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Landsberg

13.02.2020

Landsberg: OB Mathias Neuner lehnt eine Südumgehung ab

Landsberg und der Stau: Wie kann man das Problem lösen? Mit einer Südumgehung oder mehr Platz für Radfahrer, Fußgänger und Busse? Eine bislang unendliche Geschichte. Unser Bild zeigt die Katharinenstraße.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Landrat Thomas Eichinger hat eine Südumgehung für Landsberg ins Spiel gebracht. OB Mathias Neuner hält davon nichts. Er will das Verkehrsproblem anders lösen.

Der Verkehrsplaner Dirk Kopperschläger hat den Landsberger Stadtrat in Sachen Verkehrsentwicklungsplan auf den Stand gebracht. So recht zufrieden waren viele Stadträte damit nicht. Für Zündstoff sorgte das Stichwort „Südumgehung“. Diese hatte kurz vor Weihnachten Landrat Thomas Eichinger (CSU) wieder ins Spiel gebracht. Ausgerechnet Eichingers Parteikollege Oberbürgermeister Mathias Neuner kann der Südumgehung ziemlich wenig abgewinnen. Umso aufgeschlossener zeigt sich dafür jedoch die Landsberger UBV für die Idee.

Neuner: Der Autoverkehr vermehrt sich schnell wieder

Seine Position zur vom Landrat erwähnten Südumgehung hatte Neuner auch tags zuvor bei der Bürgerversammlung in Pitzling klar gemacht. „Eine Straße durch den Wildpark zu bauen halte ich für unrealistisch, das ist das Naherholungsgebiet für die Landsberger und Pitzlinger.“ Außerdem stünden einem derartigen Straßenbau auch Landschafts- und Naturschutz entgegen. Eine solche Straße würde auch nur angenommen, wenn „der Verkehr in der Katharinenstraße massiv blockiert würde, alles andere ist Augenwischerei“, sagte Neuner. Andernfalls bezweifelte der Oberbürgermeister, ob eine Südumgehung die Katharinenstraße und den Hauptplatz dauerhaft entlasten würden. Man habe es doch an der neuen B17 gesehen: Zunächst sei auf der alten Straße nicht mehr viel los gewesen, heute herrsche dort fast wieder der gleiche Verkehr wie vor dem Bau der neuen Straße.

Fast wortgleich argumentierte im Stadtrat auch Dirk Kopperschläger. Eine solche Straße sei eigentlich gar kein Thema für den Verkehrsentwicklungsplan mit einem Zeithorizont bis 2035, sondern wenn überhaupt ein langfristigeres Projekt, schickte er voraus. Eine Straße würde aber auch schwer überwindbare Widerstände aus dem Bereich des Naturschutzes stoßen und hohe Kosten verursachen. Und wenn das übrige städtische Straßennetz so bleibe wie es ist, werde die Entlastung nur von kurzer Dauer sein, da die Straßen „durch städtischen Verkehr wieder aufgefüllt werden“.

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Der Verkehrsplaner setzt auf Fuß- und Radwege und mehr Busverkehr

Kopperschläger fokussierte sich in seinem Bericht mehr auf Maßnahmen, um nach Ablauf der jetzigen Konzession ab 2028 den Busverkehr neu zu organisieren und den Fußgänger- und Radverkehr zu fördern. Der neue Lechsteg sei dabei ein „zentrales Element“, die Idee eine Schrägaufzugs in die obere Stadt habe er „gerne aufgenommen“ und am Lech könnte es mit Seilfähren zusätzliche Querungsmöglichkeiten geben. Für Radler sollten Schutzstreifen auf der Münchener Straße und bergauf auf der Katharinenstraße geschaffen werden, auch eine Umgestaltung der Breslauer Straße sei „dringend notwendig“.

Mit all dem war Reinhard Skobrinsky (BAL) überhaupt nicht zufrieden: „Ich bin sehr enttäuscht, mit Fußgängern und Radfahrern haben wir überhaupt kein Problem, das größte Problem wird ausgeklammert, und das ist das Automobil.“ In dieselbe Kerbe schlug Doris Baumgartl (UBV). Sie warnte zum Beispiel davor zu glauben, durch den Verzicht auf Autofahrten unter einen Kilometer (die zehn Prozent der innerstädtischen Fahrten ausmachten), das Stauproblem lösen zu können. „Das bedeutet doch nicht automatisch zehn Prozent weniger Verkehr.“ Selbst wenn nur auf jede dritte dieser kurzen Fahrten verzichtet werde, ergebe das allenfalls ein Prozent weniger Verkehr, rechnete sie vor. Es sei schade, dass immer noch „keine fertigen Konzepte“ vorlägen. Das Thema Umfahrung dürfe auch nicht nur auf eine Südumgehung reduziert werden.

Moritz Hartmann (Grüne) erinnerte hingegen daran, dass als Ziele verankert worden seien, den Radverkehr zu verdoppeln und den Autoverkehr zu reduzieren. Er hatte bereits im Dezember die Überlegungen von Landrat Eichinger zurückgewiesen. Genau diese Ziele müssten sich in einem Verkehrsentwicklungsplan widerspiegeln, fügte Dieter Völkel (SPD) an.

Reinhard Steuer verweist auf die "Lebenswirklichkeit"

Freilich stellte Dr. Reinhard Steuer (UBV) in den Raum, „ob diese Ziele an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbeigehen. Mit Radwegen werde der Autoverkehr nicht weniger. Außerdem werde das autonome Fahren schneller kommen als viele dächten. Steuer: „Die Lösung der Probleme ist die Zukunft und nicht Lamentieren und Straßensperren.“ Wolfgang Neumeier (UBV) warnte vor „Denksperren“ im Hinblick auf Umfahrungslösungen. Man solle doch einfach mal bei der Regierung beantragen, verschiedene Varianten zu prüfen. Ob und wie dann eine Südumfahrung komme, stehe dann erst am Ende des Prozesses, sagte er.

Am Ende bekundete Oberbürgermeister Mathias Neuner wiederum Sympathie für die Linie der Grüne, die in der Vergangenheit bereits gefordert hätten, die Bürger zu befragen, ob sie für „drastische Maßnahmen“ bereit wären. „Wasch’ mir den Pelz und mach’ mich nicht nass wird es nicht geben“, sagte Neuner. In anderen Städten sei der Anteil des Radverkehrs viel höher, und zur Lösung des Verkehrsproblems werde man auch um Straßensperrungen nicht herumkommen.

Lesen Sie dazu auf die Kommentare:

Pro: Südumgehung: Das Auto bleibt wichtig

Contra: Südumgehung: Nicht das Allheilmittel

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14.02.2020

"Echte Liebe baut gute Brücken". Schade, dass wir keine PARTEI im Stadtrat sehen werden. Auf Kreisebene scheint das Thema aber auch deutlich nach Transparenz zu schreien. So lange der ÖPNV kostet und nervt, braucht es Brücken.

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13.02.2020

Wer keine Lösung hat, verschiebt Verkehrsentwicklungspläne hinter die Stadtratswahl.
Wir können uns der Mobilitätsinfrastruktur nicht entziehen mit unsinningen Umverteilungsaktionen. Wer die Landsberger vermehrt und Konversionen auf großen Flächen wie sie der FH Penzing darstellt will, muß dann auch Verkehrsmöglichkeiten liefern.
Wie man auf dieser Stadtratssitzung sehen und hören konnte wollen viele sich nur mit Zielen beschäftigen, Zielen die unaktualisiert sind, deren Legitimation fraglich ist, die einfach gesagt den Interessierten Gruppen bequem, sprich genehm sind. Das ist völlig an den berechtigten Interessen der Bürger der Stadt und unseren Mitbürgern im Umland vorbei gedacht.
Wir alle brauchen tageslichttaugliche Möglichkeiten um unser Leben zu führen. Wenn eine "strategie" Landsberg 2035 nicht einmal das Szenario Konversion FH Penzing enthält, was ist das dann Wert? Wenn wir Landsberg nur im kleinstrahmen "Kernsstadt" denken dürfen, was soll das? Unsere Stadtteile sind da Verkehrsmäßig außer vor? Unser Heimatlandkreis auch? Wer fällt auf so eine künstliche Grenzziehung herein? Mobilität ist heute Weltweit! die Zeit um in Stadtmauerbegrenztem zu denken seit jahrhunderten vorbei!
Was oberhalb des Tellerrands "Landsberg" liegt, kann auch wichtig sein.

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