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Landsberg/Geltendorf

06.04.2018

Versehentlich geschubst oder angegriffen?

Vor Gericht musste sich ein 55-Jähriger verantworten, der eine 29-jährige Asylbewerberin verletzt haben soll.
Bild: Symbolfoto: Alexander Kaya

Ein 55-Jähriger soll eine Asylbewerberin beschimpft und verletzt haben. Er sagt: Alles Lüge

Laut schimpfte ein neunmal vorbestrafter Mann, 55, im Amtsgericht. Ihm wurde gefährliche Körperverletzung und Beleidigung einer Asylbewerberin, 29, aus Afghanistan zur Last gelegt. „Das ist alles erstunken und verlogen, was die Frau gesagt hat“, entrüstete sich der Beschuldigte. Und die Aussagen einer Reihe von Zeugen, die seine Angaben widerlegten, so Schöffenrichter Alexander Kessler, kanzelte der 55-Jährige als „abgekartetes Spiel“ ab. Dem Mann half diese Schelte nichts. Er wurde zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt.

Ein „abgekartetes Spiel“

Selbst Rechtsanwältin Alexandra Fuchs ordnete ihrem Mandanten eine „erdrückende Beweislast“ zu. Er habe die Situation im Juli 2017 auf dem Bahnhof Geltendorf anders geschildert als alle anderen, sagte sie. „Tatort“ war die Treppe in der Unterführung. Dort seien viele Leute unterwegs gewesen. Auch eine vor ihm gehende Frau. Die sei plötzlich stehen geblieben und habe mit dem Handy telefoniert. Nachrückende Personen, so der 55-Jährige, hätten ihn vorwärts geschoben. So habe er nicht mehr ausweichen können und sei gegen die 29-Jährige geraten, die jetzt als Klägerin und Zeugin in einer Person auftrat.

Die 29-Jährige sagt das Gegenteil

Ihr gefiel nicht, was er sagte. Denn das sei nicht die Wahrheit. Erst durch lautes Rufen sei sie auf der Treppe auf den Mann hinter ihr aufmerksam geworden. So habe sie sich umgedreht. Der Mann sei auf sie zugekommen und habe sie geschubst. Und das derart fest, dass sie über mehrere Stufen gefallen sei – und am Fuß der Treppe verletzt liegen blieb. Da habe sich der Mann vor sie hingestellt und sie ein zweites Mal als „Sch… Ausländer“ beschimpft. Diese Worte habe sie verstanden, einige andere nicht, berichtete die Frau.

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Es gab mehrere Augenzeugen

Das Geschehen wurde von mehreren Augenzeugen beobachtet. In erster Linie von einer Frau, 58, und einem Mann, 58. Übereinstimmend sagten sie aus, dass der Angeklagte die Frau absichtlich geschubst habe. Ob er das mit Händen oder mit dem Körper gemacht habe, das war nicht zu klären, meinte Staatsanwältin Katharina Horn. Für das Urteil spiele das keine Rolle, erläuterte der hauptamtliche Schöffenrichter Alexander Kessler. Denn die Aussagen ergäben ein stimmiges Bild. Der Mann blieb bei seiner Meinung. Er will nur „Sch… Handy“ gerufen haben.

Mit weit über drei Promille unterwegs

Auf der Treppe soll er mit weit über drei Promille unterwegs gewesen sein. „Unter drei Promille geht es bei Ihnen wohl nicht“, so der Richter. Einsicht in sein Alkoholproblem zeigt der Mann nicht. Eine Therapie habe nichts gebracht. Während der Arbeit greife er nicht zur Flasche. Danach schon: Zwei oder drei Halbe Bier aus der Flasche – „Ein Maurer trinkt kein Büchsenbier“ – teilte der 55-Jährige mit. Und das lasse er sich von niemandem nehmen. Wenn das jedoch zu einer Straftat führe, brauche er mit diesem Argument nicht kommen, wies ihn der Richter in die Schranken.

Die Geschädigte erlitt Verletzungen im Hals-/Nackenbereich, Prellungen am Knie sowie am Ellenbogen. Kessler erscheinen die psychischen Schäden bei der 29-Jährigen größer zu sein als die körperlichen. Denn die Frau habe ihre Heimat Afghanistan verlassen, weil sie sich dort nicht mehr sicher fühlte. Und nun dieser Vorfall, der ihr sehr zu schaffen mache. Die Staatsanwältin beantragte zwei Jahre und acht Monate Haft für den Angeklagten. Rechtsanwalt Nikolaus von Lucke legte das Strafmaß in das Ermessen des Gerichts. Das tat auch Anwältin Alexandra Fuchs. 

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