So werden neben sehr renommierten Künstlern wie Bernd Zimmer, Nana Dix, Andreas Bindl und vielen anderen auch zahlreiche Jugendliche aktiv mit ihren Arbeiten an der Ausstellung beteiligt sein. Ergänzt mit einem sehr tiefgründigen Rahmenprogramm wird das Ganze wirklich keine Ausstellung im klassisch musealen Stil sein, sondern ein sehr breit ausgelegtes spannendes Kunst-projekt. Kunst als Mahnmal für den Frieden.

Rund 30 Künstler beteiligen sich an „Kunst hält Wache“. Woher kommen die Künstler und wer ist noch dazugekommen?

Hartmann: Es sind sowohl regionale als auch überregionale Künstler dabei. Die meisten der beteiligten Künstler haben gemein, dass sie sich in der Vergangenheit mit ihren Arbeiten schon intensiv mit der Thematik Krieg und Frieden beschäftigt haben. Dann war uns wichtig, möglichst verschiedene Bereiche und Herangehensweisen vertreten zu haben. Auch wird es in der Austellung Beiträge von nicht bildenden Künstlern geben, indem diese mit den Künstlern Janos Fischer, Harry Sternberg und mir zusammen arbeiten. Hierbei ist zum Beispiel der Musiker Konstantin Wecker und sein unermüdlicher Einsatz für den Frieden am Beispiel seines Konzerts in Bagdad 2003 kurz vor den Bombardements zu erwähnen. Es freut mich sehr, dass er sich an der Ausstellung beteiligen wird. Der Künstler Simon Weckert, vielen bekannt durch seinen Google-Hack – mit 99 Handys legte er in Berlin Google Maps lahm – wird nun mit einer hervorragenden Arbeit zum kritischen Umgang mit autonomen Waffen bei der Ausstellung vertreten sein. Eine Hommage an Hanne Hiob, Tochter von Bertolt Brecht, und ihr Engagement für Frieden und Freiheit wird zu sehen sein. Ebenso eine Installation zum Buch „Todesursache Flucht: eine unvollständige Liste“ von Kristina Milz.

Im Vorfeld haben Sie junge Menschen aufgerufen, 750 Fahnen für den Frieden zu gestalten. Diese sollen dann in ganz Landsberg hängen und auf das Projekt „Kunst hält Wache“ aufmerksam machen. Wie werden die Fahnen nun gestaltet?

Hartmann: Das Gestalten der Fahnen findet jetzt online statt. Das heißt, jeder, der mitmachen möchte, macht das zu Hause auf Papier und schickt uns ein Foto davon, das wir dann mittels Bügeldruck auf die Fahnen übertragen. Die Resonanz ist hervorragend, viele der Schulen, welche wir zuvor schon mit Fahnen und Textil-Stiften versorgt hatten, beteiligen sich daran. Darüber hinaus kann aber jeder, egal welchen Alters, mitmachen. Die Fotos von gestalteten Fahnen bitte an: leitung@kunst-haelt-wache.de. Wir haben die Erlaubnis der Stadt, die 750 Fahnen im Vorfeld der Veranstaltung an je eine Staßenlaterne zu hängen.

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