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Landkreis Landsberg

30.10.2019

Urteil: Sex mit 15-jähriger Schülerin war keine Vergewaltigung

Wegen Vergewaltigung musste sich ein junger Mann, der im Landkreis Landsberg lebt, vor dem Jugendschöffengericht in Augsburg verantworten. Verurteilt wurde er allerdings wegen anderer Delikte.
Bild: Ralf Lienert (Symbolbild)

Plus Ein 18-Jähriger und eine Minderjährige kommen sich näher. Danach zeigt die Jugendliche ihn bei der Landsberger Polizei an. Am Ende muss der junge Mann ins Gefängnis - nicht wegen Vergewaltigung.

Ein 18-Jähriger und eine 15 Jahre alte Schülerin haben Sex. Das Mädchen geht danach zur Polizei und zeigt den jungen Mann wegen Vergewaltigung an. Vor dem Jugendschöffengericht in Augsburg wird er verurteilt - aber wegen einer Reihe ganz anderer Straftaten.

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„Eine Riesensauerei“ nannte die Richterin das, was der seinerzeit 18-jährige Angeklagte einer 15-jährigen Schülerin aus dem Landkreis Landsberg angetan hatte, indem er binnen eines Tages mehrfach mit ihr Sex hatte. Trotz des Freispruchs des Jugendschöffengerichts des Augsburger Amtsgerichts zum Vorwurf der Vergewaltigung muss der Angeklagte ins Gefängnis. Er hatte zahlreiche Einbruchdiebstähle gestanden.

Das Gericht sieht keine Anhaltspunkte für eine Vergewaltigung

„Sie haben die Situation der 15-Jährigen ausgenutzt, die in einer schwierigen Phase mit ihrer Familie lebte. Sie haben ihr Freundschaft und Gefühle vorgetäuscht, allein mit dem Ziel, Ihre eigenen sexuellen Wünsche zu befriedigen.“ So tadelte Richterin Angela Friehoff den heute 19-jährigen Angeklagten. Das Gericht sah keine Anhaltspunkte für die angezeigte Vergewaltigung. Zu gering sei der Widerstand der Geschädigten gewesen, zu einvernehmlich für Sex habe ihr Verhalten auf den Angeklagten wirken können.

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Das Mädchen fährt mit einer Freundin zu dem jungen Mann

Bereits seit Februar 2018 sei sie mit dem Angeklagten befreundet gewesen, so die Schülerin im Zeugenstand. Man habe aber aus ihrer Sicht keine feste Beziehung gepflegt. Dennoch sei sie einverstanden gewesen, als es darum ging, im Mai 2018 gemeinsam mit dem Angeklagten dessen Freunde in einer Gemeinschaftsunterkunft zu besuchen. Der Mutter hatte sie gesagt, bei ihrer Freundin zu übernachten. Diese Freundin, heute ebenfalls 17, begleitete die Geschädigte in einen Ort im nördlichen Landkreis. Dort habe man den Abend miteinander verbracht, dann legte man sich schlafen. Während die Freundin sich nach oben ins Stockbett gelegt hatte, ruhte ein Mitbewohner auf einer Extra-Matratze. Die Schülerin und ihr Freund legten sich unten ins Stockbett.

Als die anderen schliefen, habe der Angeklagte angefangen, sie auszuziehen und sie zu küssen, so die Schülerin. Sie habe ihm gesagt, sie sei müde, und sie habe ihm bestimmt auch gesagt, dass sie keinen Sex mit ihm wolle.

Sie habe oben im Stockbett schlafend nichts von den Vorkommnissen mitbekommen, so die Freundin der Geschädigten vor Gericht.

Am Tag danach geht das Mädchen zum 18-Jährigen zurück

Am nächsten Morgen habe die Schülerin die Freundin zum Zug begleitet, um gleich daraufhin wieder in die Unterkunft zu dem jungen Mann zurückzukehren. Dort habe sie sich zu dem schlafenden Angeklagten gelegt, so die Schülerin, die für das Gericht keine Erklärung für ihr Tun hatte. Gegen Abend habe der Angeklagte dann erneut mit dem Mädchen Sex gehabt.

Spätestens bei der Schilderung dieser Umstände war für Verteidiger Marco Müller klar, dass die Geschädigte selbst den Geschlechtsverkehr durch einfaches Aufstehen und Davonlaufen hätte verhindern können. Erst auf dem Heimweg in den nördlichen Landkreis offenbarte sich die Schülerin einer Freundin und ihrer Mutter, ging danach zum Frauenarzt und zur Polizei, um Anzeige wegen Vergewaltigung zu erstatten.

Dem jungen Mann werden 15 Einbruchdiebstähle nachgewiesen

Bei der Polizei kam eines zum anderen. 15 Einbruchdiebstähle in unversperrt abgestellte Autos in Kaufering, Geltendorf und Landsberg wurden dem damals 18-Jährigen nachgewiesen. Zwischen „nichts“ und Bargeld und Gegenständen im Wert von rund 200 Euro lag jeweils die Beute. Auch für Einbruchdiebstähle in zwei Kioske und in einen Supermarkt wurde er verantwortlich gemacht. Der Angeklagte war gemeinsam mit einem Mittäter auf Überwachungsvideos zu erkennen. Die Staatsanwaltschaft bezifferte den gesamten Beuteschaden auf knapp 3000 Euro. Zuletzt war der Angeklagte wiederholt beim Schwarzfahren erwischt worden.

Das Gericht verhängt eine härtere Strafe als die Staatsanwaltschaft fordert

Für all diese Delikte forderte die Staatsanwältin eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und einem Monat – ohne Bewährung, weil er Wiederholungstäter sei. Auf die Aussagen der Geschädigten in Sachen Vergewaltigung sei jedoch kein Urteil zu stützen. Die Staatsanwältin forderte in diesem Punkt Freispruch. Rechtsanwältin Marion Zech, Vertreterin der Nebenklage der Geschädigten, sah durchaus Anhaltspunkte für bedingten Vorsatz in Sachen Vergewaltigung. Dem widersprach Rechtsanwalt Marco Müller für den Angeklagten. Die 15-Jährige habe bei den sexuellen Handlungen aktiv mitgemacht. Für die Diebstähle, die der Angeklagte allesamt gestanden habe, forderte sein Verteidiger maximal ein Jahr und sechs Monate Haft, wenn nicht sogar Bewährung. Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten und ordnete Wertersatz von knapp 3000 Euro an.

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