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Landkreis Landsberg

19.05.2020

So läuft das Abitur im Landkreis Landsberg dieses Jahr ab

Juliana Bartenschlager aus Holzhausen ist eine von Hunderten angehenden Abiturienten im Landkreis Landsberg. Die 19-Jährige besucht das Ignaz-Kögler-Gymnasium in Landsberg. Am Mittwoch starten die Prüfungen mit dem Fach Deutsch.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Für Hunderte Abiturienten im Landkreis Landsberg beginnen die Abschlussprüfungen. Die vergangenen Wochen waren wegen Corona für viele von ihnen eine harte Belastungsprobe.

Am Mittwoch beginnt für Juliana Bartenschlager (19) aus Utting und Hunderte andere Abiturienten im Landkreis die wegen der Corona-Krise verschobene Prüfungszeit. „Meine Stufe ist sehr nervös“, sagt die Schülerin des Ignaz-Kögler-Gymnasiums in Landsberg. Das Homeschooling der vergangenen Wochen habe viele Schüler und Lehrer überfordert. Die Schulleiter blicken hingegen optimistisch auf die Prüfungszeit. Am Mittwoch geht es mit dem Fach Deutsch los. Unsere Zeitung hat bei den Schulen nachgefragt, wie die Prüfungen ablaufen.

„Wir hatten zwar viel freie Zeit, aber keine angenehme freie Zeit“, sagt Juliana Bartenschlager. Auch der Abiball oder die Reise nach dem Abitur, die für viele das Wichtigste seien, fielen aus. Wenigstens die Zeugnisverleihung mit einer Liveübertragung für die Familien stehe noch im Raum. Bis dahin müssen die Schüler im Landkreis die Prüfungen aber erst mal erfolgreich absolvieren. Am Ignaz-Kögler-Gymnasium legen 101 Abiturienten heuer ihre Prüfungen ab, dazu kommen noch 20 Waldorfschüler. Sie schreiben diesmal an vier Orten – meist sind es die Turnhallen – gleichzeitig, um den Sicherheitsabstand von mindestens zwei Metern einhalten zu können. „Das ist für alle herausfordernd. Seit die Schüler aber wieder Präsenzunterricht haben, haben sich die Ängste weitgehend erledigt“, sagt Schulleiterin Ursula Triller. Sechs Schüler würden in einem separaten Raum die Abituraufgaben lösen, da sie Risikopatienten im Familienumfeld hätten.

Die Vorbereitung lief zuletzt in Kleingruppen

Rund 80 junge Erwachsene werden in der Sporthalle des Dominikus-Zimmermann-Gymnasiums ihre Abiturprüfungen ablegen. „Dank der Größe der Halle haben wir keine Probleme, die Abstände einzuhalten“, sagt Schulleiter Bruno Bayer. Die Rahmenbedingungen des Kultusministeriums für die Prüfung im Zuge der Corona-Krise wurden den Schülern bereits in einer internen Abiturbelehrung mitgeteilt. Allgemein gilt am DZG: „Mundschutz tragen, wenn sich Menschen bewegen.“ Das gelte für Lehrer, die zwischen den Reihen hin und her gehen, sowie für Schüler auf dem Weg zur Toilette. Erst an den Tischen können die Schüler sich ohne Schutzmaske den Aufgaben widmen. Um den Einlass der Klassen zu organisieren, werden die Abiturienten in kleinen Gruppen nach einem System in die Halle gelotst.

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„Das Feedback der Schüler ist positiv“, sagt Bayer mit Blick auf die Abläufe. Trotz der Schulschließung am 16. März hätten sich die Schüler weiterhin komplett im Unterricht befunden. Seit Wiederaufnahme des Unterrichts in den Schulen bereiteten sich die Abschlussklassen in Kleingruppen in den abiturrelevanten Fächern vor. „Es war eine andere Art zu lernen, man kann aber davon ausgehen, dass die Anforderungen der Abiprüfung wie in den vergangenen Jahren gleich bleiben.“ Schüler, die dieses Jahr eine Prüfung im Fach Sport in Angriff nehmen, müssen nun mit geistigen Fähigkeiten überzeugen. Anstelle von Laufen, Springen und Werfen gebe es eine theoretische Ersatzprüfung.

