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Egling

03.07.2019

Otto Scheu aus Egling sammelt besondere Postkarten

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3 Bilder
Otto Scheu aus Egling bewahrt Historisches davor, dass es verloren geht.

Die Karten geben Einblick in die Zeit und Werbung vor rund 100 Jahren. In seinem Besitz befinden sich Motive, die man auf einer Postkarte nicht vermuten würde.

Er sei ein „alter Gruschtler“, sagt Otto Scheu aus Egling über sich selbst. Historisches hat es dem 80-Jährigen angetan. Er sammelt Dinge, von denen er fürchtet, dass sie sonst verloren gehen könnten. Dazu gehören unter anderem Karten vom Landsberger Ruethenfest aus dem Jahr 1900, 100 Jahre alte Dorfansichten und Hochzeitseinladungen aus den 1930er-Jahren. Auf einer Karte geht es um einen Mord im Oktober 1913 in Egling. „Sie war von einem reichen Bauernsohn schwanger, der das vertuschen wollte“, so Scheu. Auf der Karte sind der Vater und der Bruder am Tatort zu sehen und darüber ist ein Foto, auf dem die junge Frau abgebildet ist.

Postkarte als Abschiedsgruß von der Front

An solches Material kommt er beispielsweise, weil es ihm Bekannte schenken. Aber Scheu, der 40 Jahre bei der Berufsfeuerwehr in München gearbeitet hat und Zugführer gewesen ist, hat auch schon Zeitdokumente aus einem Container geholt und mit Erlaubnis der Besitzer mitgenommen. Dabei handelte es sich um Karten aus dem Ersten Weltkrieg von Verwandten des 2013 in Heinrichshofen gestorbenen Pankraz Fried, Professor für Geschichte, der in Wabern geboren wurde. Einen Teil der Fotos, die die Familie gerne wiederhaben wollte, hat Scheu zurückgegeben. Aus der Zeit des Ersten Weltkrieges hat er viele Karten, die den damaligen Zeitgeist und die Stimmung zeigen. Neben euphorischer Kriegsrhetorik finden sich auch Sprüche, die man auf einer Postkarte nicht erwarten würde. Auf einer ist beispielsweise zu lesen: „Nimm liebes Weib noch diesen Kuss. Vielleicht ist es das letzte Mal vor einem Bodenschuß.“

Die Schwäbische Eisenbahn hat es ihm angetan

Bei der Frage, welche Karte für ihn den größten Wert hat, fällt Scheu, der vor 40 Jahren von Planegg nach Egling gezogen ist, die Antwort nicht schwer. Es ist eine kleine Serie über die Schwäbische Eisenbahn, bestehend aus drei Karten, auf der der Liedtext des gleichnamigen Volkslieds steht und dieser auch zeichnerisch festgehalten wurde. „Das Lied kennt heute leider fast keiner mehr“, so Scheu, der inzwischen mehrere Kisten mit Postkarten an seine Enkel weitergegeben hat, die seine Begeisterung für Altes teilen.

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Auch Gegenstände, die heute fast komplett aus dem Alltag verschwunden sind, hat er viele Jahre gesammelt und seinen Enkeln vermacht. Darunter war unter anderem auch ein Separator für die Milch und Butterfässer. Daheim hat er auch noch eine große Waage aus dem Jahr 1726 hängen, bei der er ins Schwärmen kommt. „Das ist noch richtige Handwerkskunst.“

Eine Sammelleidenschaft wegen strengerer Gesetze aufgegeben

Getrennt hat er sich allerdings von seinen historischen Waffen, weil die gesetzlichen Auflagen immer strenger wurden. „Das hatte keinen Wert mehr, die habe ich beim Landratsamt abgegeben“, sagt der frühere Schütze, der unter anderem mit Schwarzpulver und Vorderlader geschossen hat.

Mit manchem, was Scheu in seiner Sammlung hat, ließe sich wahrscheinlich der eine oder andere Euro verdienen, doch der Eglinger winkt bei dem Thema ab. „Ich verkaufe nichts. Ich habe kein Interesse daran, ein Geschäft zu machen. Ich sehe mir die alten Dinge einfach gerne an.“

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