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Landkreis Landsberg

15.01.2020

Landkreis Landsberg: Die schwierige Situation der Milchbauern

Der niedrige Milchpreis bereitet den Landwirten Probleme.
Bild: Matthias Becker

Plus Wie geht es den Milchviehhaltern im Landkreis Landsberg? Was Hermann Dempfle, der Kreisvorsitzende des Bunds Deutscher Milchviehhalter, nach dem Tierskandal dazu sagt.

Der Fall eines Bauern aus dem nördlichen Landkreis, der 44 seiner 78 Rinder abgeben musste, sorgt für Diskussionen. Dem Landwirt werden mehrere Verstöße gegen das Tierschutzgesetz zur Last gelegt. So soll ein Teil seines Milchviehs zum Zeitpunkt der Abholung unterernährt gewesen sein und die Klauenpflege vernachlässigt worden sein. Zudem soll der Boden des Stalls total verdreckt gewesen sein. Das LT hat mit Hermann Dempfle aus Rott über die Schwierigkeiten der Branche gesprochen. Er ist der Kreisvorsitzende des Bunds Deutscher Milchviehhalter.

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Die Zahl der Betriebe ist deutlich gesunken

Mit Blick auf den aktuellen Fall sagt Dempfle, dass sich die Landwirte und ihre Familien genau überlegen müssten, was sie an Arbeit noch leisten können, zumal die eigenen Kinder immer seltener den Hof übernehmen wollten. Er könne nachvollziehen, dass mancher an seinem Lebenswerk festhalte, auch wenn es Probleme gebe, allerdings habe die Aufgabe der Viehhaltung „für so manchen Landwirt eine befreiende Wirkung.“ Dempfle selbst hat seinen Bio-Betrieb an seinen Sohn übergeben. Die Familie hält auch Milchvieh. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass die Zahl der Betriebe mit Tieren im Landkreis Landsberg stark rückläufig ist. Laut Veterinäramt waren es im vergangenen Jahr 489 Rinderhalter, vor zehn Jahren waren es noch 639.

Doch warum engagieren Bauern, die die Arbeit nicht mehr alleine schaffen, keinen Helfer? Das sei ein finanzielles Problem. Der Milchpreis sei zu niedrig, sagt Dempfle. „45 Cent je Kilogramm wären notwendig, um wenigstens kostendeckend zu produzieren. Die Ausgleichszahlungen von der Europäischen Union lindern das Problem nur ein wenig.“ Zuletzt lag der Preis nie über 40 Cent.

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Einen Helfer können sich viele Landwirte nicht leisten

Einen Helfer, der zwölf Euro Stundenlohn fordere, könne sich deswegen kein Landwirt leisten, so der Kreisvorsitzende. Er geht davon aus, dass die Zahl der Milchviehbetriebe weiter sinken wird. „Um die vom Veterinäramt geforderten Standards zu erfüllen, müssten vielerorts bauliche Veränderungen vorgenommen werden. Bei den geringen Einnahmen gibt einem aber keine Bank einen Kredit dafür.“ Dabei sei der Handel mit Milch ein profitables Geschäft, an dem aber vor allem die großen Handelsketten und die Molkereien verdienten. „Der Preisdruck wird durchgereicht zu den Schwächsten in der Kette, den Landwirten.“

Dass Bauern wegen des Kostendrucks bei ihren Tieren sparen, glaubt Dempfle nicht. Damit schade sich der Unternehmer nur selber, weil er „keine gescheite Milch“ mehr bekomme. Zumal die Behörden häufiger kontrollierten. Die 3,5 Stellen der Veterinäre im Landkreis finanziert laut Anna Diem, Pressesprecherin des Landratsamtes, der Freistaat. Geprüft werde nur anlassbezogen, ergänzt sie. Laut Dempfle kämpften die Landwirte auch vermehrt damit, dass sie bei den Behörden angeschwärzt werden, weil vermeintlich etwas nicht passe. „Das sind oft Fälle, bei denen ein Tier erkrankt ist und wir den Tierarzt schon informiert haben und auf diesen warten. Das kann schon mal drei oder vier Stunden dauern.“

Wie es mit den Rindern weitergeht, ist noch offen

Ob der Landwirt aus dem nördlichen Landkreis, der in der Vergangenheit schon eine vierstellige Summe an Bußgeldern bezahlen musste, seine Rinder zurückbekommt, ist laut Landratsamt offen. Dazu müsse er sicherstellen, dass er eine dem Tierschutzgesetz entsprechende Haltung garantieren könne. Gelinge das dem Bauern nicht, könne die Behörde die Tiere veräußern, die derzeit in einem Stall in Penzing untergebracht sind, den der Landkreis im Jahr 2014 gepachtet hat und wo 80 Tiere Platz haben.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Tierskandal: Das Verhalten ist nicht nachvollziehbar

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