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Schondorf

13.06.2019

Schondorf: Ein Leben lang am und auf dem See

Peter M. Gradl hat fast sein ganzes Leben am Ammersee verbracht. Er ist begeisterter O-Jollen-Segler und bemüht sich, diese Klasse am Leben zu erhalten.
Bild: Julian Leitenstorfer Photographie

Der Schondorfer Architekt Peter M. Gradl ist begeisterter Olympiajollen-Segler. Derzeit bereitet er die Internationale Deutsche Meisterschaft auf dem Ammersee vor. Wasser ist seine Element.

Wenn Peter M. Gradl von seiner Olympiajolle spricht, gerät er ganz schnell ins Schwärmen. Denn mit diesem kleinen Segelboot, das er alleine segeln kann, hat sich der Schondorfer Architekt einen Traum erfüllt. Seit 2004 ist der heute 80-Jährige mit der O-Jolle unterwegs. Auf dem Ammersee natürlich, aber auch auf vielen anderen Seen. Denn Gradl ist begeisterter Regatta-Segler.

Die Liebe zum Wasser und zum Segelsport dürfte ihm in die Wiege gelegt worden sein. Gradl ist zwar in München geboren, verbrachte sein Leben aber nahezu ausschließlich im Haus am See, das der Großvater 1910 erbaut hatte. „Im März 1943 kamen wir mit der kleinen Schondorf von Herrsching nach Schondorf“, erinnert er sich an den Beginn seiner Kindheit am Ammersee. Nach einer Bombennacht in München war das Haus, in dem die Familie lebte, beschädigt worden. „Seitdem bin ich hier. Ich habe eine sehr schöne Kindheit verbracht und vom Krieg nicht mehr wirklich viel mitbekommen“, ist Peter Gradl dankbar.

Während des Kriegs kam die Familie an den Ammersee

Auch die Nachkriegszeit habe er angenehm in Erinnerung. „Wir waren Selbstversorger, uns mangelte es eigentlich an nichts.“ Zur Schule ging der junge Peter im Landheim in Schondorf. „Als Externer, ich konnte nach dem Unterricht nach Hause gehen.“ Erst nach dem Abitur 1957 kehrte Peter Gradl wieder nach München zurück, um dort zu studieren und 1962 sein Studium als Diplom-Architekt abzuschließen.

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Wann immer es die Zeit zuließ, war Gradl aber am Ammersee – oder besser gesagt – auf dem Ammersee anzutreffen. „Mein erstes schwimmendes Gefährt bestand aus vier leeren Benzinkanistern, über denen ein Brett befestigt war. Ein altes Betttuch, das meine Mutter für mich zusammengenäht hatte, diente mir als Segel.“ Später stieg Gradl auf einen alten besegelten Fischerkahn um, dem eine marode 10-qm-Rennjolle folgte, die er sich von seinem Praktikumsgeld kaufte. „200 Mark hat die Bootsruine von der Steinlechner-Werft damals gekostet“, erinnert er sich. Liebevoll restaurierte er dieses Boot so gut er konnte, und besegelte damit den heimischen See.

Das erste „Segelboot“ bestand aus Kanistern und einem Betttuch

Dem alten Klassiker folgte ein Korsar, eine sportliche Gleitjolle mit Spinnaker und Trapez. „Einer meiner Freunde hatte einen Korsar, auf dem ich als Vorschoter mitsegeln konnte.“ Mit diesem Boot machten die beiden sich sogar auf den Weg zur Kieler Woche, dem größten Segelevent der Welt.

Seine Liebe zum Langstreckensegeln entdeckte Peter Gradl, der bis heute als Architekt in seinem Büro am Ammersee arbeitet, beim Skifahren. „Dort habe ich Leute kennengelernt, die von den 24-Stundenregatten auf dem Ammersee erzählt haben“, erinnert sich der zweifache Familien- und Großvater. An diesen Veranstaltungen hat er dann viele Jahre teilgenommen. Inzwischen ist Gradl mit seiner O-Jolle Stammstarter vieler Regatten. 13 bis 15 Veranstaltungen im Jahr kämen da schon zusammen, sagt er. Ein paar Mal habe er den Ammersee-Teller gewonnen und bei kleineren Regatten auch schon erste Plätze belegt. „Ich habe schon den Ehrgeiz, sehr gut zu segeln, aber die Freude an diesem Sport steht absolut im Vordergrund.“

In einigen Wochen steht eine besondere Veranstaltung an

Als Obmann Flotte Süd der Internationalen Olympiajollen Union Deutschland (I.O.U.) ist er der Ansprechpartner für O-Jollen-Segler in Süddeutschland. „Mir ist sehr daran gelegen, diese Klasse am Leben zu halten und ganz vorsichtig zu modernisieren.“ Denn, so Gradl, diese „alte Dame mit Temperament“ müsse gehegt und gepflegt werden. „Diese Jolle ist so fein ausgefuchst und hat so wundervolle Trimm-Möglichkeiten“, schwärmt Gradl, der von sich selbst sagt, dass er früher ein schlechter Sportler gewesen sei. Später sei er mit seiner verstorbenen Frau Ski gefahren, habe Tennis oder Badminton gespielt und sei gejoggt. Heute geht Gradl mit Mischlingshündin Paula walken oder genießt die Ruhe in seinem Haus oben unter dem Dach mit Blick auf den Ammersee.

Schwimmen ist noch so Gradls Sache

Lebensqualität sei für ihn neben der körperlichen Bewegung – so gut es eben geht – die berufliche Aktivität. Neben dem Segeln gehören Lesen und Theater- oder Konzertbesuche zu den Lieblingsbeschäftigungen von Peter Gradl. Außerdem liebt er den Naturgarten zwischen seinem Haus und dem Seeufer. Schwimmen, so gibt er schmunzelnd zu, gehöre nicht unbedingt zu seinen Hobbys. Er bewege sich lieber auf dem Wasser als darin.

Im Augenblick gilt sein Augenmerk den Vorbereitungen der Internationalen Deutschen Meisterschaften der O-Jollen-Segler im September auf dem Ammersee. „Da werden rund 80 Boote am Start sein, die es zu koordinieren gilt.“ Selbst startet Gradl bei den zahlreichen Regatten für den Schondorfer Segelclub SSCA, außerdem ist er Mitglied im Ammersee Yacht Club AYC.

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