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Landkreis Landsberg

25.01.2021

Stadelbrände: Nur einer der Feuerteufel muss ins Gefängnis

Die Brandserie, bei der im Landkreis Landsberg etliche Scheunen angezündet wurden, ist juristisch abgearbeitet. Das Urteil gegen die Täter steht fest.
Foto: Polizei (Archiv)

Plus Ein Jahr nach der Brandserie im Landkreis Landsberg ist der Fall juristisch abgeschlossen. Warum nur einer der beiden Täter nach den Stadelbränden eine Haftstrafe antreten muss. Sein Freund kommt trotzdem nicht frei.

Rund ein Jahr nach der Festnahme der beiden Feuerteufel vom Lechrain ist der Fall juristisch abgearbeitet. Vor dem Landgericht Augsburg sind am Montag die Urteile gegen die beiden 25 und 26 Jahre alten Männer gefallen, die Ende 2019 bis Anfang 2020 zahlreiche Feldscheunen im Landkreis Landsberg und der Region angezündet hatten.

Schlaflose Nächte hatten vor einem Jahr viele Landwirte zwischen Landsberg und Schongau. Neun Feldscheunen gingen durch Brandstiftung in Flammen auf. In den Dörfern organisierten Anwohner Nachtwachen. Polizeihubschrauber stiegen auf und suchten nachts mit einer Wärmebildkamera nach Verdächtigen. Wer in der Gegend einen Oldtimer besaß und es für den Winter bei einem Landwirt untergestellt hatte, brachte sein wertvolles Gefährt vorsichtshalber in Sicherheit. Am 17. Januar vorigen Jahres endete der Spuk mit der Festnahme zweier 25 und 26 Jahre alten Männer aus dem Landkreis Landsberg.

Vor dem Augsburger Landgericht sind am Montag, am zweiten Verhandlungstag, schon die Urteile gegen beide Angeklagte gefallen. Der jüngere, der die Feuer gelegt hat, wie er gestand, wurde zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Der Mitangeklagte wurde lediglich der Beihilfe in fünf Fällen schuldig gesprochen. Anders als von Staatsanwalt Georg Hohenadl beantragt, muss er aber nicht ins Gefängnis. Die Richter der 1. Strafkammer setzen seine zweijährige Haftstrafe zur Bewährung aus.

Fast ein Dutzend Brände - wie hier bei Leeder - werden zur Serie der Feuerteufel gerechnet
Foto: Thorsten Jordan (Archiv)

Das Gericht verhängte bei ihm jedoch zusätzlich eine Geldstrafe von 2700 Euro sowie Bewährungsauflagen. Der 26-Jährige ist bereits wegen Cannabis-Anbaus und illegalen Waffenbesitzes vorbestraft. Er hat gestanden, zu einigen Tatorten mitgefahren zu sein und zugesehen zu haben, wie sein Freund die Scheunen anzündete. Einmal wurde ein brennender Heuballen frühzeitig entdeckt, ein anderes Mal gingen die Flammen wegen feuchter Heuballen von selbst aus, wie es vor Gericht hieß. Die Brände verursachten laut Staatsanwaltschaft Schäden in Höhe von 944.000 Euro. In einer Feldscheune in Rott verbrannte eine wertvolle Sammlung alter Hanomag-Traktoren.

Beide Männer stammen aus dem Landkreis Landsberg

Am ersten Prozesstag hatten Staatsanwalt, die drei Verteidiger und das Gericht ohne Öffentlichkeit einen „Deal“ vereinbart. So konnten die Angeklagten im Gegenzug für ein Geständnis mit Strafen zwischen zwei und vier Jahren rechnen. In Zeiten, in denen das Coronavirus auch die Arbeit der Justiz ins Stocken bringt, sind Geständnisse für Angeklagte von noch größerem Wert. Das machte der Vorsitzende Richter Christian Grimmeisen im Urteil deutlich.

Ursprünglich waren sechs Verhandlungstage geplant gewesen. Angesichts verschärfter Hygienebestimmungen – der Prozess musste alle 19 Minuten für zehnminütiges Lüften unterbrochen werden – „hätten wir auch bis in den Sommer verhandeln können“, sagte Grimmeisen. So hatte das Gericht bis auf den sachbearbeitenden Ermittler der Kriminalpolizei in Fürstenfeldbruck andere Zeugen, darunter auch Geschädigte, abgeladen. Unter diesen Umständen, so der Richter, müsse der Rechtsstaat die vergleichsweise milden Strafen hinnehmen.

Der Mittäter wird gleich im Gerichtssaal erneut festgenommen

Im Gerichtssaal fielen bei den Plädoyers dennoch harsche Worte. Stefan Mittelbach und Stephan Lucas, die beiden Verteidiger des 26-Jährigen, warfen dem Staatsanwalt „martialisches Auftreten“ vor. Hatte doch der Ankläger für sie überraschend angekündigt, einen Haftbefehl zu beantragen, falls ihr Mandant nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt werde und freikäme. Wie unsere Redaktion erfuhr, wird gegen den 26-Jährigen neuerlich ermittelt. Wieder soll es dabei um Waffen und Drogen gehen. Er wurde nach dem Urteil noch im Gerichtssaal wieder festgenommen. Beide Männer stammen aus dem Landkreis Landsberg.

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25.01.2021

Bei allem Frust über Straftaten sollte man doch nicht vergessen, dass hinter jedem Angeklagten und Verurteilten ein Mensch steht, der Partner und Familie und Freunde hat und über dessen Lebensumstände wir überhaupt nichts wissen. In diesem Fall zwei junge Menschen, die ein ganzen Jahr Untersuchungshaft hinter sich haben, heißt, sie wurden festgenommen, ohne die Chance, sich von Freunden und Familie zu verabschieden, U-Haft heißt: verschärfte Haft-Bedingungen, keine Telefonate, nur Briefe, die ALLE vom Staatsanwalt gelesen werden. Keine Chane, für Angehörige, nach irgendetwas, die Fälle betreffend, zu fragen, diese Briefe werden einkassiert, Antwort auf Nonsens-Fragen dauert ca. 20 Tage. Warten auf den Prozess ohne zu wissen, wann dieser beginnt und was das Urteil für ein Ende bringt. Ich wiederhole: EIN GANZES JAHR! Und jetzt stellt euch vor, es trifft einen aus eurer Familie....und wer bitteschön sind Sie Herr Ludwig B. dass Sie meinen ein Urteil fällen zu können?

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25.01.2021

Nun fast eine Million Schaden, Polizei und Feuerwehr in dauerstress gehalten dir Bürger Terrorisiert mit Angst um Ihr Eigentum. Wer bezahlt das alles? Noch dazu nichts dazugelernt, und wieder im Visier der Justiz, sowas ist für mich Gemeingefährlich und gehört in Sicherheitsverwahrung (und da meine ich beide damit)!

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25.01.2021

"Noch dazu nichts dazugelernt" woher wollen sie das wissen?

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