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Landsberg

07.09.2019

Landsberg: Richter Wolfgang Daum und seine Liebe zur Musik

Literatur, Geschichte und immer wieder die Musik – das sind nicht die einzigen, aber doch die großen Leidenschaften des Landsberger Familienrichters Dr. Wolfgang Daum.
Bild: Thorsten Jordan

Der Landsberger Amtsrichter Dr. Wolfgang Daum hospitiert ab Montag für zwei Wochen in Portugal. Weshalb Musik und Religion eine wichtige Rolle in seinem Leben spielen.

Wo die anderen Urlaub machen... – da bildet sich der Landsberger Straf- und Familienrichter Dr. Wolfgang Daum gerne fort. So wird der erfahrene Jurist des Landsberger Amtsgerichts ab Montag in Lissabon den Rechtsumgang des portugiesischen Familienrechts beobachten, studieren und für sich einordnen und das nach 2014 bereits zum zweiten Mal. Über den Tellerrand hinausblicken nennt das Daum, der daher aber auch weiß, dass die Portugiesen Scheidungen ganz gerne auch mal beim Standesamt durchführen lassen, quasi als normalen Verwaltungsakt.

European Judicial Training Network, also europäisches Juristen-Trainings-Network (EJTN), nennt sich das Programm, das den Aufenthalt des 64 Jahre alten Amtsrichters in der Hauptstadt Portugals als Fortbildung möglich macht. Wichtig für Wolfgang Daum sind aber neben der Juristerei die Erfahrungen, die in Lissabon schon seit 2014 mit der Umstellung auf die „elektronische Akte“ gemacht wurden: „Das passiert ja bei uns ins Landsberg gerade so nach und nach.“

„Da muss man doch was machen“

So kommt es noch vor, dass Wolfgang Daum während des Gesprächs immer wieder an seine Schränke und Regale geht und Schriftstücke – selbstverständlich nicht dem Datenschutz unterliegende – herausholt, wie zum Beispiel seine Doktorarbeit. Für die hat er rund 4000 Entnazifizierungsakten ausgewertet, die er bei seinem Amtsantritt in Landsberg im Dach des Gerichts liegend vorfand. „Da muss man doch was machen“, war er damals überzeugt, ebenso wie sein Jura-Professor in Augsburg, Hans Schlosser. „Das ist ja ein Desiderat von mir“, habe der Rechtswissenschaftler erfreut ausgerufen, also ein lang gehegtes Wunschobjekt. Die Arbeit führte zum Doktortitel und erschien noch einmal im historischen Schriftband „Landsberg in der Zeitgeschichte – Zeitgeschichte in Landsberg“.

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Der 64-Jährige, der nach Außen hin in sich zu Ruhen scheint, lacht gerne, mit einem Augenzwinkern durchaus auch über sich selbst. In Seuversholz (Daum: Mit EU und V, nicht ÄU und F“) bei Eichstätt ist er geboren, in Pforzen im Ostallgäu aufgewachsen. Der Vater war nämlich Berufssoldat bei der Bundeswehr und in Kaufbeuren stationiert. Dann ging’s für den jungen Wolfgang Daum ins Internat nach St. Ottilien, wo sein Leben eine nicht unwichtige Wendung nahm: Wolfgang Daum erlernte ein Instrument, genauer, mit Posaune und Tenorhorn gleich zwei.

Die Mondlandung bleibt in Erinnerung

In dieser Zeit gründet sich seine Liebe zur Blasmusik, gleich ob konzertant oder volkstümlich. „Sonst war ja in St. Ottilien nichts geboten“, erinnert er sich, wieder mit einem Schmunzeln – und macht dennoch eine Ausnahme: das gemeinsame Erleben der ersten Mondlandung 1969 vor dem Schwarz-Weiß-Fernseher. Dazu wurde neben der Schule musiziert, in kleinen Ensembles, in der Big Band, Wolfgang Daum gefiel’s prächtig: „Wir waren ein toller Haufen.“ Nach dem Abitur wartete die Wehrpflicht – Einberufung zur Luftwaffe – und anschließend entschied sich Daum für das Jura-Studium in Augsburg.

Das erste Jahr als junger Rechtsanwalt führte ihn zurück nach Kaufbeuren, dann kümmerte er sich bei der Staatsanwaltschaft Augsburg um Wirtschaftskriminalität und Steuergeschichten. Augsburg blieb die neue Heimat, dort lernte er seine Frau kennen, dort arbeitete er erstmals als Amtsrichter am Familiengericht. Wie es ihn nach Landsberg verschlug? Wolfgang Daum liebt die Kleinstadt: „Das ist einfach toll, da lernt man, anders als in der Großstadt, die Leute mit all ihren Facetten kennen.“ Außerdem, so rechnet er vor, gewinne er durch den fehlenden Arbeitsweg morgens, mittags und abends täglich rund zwei Stunden Freizeit, die andere im Auto oder im Zug zubringen.

Bei der „Integration“ hilft die Musik

So habe es ihn keine Überwindung gekostet, von Augsburg nach Holzhausen („Ein tolles Dorf“) zu ziehen. Und bei der „Integration“ („Die Holzhausener sind sehr eigenständig und selbstbewusst“) half ihm wieder die Musik. Daum dirigierte acht Jahre die örtliche Blaskapelle, wirkte sechs Jahre als Gemeinderat für die Dorfgemeinschaft in Igling, deren Vorsitzender er auch war. Zwei Söhne kamen auf die Welt, die heute als Jurist arbeiten beziehungsweise Jura studieren.

Noch immer engagiert er sich in dem kleinen Ortsteil von Igling, obwohl die Familie Daum längst in Landsberg lebt. Dort übernahmen sie das Haus der Schwiegereltern und wieder erwies sich die Musik als Katalysator. Daum ging zur Stadtkapelle und übernahm in einer schwierigen Zeit vorübergehend den Dirigentenstab.

Er unterstützt den Pfarrer in finanziellen Dingen

Als im Kirchenvorstand Mariä Himmelfahrt der Posten des Kirchenpflegers frei wurde, „wurde ich gefragt und hab übernommen.“ So unterstützt der Richter nun Pfarrer Michael Zeitler in finanziellen Dingen. Außerdem ist der Katholik Daum („Als Ottilianer liegt das auf der Hand“) Vorsitzender der hiesigen Katholischen Erwachsenenbildung KEB. Wie er noch Zeit findet, als Teil der Landsberger Wirtshausmusikanten bei Veranstaltungen wie Literatur und Musik mitzuwirken? „Ich hab halt zwei Stunden am Tag mehr als die anderen.“

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