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Kaufering/Berlin

03.09.2020

Nach Corona-Demo: Jugendamt ermittelt gegen Impfkritiker Kron

Zigtausende Teilnehmer waren bei Corona-Demos in Berlin – unter anderem der Kauferinger Arzt Rolf Kron. Er hatte seinen Sohn dabei und ein Video sorgt im Internet für Diskussionen.
Bild: Michael Kappeler, dpa

Plus Mit dem Sohn auf den Schultern wird der Kauferinger Arzt auf einer Corona-Demo in Berlin von einem Polizisten geschubst. Ein Video der Szene sorgt für Vorwürfe. Was Kron dazu sagt.

Während einer Corona-Demo in Berlin am vergangenen Samstag geht der Kauferinger Arzt Rolf Kron mit seinem siebenjährigen Sohn auf den Schultern entschieden auf einen Polizisten in schwerer Montur zu. Er spricht den Beamten mehrfach an. Die Stimmung ist angespannt, zweimal wird Kron von dem Beamten zurückgestoßen. Das Kind nimmt die Situation sichtlich mit – es hält sich die Ohren zu und beginnt zu weinen. Die Szene wurde vom TV-Sender Russia Today (RT) auf Video festgehalten – in den sozialen Medien wird der 40-sekündige Clip auf vielen Kanälen geteilt. Manche Nutzer verteidigen Kron, andere halten ihm vor, sein Kind als „lebendes Schutzschild“ missbraucht zu haben. Was sagt der Kauferinger Arzt und Homöopath selbst zu den Vorwürfen? Unsere Redaktion hat mit ihm gesprochen.

 

Kron, 57 Jahre alt und Vater dreier Kinder, hat seit 1996 eine Praxis in Alt-Kaufering. Dort behandelt er nach eigenen Angaben schwerpunktmäßig Menschen mit Impfschäden. In der Region trat er bereits bei mehreren Demonstrationen als Redner auf, so auch auf dem Landsberger Hellmairplatz. Themen waren das Impfen im Allgemeinen und die Corona-Schutzmaßnahmen.

Kron wollte bei der Corona-Demo in Berlin ein "Friedensfest" feiern

Am Samstag war Rolf Kron in Berlin, um, wie er selbst sagt, ein „Friedensfest“ zu feiern. Insgesamt, so schätzt er, seien etwa zwei Millionen Menschen in der Hauptstadt auf die Straßen gegangen, darunter Tausende Kinder. Die Berliner Polizei sprach nur von etwa 20.000 Teilnehmern. Ihm sei zwar im Vorfeld bewusst gewesen, dass sich auch politische Extremisten in der Hauptstadt versammeln würden. „Mit denen haben wir aber überhaupt nichts zu tun. Wir stehen schlicht für unsere demokratischen Grundrechte ein“, sagt Kron, der sich der Initiative „Querdenken“ zurechnet.

Doch wie kam es zu dem Vorfall mit dem Polizisten, der im Internet die Runde macht? Kron, der sich als „Pazifisten“ beschreibt, habe gemeinsam mit einer befreundeten Ärztin eine eigene Demo angemeldet, der auch die Genehmigung erteilt worden sei. „Wir sind nur 50 Meter weit gekommen, dann hat sich die nächste Polizeistaffel uns in den Weg gestellt.“ Anschließend sei es zu besagter Szene gekommen, die im RT-Video festgehalten ist. „Ich habe den Polizisten nur gefragt, wer denn der Truppenführer ist“, sagt Kron. Der Beamte habe geantwortet, dass es einen solchen nicht gebe und ihn daraufhin weggestoßen. Dass er dem Polizisten dabei deutlich zu nahe kam und den Mindestabstand von 1,5 Metern missachtete, spielt für den erklärten Impfgegner keine Rolle. „Der Polizist hat einen Mundschutz getragen und hatte ein Visier vor dem Gesicht.“ Sowieso sei eine Ansteckung mit dem Coronavirus nur von Dezember bis Ende März möglich, sagt Rolf Kron. Dass es derzeit dennoch Infizierte gibt, sei laut Kron auf „falsch positive Tests“ zurückzuführen.

