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Landkreis Landsberg

19.01.2020

Warum viele Briten jetzt Deutsche werden

Zahlreiche neue deutsche Staatsangehörige trafen sich bei der Einbürgerungsfeier im Landratsamt.
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Zahlreiche neue deutsche Staatsangehörige trafen sich bei der Einbürgerungsfeier im Landratsamt.
Foto: Thorsten Jordan

Plus Im Landkreis Landsberg haben im vergangenen Jahr 106 Personen die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten. Aus welchen Ländern die Neubürger ursprünglich stammen und was sie an ihrer neuen Heimat schätzen.

Ziemlich viel Englisch war am Freitag im Foyer vor dem Sitzungssaal des Landratsamts zu hören. Das kam nicht von ungefähr: Das Landratsamt hatte wieder zu einer Einbürgerungsfeier eingeladen für Menschen, die im vergangenen Jahr die deutsche Staatsbürgerschaft erworben haben. Und die mit Abstand größte Gruppe der neu Eingebürgerten im Landkreis sind mal wieder die Briten. 33, und damit fast ein Drittel der 106 Neu-Deutschen, stammen aus Großbritannien.

So stehen etwa Mark Nicholas und Kevin Perryman an einem der Stehtische. Beide wohnen in Schondorf. Seit dem vergangenen Jahr sind sie nun auch Deutsche, ihre britische Staatsangehörigkeit behalten sie. „Zu Hause in England verteidige ich die Deutschen und hier die Engländer“, sagt der 69-jährige Perryman. Seit 1973 lebt er in Deutschland.

Geboren ist er in Colchester in Essex, er studierte Romanistik und Germanistik und so sei er dann nach Deutschland gekommen – und hier geblieben, als er eine Stelle als Lehrer im Landheim in Schondorf bekam, wie er erzählt. Und warum nun Deutscher? Natürlich fallen da schnell der Name des britischen Premierministers Boris Johnson und das Stichwort „Brexit“, aber es geht den neu Eingebürgerten auch darum, in ihrer neuen Heimat politisch mitbestimmen und an Landtags- und Bundestagswahlen teilnehmen zu können. Und tatsächlich sagt Perryman auch im Brustton der Überzeugung: „Ich gehöre zur AfD, den ’Ausländern für Deutschland’“. Britischer Humor eben.

Einer der Briten, die im vergangenen Jahr die deutsche Staatsangehörigkeit erwarben: Kevin Perryman aus Schondorf.
Foto: Thorsten Jordan

Für diesen Humor steht auch Mark Nicholas, der mit seinem Comedy-Partner Simon nun ebenfalls Deutscher ist – und auch gleich für den musikalischen Teil der Einbürgerungsfeier engagiert wurde, dessen Programm ebenfalls ziemlich angelsächsisch ausfällt. Mit „Mrs. Robinson“ von Simon & Garfunkel stimmen die beiden auf den Abend ein – und treffen damit auch den Nerv vieler Besucher, denn knapp die Hälfte der neu Eingebürgerten ist 46 Jahre und älter. Mark Nicholas ist inzwischen 63. Seit 40 Jahren lebe er in Deutschland, seit 32 Jahren in Schondorf: „Ich bin hier sehr glücklich, Deutschland ist mein Zuhause geworden“, sagt der Waliser, „ich würde nie daran denken, nach Großbritannien zurückzukehren.“ Und er schätze nicht nur das hiesige Essen und Trinken, sondern auch die deutsche Ordnung: „Was ich an Deutschland mag, ist: Es läuft“, erklärt Nicholas und nennt ein Beispiel: Wenn man sich hier für 14 Uhr verabrede, dann seien auch alle da.

Von Pünktlichkeit und Ordnung

Um die deutsche Staatsangehörigkeit zu erhalten, müssen die Bewerber auch nachweisen, dass sie die deutsche Sprache beherrschen und über Deutschland Bescheid wissen. Und so hat auch Nicholas eine entsprechende Prüfung abgelegt. „Wie viele Bundesländer gibt es, wer war der erste Bundespräsident, welches Gebäude zeigt dieses Bild und welche Rechte haben Behinderte“, solche Fragen würden da gestellt. „Ich habe das den Freunden vom Stammtisch gezeigt, und die haben auch nicht alles gewusst.“ Er selbst habe 25 von 33 Fragen richtig beantwortet.

Auch die Comedians Mark 'n Simon sind inzwischen Deutsche geworden.
Foto: Thorsten Jordan

Speziell auf Großbritannien ging auch Landrat Thomas Eichinger bei der Einbürgerungsfeier ein: „Der Brexit hat dazu geführt, dass ein großer Anteil aus Großbritannien und England kommt, wir freuen uns darüber“, meinte er, bekam aber gleich Widerworte aus dem Publikum zu hören: „Wir nicht.“ Die neuen deutschen Staatsbürger seien „positive Biografien und Vorbilder, so wie wir uns Integration wünschen“, sagte Eichinger weiter. Neben Briten wurden im vergangenen Jahr unter anderem auch jeweils zehn Rumänen und Türken eingebürgert, daneben sechs Tschechen, fünf Ungarn, vier Griechen und drei Ukrainer. Insgesamt erwarben 106 Personen die Staatsangehörigkeit, 2018 waren es 80, 2017 95.

Mit drei Sprachen in Landsberg aufgewachsen

Zwei Neu-Deutsche wurden den Besuchern dann auf der Bühne noch genauer vorgestellt: Pieter van Groos und Lara Pawelko. Mit einer russischen Mutter und einem kroatischen Vater sei sie in einem deutschen Umfeld dreisprachig aufgewachsen, erzählte die gebürtige Landsbergerin, die im vergangenen Jahr ihre Gymnasialzeit in Landsberg mit einem 1,0-Abitur abschloss und jetzt im ersten Semester Medizin studiert.

Pieter van Groos wurde als Sohn niederländischer Eltern in Manchester geboren. Mit ihnen kehrte er im Alter von fünf Jahren in die Niederlande zurück. Zwischenzeitlich kam er viel in der Welt herum, bis er sich vor zehn Jahren in Dießen niederließ, als er beruflich von Prag nach Zürich wechselte. „Ich sehe langfristig meine Zukunft in Deutschland, es ist ein sehr faires und schönes Land“, erklärte er, warum er jetzt Deutscher geworden sei. „Und es gibt praktische Gründe, nämlich zum Beispiel, dass ich jetzt den gleichen Reisepass wie meine Frau und meine Tochter habe.“

Zuvor hatten alle Gäste der Einbürgerungsfeier dann auch noch gesanglich ihre Verbundenheit mit ihrer neuen Staatsangehörigkeit zum Ausdruck gebracht: Mit Gitarrenbegleitung von „Mark ’n Simon“ sangen sie die Nationalhymne.

Lesen Sie dazu unseren Kommentar: Einbürgerung: Europäer fast unter sich

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