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Pestenacker

25.07.2019

Pestenacker: Im Steinzeitdorf soll sich wieder was rühren

„Steinzeit zum Mitmachen“ lautet das Konzept, das künftig für die Unesco-Welterbestätte bei Pestenacker gelten soll. Einen entsprechenden Beschluss hat der Kreisausschuss gefällt.
Bild: Julian Leitenstorfer

Bei Pestenacker und Unfriedshausen ruhen 5500 Jahre alte Siedlungsreste im Boden. Doch wie soll das Wissen um das Unesco-Welterbe weitergegeben werden?

Der Betrieb und die Vermittlung vorgeschichtlichen Wissens an der Unesco-Welterbestätte „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ bei Pestenacker und Unfriedshausen sollen alsbald professionalisiert werden. Einen entsprechenden Grundsatzbeschluss hat der Kreisausschuss gefasst. Das Motto des von Kreisheimatpfleger Dr. Bernd Steidl entwickelten Konzepts lautet „Steinzeit zum Mitmachen“.

Seit 2011 sind die 5500 Jahre alten im Boden erhaltenen steinzeitlichen Siedlungsreste Teil des Unesco-Weltkulturerbes und seither plagt sich der Kreistag mit der Frage herum, wie man dieser Auszeichnung gerecht werden kann. Ein erstes Konzept wurde 2015 vorgelegt. Es sah unter anderem den Nachbau eines steinzeitlichen Hauses und die Errichtung eines Besucherzentrums mit Multimedia-Präsentation vor. Wegen der hohen Kosten (die Rede war von rund zwei Millionen Euro) wurden diese Überlegungen aber nicht weiterverfolgt.

Ein neues Besucherzentrum ist vom Tisch

Im vergangenen Jahr legte dann der neue Kreisheimatpfleger für Bodendenkmäler, der Archäologe Dr. Bernd Steidl, ein Konzept für eine modulare Weiterentwicklung der Welterbestätte unter dem Motto „Steinzeit zum Mitmachen“ vor. Darin wird nun auf ein kostenintensive Besucherzentrum verzichtet. Stattdessen beinhaltet Steidls Vision einen mitmachbasierten Ausbau des Steinzeitdorfs unter Einbeziehung der Besucher, die beispielsweise Steingeräte herstellen, Holz beschaffen und verarbeiten, töpfern oder Getreide verarbeiten. Diese Strategie sei zeitlos gegenüber digitalen Vermittlungskonzepten und für alle Altersgruppen und auch Personenkreise über klassische Museumsbesucher hinaus attraktiv. Parallel dazu würde die veraltete Ausstellung im bestehenden Museum erneuert, die Öffentlichkeitsarbeit verbessert und im direkten Umfeld der rekonstruieren Siedlung steinzeitlicher Pflanzenbau betrieben.

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Steinzeitlicher Pflanzenbau ist geplant

Jetzt, kurz nachdem die Augsburger Wassertechnik ebenfalls in die Weltkulturerbestätten eingereiht wurde, landete das Thema wieder im Kreisausschuss, und Landrat Thomas Eichinger (CSU) kam auch nicht umhin, einen Bezug zu Augsburg herzustellen: „Ich würde mir wünschen, wir hätten im Landkreis zu unserem Welterbe ebenso emotionale Zustände wie in Augsburg.“ Tatsächlich blieben solche Emotionen auch in der Kreisausschusssitzung aus. Aber aus den bisherigen Überlegungen der Fachleute wurde am Ende eine Beschlusslage.

Die Vorteile des Steidl-Konzepts liegen für den im Landratsamt zuständigen Abteilungsleiter Johann Bernauer „in der großen Flexibilität bei der stufenweisen Umsetzung einzelner Maßnahmen und den vergleichsweise geringen Kosten“. Sollte sich das Steinzeitdorf in Pestenacker in Zukunft einer entsprechende Besucherresonanz erfreuen, könnten „baulich und inhaltlich auch große Lösungen ergriffen werden“, so Bernauer weiter.

Ein Experte soll ein neues Konzept erarbeiten

Stichwort Kosten: Als Anschubfinanzierung für das erste Jahr stehen rund 140.000 Euro im Raum. Davon entfällt die Hälfte auf Personalkosten für eine wissenschaftliche Fachkraft. Diese soll sich um Konzeption, Erarbeitung von Inhalten, Vergabe von Gewerken und die Koordinierung und Überwachung von Herstellung und Montage kümmern. Die andere Hälfte des Geldes würde überwiegend auf Materialien für Ausstellungszwecke und den Ausbau des Steinzeitdorfes benötigt. Einen Teil der Kosten (rund 59.000 Euro) würde der Landkreis durch einen Zuschuss aus dem Leader-Programm erstattet bekommen.

Das Gelände wird wieder untersucht

„Das ist in meinen Augen ein hervorragendes Konzept“, lobte Kreisrat Dr. Albert Thurner (SPD). Nur der Betrachtungszeitraum von einem Jahr gefiel ihm nicht: „Wer macht das dann in Zukunft?“, fragte Thurner, und bekundete seine Sorge, „dass das in Richtung Abenteuerspielplatz abgleitet, wenn das nur noch ehrenamtlich gemacht wird.“ Die einjährige Befristung sei nur Grundlage für den Leader-Antrag, antwortete Bernauer, „von uns aus ist das auf mehr als nur ein Jahr angelegt“. Die Wissensvermittlung solle auch „verstetigt“ werden, betonte Landrat Eichinger nach einer Anmerkung von Josef Lutzenberger. Der GAL-Kreisrat hatte gefragt, ob es auf Dauer einer solchen wissenschaftlichen Stelle bedarf, da in der Stellenbeschreibung viele einmalige Leistungen genannt seien. Kreisheimatpfleger Bernd Steidl fügte an, es gehe auch darum, an neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen teilzuhaben, und eine solche Stelle „muss auch gut dotiert sein, um jemanden zu bekommen“.

Zur aktuellen Situation auf dem Welterbe-Gelände berichtete Johann Bernauer, dass seit August 2018 geomagnetische Bodenuntersuchungen durchgeführt werden. Endgültige Ergebnisse daraus seien jedoch noch nicht absehbar. Zur seit Langem geplanten Erschließung mit Strom, Wasser und Abwasser berichtete Bernauer, dass nach den Bodenuntersuchungen des Landesamts für Denkmalpflege nun die Ausschreibung vorbereitet werde und im Herbst die Leitungen verlegt werden sollen.

Lesen Sie dazu auch: Wasser marsch! So feiert Augsburg den Welterbe-Titel

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