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Landsberg

16.06.2019

Unwetter in Landsberg: "Ein Schepperer und dann kam der Schlamm"

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Nach dem schlimmen Unwetter am Samstagabend in Landsberg liefen Dutzende Keller voll. Besonders schlimm traf es die Familie Echter in der Pössinger Straße.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Der massive Regen sorgt für Dutzende überschwemmte Keller und Kneipen. Die Pössinger Straße trifft es ganz besonders. Bewohner schildern die schlimmen Momente.

Der Himmel ist innerhalb von Sekunden dunkel und es regnet so, dass man keinen Meter mehr weit schauen kann. Die Regenmassen prasseln am Samstagabend auf die Stadt Landsberg - mit massiven Folgen. Denn die Erde der Felder an der Pössinger Straße kann die Regenmassen nicht mehr aufnehmen. Eine braune Schlammbrühe schiebt sich über die Straße in Richtung Wohnhäuser. Sturzbäche laufen die Alte Bergstraße hinunter und innerhalb von zwei Minuten sind viele Keller in der Altstadt voll Wasser. Betroffene Anwohner schildern die schlimmen Momente, in denen die Schlammbrühe bis zu zwei Meter hoch im Haus stand.

Lesen Sie hier unseren ersten Bericht von Samstagabend: Starkregen in Landsberg: Schlamm-Massen werden in Wohngebiet gespült

Das Wasser von der Straße drückt sich in Kneipen, Hauseingänge oder Geschäfte der Altstadt, die ebenerdig sind. „Es ging alles rasend schnell. Wir waren völlig überrascht und mussten sofort reagieren. Das Wasser lief von der Straße ins Restaurant und in der Küche liefen die Gullys über“, erzählt Birgit Greinwald vom „Mühlbacher“. Vor der Tür stand das Wasser kniehoch. „Man hätte mit der Gondel fahren können. Es war wie in Venedig“, sagt Greinwald. Die Gäste sind im Restaurant gefangen. „Es konnte keiner gehen. Zum Glück hörte der Regen schnell wieder auf, ich weiß nicht, was wir sonst hätten machen sollen.“

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Überschwemmung in der Landsberger Innenstadt: die Vordere Mühlgasse am Samstagabend.
Bild: Uschi Grigoleit

Die halbe Nacht wird im „Mühlbacher“ gewischt und aufgeräumt. Auch die restliche Innenstadt ist stark betroffen. Die Feuerwehr hat Einsätze im Hinter- und Vorderanger. Das Wirtshaus am Spitalplatz ist stark betroffen und der Keller der Villa Rosa ist vollgelaufen. Gegen 23.30 Uhr werden am Samstag noch viele Hausgänge gewischt und aufgeräumt und immer wieder hörte man die Martinshörner der Feuerwehrwagen.

Auch in der Pössinger Straße ist Land unter, oder besser gesagt, Schlamm drüber. „Das geht in die Kategorie Simbach und erinnert an die dortigen Unwetter in Niederbayern“, sagt Feuerwehrmann Volkmar Mühlberger. Er hilft am Sonntag privat und saugt schlammige braune Brühe aus dem Keller der Familie Echter in der Pössinger Straße.

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Starkregen verursacht Schlammlawine im Landsberger Osten
Bild: Thorsten Jordan

Simbach am Inn versank 2016 in einer Schlammlawine, in Landsberg wälzt sich in der Nacht auf Sonntag Schlamm durch Straßen im Osten der Stadt. Die Kanalisation kann in vielen Bereichen die Wassermassen nicht aufnehmen und die Landsberger Feuerwehr muss laut Stadtbrandinspektor Christian Jungbauer rund 50 Mal ausrücken.

Es sei unter anderem auch die Dießener Feuerwehr dazu alarmiert worden. Bei ihr sind spezielle Abrollbehälter mit vielen Hochwasserpumpen und einer Sandsackfüllanlage untergebracht. Kommandant Jungbauer: „Der Schwerpunkt der Einsätze lag im Osten im Bereich Pössinger Straße, Bayerfeldstraße oder Am Krachenberg.“

Am Tag danach wird in Landsberg das ganze Ausmaß des Schadens deutlich

Der Tag danach. „Gehen Sie nur runter in den Keller und schauen Sie selbst“, sagt Monika Echter. Helfer tragen Autoreifen und andere Utensilien in den Hof. Das Haus des Ehepaars Monika und Klaus Echter in der Pössinger Straße ist Opfer einer riesigen Schlammlawine. Das Fenster zum Heizungskeller ist eingedrückt und das schlammige Wasser stand in diesem Raum rund 1,90 Meter hoch, wie an einem braunen Rand an der Wand zu sehen ist.

Besonders schlimm traf es die Familie Echter in der Pössinger Straße. Dort stand der Schlamm fast zwei Meter hoch im Keller.
Bild: Thorsten Jordan

„Es hat einen Schepperer getan“, erzählt Monika Echter über den Augenblick, als der Schlamm in ihr Haus drang. Ihr Mann habe noch im Keller die Sicherungen ausschalten können. Die LEW musste laut Klaus Echter erst den Heizungsraum mit der Gasheizung freigeben, bevor die Feuerwehr abpumpen konnte. „Die Gasheizung war ein Dreivierteljahr alt“, erzählt Monika Echter.

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