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Landkreis Landsberg

06.05.2020

Mit Eintrittskarte in den Gottesdienst

Pfarrer Martin Rudolph aus Penzing freut sich, dass wieder öffentliche Gottesdienste stattfinden dürfen. Es gelten aufgrund von Corona allerdings strenge Vorkehrungen.
Bild: Thorsten Jordan

Plus In den Kirchen im Landkreis Landsberg dürfen wieder Gottesdienste gefeiert werden. Doch eine Rückkehr zur Normalität gibt es noch nicht. Was die Gläubigen wissen müssen.

Die Nachricht hat viele Gläubige gefreut. In den Kirchen dürfen wieder Gottesdienste gefeiert werden. Doch normale Verhältnisse kehren deswegen noch lange nicht zurück. Die Zahl der Gottesdienstbesucher ist begrenzt, Abstandsregeln müssen eingehalten werden, es wird weniger gesungen und es gilt Maskenpflicht. Und so warnen Geistliche aus dem Landkreis vor großen Erwartungen. Was die Gläubigen jetzt wissen müssen.

Pfarrer Martin Rudolph ist froh, dass ab Samstag in den neun Kirchen der Pfarreiengemeinschaft Penzing-Weil wieder teilöffentliche Gottesdienste mit eingeschränkter Teilnehmerzahl stattfinden dürfen. In den vergangenen Wochen habe er zwar Gottesdienste gefeiert, aber immer nur mit zwei bis drei Besuchern wie dem Mesner oder Mitgliedern des Pfarrgemeinderats. Den Kontakt zu den Gläubigen habe er, von wenigen persönlichen Besuchen abgesehen, vor allem über das Telefon und das Internet aufrechterhalten. Der 60-Jährige hat Gebete, Fürbitten, geistliche Impulse und seine Predigten auf der Homepage der Pfarreiengemeinschaft veröffentlicht. „Das ist sehr gut angenommen worden“, sagt er.

Zu älteren Pfarreimitgliedern hielt der Seelsorger telefonisch Kontakt

Ansonsten war Martin Rudolph häufig am Telefon. Er hielt Kontakt zu den über 80-jährigen Gläubigen, erkundigte sich nach deren Gesundheit und ob sie Hilfe benötigen und gratulierte zu runden Geburtstagen – von 20 bis 90. „Dabei haben sich gute Gespräche entwickelt“, sagt der Seelsorger. Ihm war wichtig, zu zeigen, die Kirche geht in der Corona-Krise nicht auf Tauchstation. Nun würden sich die Gläubigen freuen, dass wieder Gottesdienste möglich sind. Doch Martin Rudolph dämpft die Erwartungen: „Wir müssen Abstriche machen.“ Im übertragenen Sinn natürlich.

Mit Eintrittskarte in den Gottesdienst

Wie setzt die Pfarreiengemeinschaft Penzing-Weil die strengen Auflagen um? In allen neun Kirchen seien Plätze ausgewiesen worden, damit die Abstandsregeln (zwei Meter) eingehalten werden können. Nicht nur die Sonntags-Gottesdienste, sondern auch jene an den Werktagen sind öffentlich. Doch es darf nur eine begrenzte Zahl an Gläubigen in die Kirchen. In Penzing und Weil, wo die Gottesdienste am Sonntag stattfinden, sind es 20 beziehungsweise 22. Eine Anmeldung zu den Gottesdiensten in den Pfarrämtern ist wegen der begrenzten Plätze zwingend erforderlich. Wer sich angemeldet hat, erhält eine Einlasskarte. „Die ersten habe ich bereits in die Briefkästen geworfen“, sagt Martin Rudolph. Die Gottesdienstteilnehmer werden gebeten, einen Mundschutz und die Einlasskarte mitzubringen.

So sieht der Gottesdienstplan derzeit aus

Auch in der Pfarreiengemeinschaft Fuchstal werden die Auflagen der Diözese umgesetzt. Im Fuchstal bleiben die Werktagsgottesdienste nicht öffentlich, am Sonntag kann der Gottesdienst in Denklingen oder in Leeder gefeiert werden. Wie wenige Plätze dort wegen der Abstandsregelung zur Verfügung stehen (50 beziehungsweise 30), hat Dekan Oliver Grimm regelrecht erschrocken, wie er sagt. Aber: „Sicherheit geht vor.“ Auch in der Pfarreiengemeinschaft Fuchstal müssen sich die Gläubigen anmelden, wenn sie einen Gottesdienst besuchen. „Die Plätze werden vergeben und es wird dokumentiert, wer wo sitzt“, sagt Grimm. So könne bei einer Infizierung nachverfolgt werden, wer nebeneinandersaß.

Auf der Homepage der Pfarreiengemeinschaft hat Oliver Grimm ein Corona-Merkblatt veröffentlicht. Darin schreibt er auch, dass die vielen Vorgaben viele Gläubige enttäuschen werden. Und er appelliert daran, die Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten. „Es wäre ein magisches Missverständnis unseres Glaubens anzunehmen, dass Gottesdienstteilnehmern nichts passieren könnte, weil sie an einer heiligen Handlung teilnehmen.“ Jeder Gottesdienstbesuch stelle zurzeit ein nicht kalkulierbares Gesundheitsrisiko dar, gerade für Risikogruppen. „Gott hat uns nicht nur den Geist der Frömmigkeit, sondern auch den Verstand gegeben“, schreibt Dekan Grimm.

Der gemeinsame Rosenkranz kann nicht gebetet werden

Auf den gemeinsamen Rosenkranz wird im Fuchstal derzeit verzichtet. Durch die Abstandsregeln und den Mund- und Nasenschutz sei das Rosenkranzgebet in gewohnter Weise nicht möglich. Das Gleiche gelte für die Maiandachten. „Das Singen von Marienliedern, wie auch Wechselgebete, sind mit Mund- und Nasenschutz schwer möglich. Zudem wird die Maske feucht und verliert damit ihren Sinn, wird sogar zur größeren Gefahr“, so Grimm.

Auch in der evangelischen Gemeinde Ammersee West finden am Sonntag wieder öffentliche Gottesdienste in der Christuskirche in Utting und in der Friedenskirche in Dießen statt. Beide Kirchen seien corona-fit gemacht worden: Die Stühle seien mit Abstand aufgestellt worden, am Eingang gebe es Desinfektionsmittel, und für die Besucher, die ihre Schutzmaske vergessen haben, halte man einige Exemplare bereit. Es wird darum gebeten, sich für die Gottesdienste in Utting im Pfarramt anzumelden.

Lesen Sie auch den Kommentar: Verstand vor Frömmigkeit

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