Die Abiturienten kommen durch verschiedene Eingänge

Auch die Abiturienten des Ammersee-Gymnasiums in Dießen fiebern den Prüfungen entgegen. Einen Nachteil sieht Schulleiter Alfred Lippl für die Psyche der Schüler aufgrund der vergangenen Wochen. „Die Struktur und die Routine haben gefehlt.“ Durch den Ausfall der Schulaufgaben im zweiten Halbjahr fehlte den Schülern das Training unter Belastung. „Am Stück fünf Stunden schreiben liegt für viele Schüler schon länger zurück.“

Wie bei einer Feueralarm-Übung wurde der Weg in die Sporthalle für einen reibungslosen Ablauf an den Prüfungstagen bereits geprobt. Die Sporthalle, in der die Prüfungen stattfinden sollen, verfügt über vier gesonderte Eingänge, die in vier unterteilte Bereiche führen, um einen Kreuzverkehr zu verhindern.

Es gab ein virtuelles Klassenzimmer

Am Ammersee-Gymnasium wird das Abitur auch im Fach Kunst angeboten. Für gewöhnlich teilen sich die Schüler dort die von der Schule gestellten Farben und Materialien in der praktischen Prüfung. Heuer versuche die Schule, die prüfungsrelevanten Materialien für jeden Schüler einzeln vorzuhalten. „Im Worst-Case-Szenario oder bei seltenen Farben liegen für jeden Schüler Handschuhe bereit“, so Lippl.

Das Landheim Ammersee in Schondorf betreut dieses Jahr 38 Schüler, die ihre Reifeprüfung ablegen. „Mit Beginn des Lockdowns blieben die Schüler weiterhin im Stundenplanraster“, sagt Schulleiter Matthias Bangert. Bis die Schüler in ihre Klassenzimmer zurückkehren konnten, wurde über eine Online-Plattform, mit der gemeinsame Videoanrufe, Chats und das Versenden von Arbeitsblättern möglich sind, ein virtuelles Klassenzimmer geschaffen. Danach gab es eine intensive Abiturvorbereitung im Präsenzunterricht. Damit jeder Schüler die Abiturprüfung auch gesund antreten kann, wurden die Prüflinge mit Gesichtsschildern ausgestattet und von anderen Klassen getrennt, um eine Ansteckung zu verhindern.

Werden die Aufgaben dieses Jahr leichter?

„Auch wenn es keine Einschnitte im Lernbetrieb gab, darf man nicht vergessen, dass die Prüflinge ihr Abitur während einer Krisensituation bewältigen müssen“, sagt Matthias Bangert. Die Schüler plagten dabei viele Unwägbarkeiten: „Findet das Abi statt, findet es nicht statt?“, „Soll ich mich überhaupt vorbereiten oder nicht?“. Auch Lerncamps wie in den vergangenen Prüfungsphasen konnten nicht gebildet werden. Die Prüfungen so normal wie möglich zu gestalten, komme nun verstärkt auf die Lehrkräfte an. „Wir versuchen, Ruhe und Verlässlichkeit auszustrahlen.“

Werner Hörmann, Stellvertretender Schulleiter des Rhabanus-Maurus-Gymnasium in St.Ottilien, sieht die Schüler trotz der besonderen Umstände gerüstet. „Ich habe jedenfalls keine Beschwerden gehört.“ Eine Prognose, ob die Aufgabensteller die Ausnahmesituation berücksichtigt haben, könne er nicht geben. „Ich hoffe einfach auf faire Aufgaben.“

Lesen Sie auch den Kommentar:Abitur in Coronazeiten: Mehr Zeit zum Lernen

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