Mit seinem Sohn auf den Schultern ging Kron auf einen Polizisten zu.
Bild: Screenshot Twitter

Im Internet sorgt das Video für viel Resonanz. Während manche Kron in Schutz nehmen, erheben viele Menschen schwere Vorwürfe gegen den 57-Jährigen. Er habe sein Kind als „Schutzschild“ missbraucht, schreibt etwa ein Nutzer. Nicht wenige fordern im Internet, sofort das zuständige Jugendamt zu informieren. Kron kann das nicht nachvollziehen – er habe seinen Sohn nicht instrumentalisiert. „Das ist alles Quatsch. Ich hätte nie erwartet, dass der Polizist mich in so einer Situation wegschubst.“ Sowieso könne es nicht sein, dass er sein Kind vor der Polizei schützen müsse: „Die müssen doch uns schützen.“

Der Kauferinger Arzt will Anzeige gegen den Polizisten stellen

Für den Polizeibeamten habe er dennoch ein Stück weit Verständnis. „Ich habe Panik in seinen Augen gesehen“, sagt er. „Bei uns in Deutschland werden doch teilweise Kinder in Uniformen gesteckt.“ Er wolle dem Polizisten nun die Chance geben, sich öffentlich bei ihm zu entschuldigen: „Wenn er das nicht tut, werde ich ihn anzeigen.“ Dass die Situation auf Video aufgezeichnet wurde, sei sowieso klar gewesen. „Es wird doch alles gefilmt“, sagt Kron. „Wir Demonstranten müssen die Geschehnisse selber dokumentieren, weil in den Medien alles verdreht wird.“

Rolf Kron bei einer Kundgebung.
Bild: Thorsten Jordan (Archiv)

Eines haben die vergangenen Monate gelehrt. Bei Kundgebungen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen kocht die Stimmung schnell hoch, nicht selten kommt es zu Ausschreitungen. Ist dies das richtige Umfeld für einen Siebenjährigen? Schon zu Beginn des Videos, als Kron in Richtung des Polizeibeamten läuft, wirkt sein Sohn gestresst, hält sich die Ohren zu. Wie der Kauferinger Arzt erklärt, sei dem Siebenjährigen in diesem Moment tatsächlich der Geräuschpegel zu hoch gewesen: Die Demonstranten hätten lautstark „keine Gewalt“ gerufen. Bei dem anschließenden Vorfall habe sich das Kind zwar erschrocken, traumatisiert sei es aber nicht. „Als wir weiterziehen durften, ist er schon wieder in seinem Bollerwagen gesessen und hat fleißig Luftballons verteilt.“

Kron hat ein ganzes Team von Anwälten

Der Vorfall wird Rolf Kron wohl noch lange beschäftigen. „Dem Jugendamt liegen zig Mails vor, die mich des Kindesmissbrauchs bezichtigen.“ Das mache ihn fassungslos – schließlich gelte er gemeinhin als kinderliebend und kinderschützend. Gegen die Absender wolle er deswegen strafrechtlich vorgehen. Er habe bereits ein „Riesenanwaltsteam“ zu Rate gezogen. Vom Jugendamt sei er inzwischen zu einem Termin einbestellt worden. „Ich habe aber Besseres zu tun und muss mich um meine Patienten kümmern.“ Das Landratsamt Landsberg wollte sich aus Datenschutzgründen auf Nachfrage unserer Redaktion nicht zu dem Fall äußern.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Teilnahme an Demos: Der Schutz der Kinder ist vorrangig

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Die Diskussion ist geschlossen.

05.09.2020

Herr Kron hat ein 'Riesenanwaltsteam'? Wahrscheinlich genauso riesig wie die Berlin-Demo mit nach seiner Aussage 2 Millionen Besuchern. Da haben dann ja alle die ihn (nach Sichtung des Videos zu recht) anzeigen nichts zu befürchten.

Permalink
04.09.2020

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Nachdem ich mir das Video angesehen habe, finde ich
jegliche Vorwürfe gegen den Polzisten geradezu dreist
- und (in dem Gedränge) das Kind auf den Schultern zu
tragen, eine Verantwortungslosigkeit -
Und dann noch:
"Sowieso könne es nicht sein, dass er sein Kind vor der
Polizei schützen müsse"
."Er wolle dem Polizisten nun die Chance geben, sich öffentlich
bei ihm zu entschuldigen: Wenn er das nicht tut, werde ich
ihn anzeigen.""

Nun, die Meinungsfreiheit erlaubt auch solche Äußerungen
wie auch die, dass die Ansteckung mit dem Coronavirus
nur von Dezember bis Ende März möglich sei
.

Permalink
04.09.2020

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Notwendiger ergänzender Hinweis:
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Angesehenes Video mit etwa 40 (!) sec Dauer -
nicht eine andere kürzere Fassung -.

Permalink
05.09.2020

Ich habe das Video auch gesehen, ich finde der Polizist muss nicht bei voller Ausrüstung auf den Mann losgehen indem er diesen zweimal mit Schwung auf die Brust drückt. Der Polizist nimmt damit in Kauf dass der Mann mit dem Kind auf den Boden stürzt, das Kind kann sich hierdurch massiv am Kopf verletzten. Das Kind auf die Schultern zunehmen finde ich bei diesen Gedränge richtig. Ihre Argumente kann ich leider nicht nachvollziehen.

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04.09.2020

Berlin ist nicht Woodstock und Rolf Kron ist kein Sri Swami Satchidananda

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