1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. So viele waren noch nie am Start

Landsberg

04.10.2015

So viele waren noch nie am Start

Copy%20of%20leit263578.tif
3 Bilder
Noch mit Sandalen haben die Asylbewerber angefangen zu trainieren. Das Team „LandsbergLäuft“ wurde rechtzeitig für den Stadtlauf mit Turnschuhen ausgerüstet, die allesamt gespendet wurden.
Bild: Julian Leitenstorfer

Stadtlauf Perfektes Wetter sorgte für einen Teilnehmerrekord. Zwei Gruppen fielen besonders auf

Kurzfristig hatte sich Felix Rosentreter doch noch entschieden, beim Landsberger Stadtlauf mitzumachen. „Ich habe mich heute Morgen gut gefühlt, das Wetter hat gepasst und ob ich jetzt zu Hause laufe oder hier, dann lieber in Landsberg“, meinte der Königsbrunner, der sich noch schnell nachgemeldet hatte. Seinem Beispiel sind einige gefolgt: Geduldig warteten die Läufer in einer Schlange, um sich noch anzumelden. Und das sorgte am Ende für einen neuen Rekord: 750 Teilnehmer waren am Feiertag am Start – und alle wurden von zahlreichen Zuschauern bejubelt und angefeuert.

Unter ihnen eine Gruppe, die sofort auffiel: „LandsbergLäuft“. Raffael Sonnenschein hat für die Asylbewerber in Landsberg einige Aktionen ins Leben gerufen – jetzt nahmen sie auch am Stadtlauf teil. Bestens vorbereitet übrigens, denn der Extremläufer Jakob Igelspacher trainierte mit den jungen Männern aus Nigeria, Eritrea oder Afghanistan. „Wir haben auch nur die angemeldet, die die Strecke schaffen“, sagte Sonnenschein: Ein gewisser Leistungsgedanke steckt auch dahinter. Die jungen Männer waren mit Feuereifer dabei und überraschten teilweise auch Igelspacher, wie schnell sie waren.

Der Extremläufer wollte eine Gruppe in Landsberg gründen, das klappte nicht so recht, doch zusammen mit Raffael Sonnenschein hat er nun seine Trainingskameraden gefunden und denen macht es riesig Spaß. „Wir trainieren auf jeden Fall weiter“, meinte etwa Eremias aus Eritrea. Er startete über die zehn Kilometer und belegte dort in seinem ersten Rennen überhaupt gleich den dritten Platz. Die Stimmung an der Strecke überraschte nicht nur ihn, auch seine Mitstreiter waren ganz begeistert.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Wobei alle auch für die tolle Stimmung mit sorgten: Die Männer aus Somalia feuerten die Läufer aus Nigeria an und die Eritreer die Afghanen – und alle gemeinsam die Starter aus Landsberg und Umgebung – Multi-Kulti im besten Sinne.

Dass es aber nicht nur um den Spaß ging, sah man bei der Teamwertung: Die Mannschaft von Rational hatte schon nach dem Aufwärmen bei Anna Klinke von Hardy’s, der Organisatorin des Stadtlaufs nachgefragt, ob „LandsbergLäuft“ denn auch in der Teamwertung antrete. „Die hatten doch gewisse Sorgen“, sagt Klinke mit einem Schmunzeln – zurecht, denn die Männer in den selbst gemalten weißen T-Shirts mit Rückennummern holten sich tatsächlich den Gesamtsieg in der Teamwertung über 10 Kilometer und den Halbmarathon.

Raffael Sonnenschein freute sich darüber fast noch mehr als die Läufer selbst, doch vor allem gefiel ihm, wie die Gruppe bei diesem Ereignis aufgenommen worden war: „Wir wollten hier ein positives Bild hinterlassen“, meinte er – das sei gelungen: Alle Teilnehmer kamen ins Ziel, zum Teil mit sehr guten Zeiten. So war Baharia aus Eritrea über die Halbmarathonstrecke gerade mal zehn Minuten langsamer als der Sieger. Dabei hatte er erst vor Kurzem mit dem Laufen begonnen – anfangs noch in Sandalen, wie Sonnenschein erzählt, erst nach und nach konnte man die Läufer auch mit Turnschuhen, die gespendet wurden, ausstatten. Und sie zeigten, dass gute Zeiten nicht allein mit der Ausrüstung zusammenhängen.

Überhaupt erst möglich wurde die Teilnahe durch den Organisator Hardy’s: Der Ausrichter hatte nämlich nicht nur die Asylbewerber sonder auch die Lebenshilfe und die Landsberger Arche zur Teilnahme eingeladen – und durfte am Ende den Teilnehmerrekord feiern.

„Es hat alles prima funktioniert“, war Anna Klinke auch ein bisschen erleichtert – die monatelange Vorbereitung war nicht umsonst gewesen. „Vor allem das Wetter muss mitspielen“, aber auch diesmal hatten sie und ihre rund 50 Helfer, die seit den frühen Morgenstunden alles vorbereitet hatten, wieder Glück.

Eine weitere Gruppe fiel auch auf: Geschminkt „wie Conan der Barbar“, so Trainer Sebastian Trenkler, waren die Teilnehmer von „New Wave“.

Sie liefen sich für die fünf Kilometer aber mit Zusatzaufgaben: „Wir machen in einigen Abständen immer wieder Burpees“, kündigte Trenkler an – Liegestütz mit Strecksprung. Die Gruppe zog es durch – nur die Bemalung litt gewaltig, aber „dann sieht man, dass wir etwas getan haben“, meinte Trenkler mit einem Lachen im Ziel.

"Seite 33

LandsbergLäuft Noch sucht die Gruppe weitere Trainer für die Läufer, auch in Kaufering. Wer Interesse hat, kann sich über die Facebookseite „LandsbergLäuft“ melden. Zu sehen ist das Team bereits wieder am 10. Oktober, dann auf dem Fußballplatz bei Jahn Landsberg zu einem Prominentenspiel

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren