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29.06.2008

Wie aus der Mooskuh der Tiger wurde

Dießen (ger) - Ein Museum ist der Traum der Mitglieder des Fördervereins Südbayerisches Schifffahrtsmuseum, und das schon seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Ob der Traum sich erfüllt, ist ungewiss. Gewiss hat sich der Förderverein in dieser Zeit schon um die heimatkundliche und lokalhistorische Forschung rund um das Vereinsthema verdient gemacht. Dazu gibt der Verein sein Jahrbuch "Vom Einbaum zum Dampfschiff" heraus. Der 14. Band liegt seit Kurzem vor, sein Titel lautet: "Menschen, Schiffe, Wassersport auf Flüssen und Seen in Bayern". Regionaler Schwerpunkt dieses 176-seitigen Jahrbuchs ist der Ammersee.

Der Ammersee ist schon seit mehreren Jahren verstärkt ins Blickfeld des Vereins gerückt, liegt die Museumshoffnung doch vor allem auf den Standort in Stegen gegründet. Hier könnte die Sammlung des Vereins in der Nachbarschaft der Schifffahrt präsentiert werden.

Vom Dampfer zum Vereinsheim

Der Ammersee-Schifffahrt fehlte es in den vergangenen Jahren ja nicht an Publizität angesichts von Schiffsjubiläen, -außerdienststellungen und -jungfernfahrten. Das schlägt sich auch im Jahrbuch nieder. Der längste Aufsatz des Jahrbuchs (von Bärbl Mehnert-Jaeger und Ernst Jaeger) befasst sich mit dem Dampfer "Andechs", der im vergangenen Jahr auf sein 100-jähriges Bestehen zurückblicken konnte, wenngleich er inzwischen mehr als die Hälfte seiner Lebensdauer kein Ausflugsschiff mehr ist, sondern das Vereinsheim der Bayerischen Seglervereinigung in Utting.

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Die im Herbst 2006 verschrottete "Ammersee" (früher "Herrsching") porträtiert Arno Berleb. Das Motorschiff erlangte einige Berühmtheit, als es während seines Zusammenbaus in Herrsching am 12. Januar 1956 im Ammersee versank. Auch zur Schiffstaufe am 9. Mai war der Dampfer noch nicht für seetauglich befunden worden. Der damals oppositionellen CSU war dies Grund genug, im Landtag den Rücktritt des FDP-Wirtschaftsministers Otto Bezold zu fordern.

Eine der schillerndsten Personen, die am Ammersee lebten, stellt Max Rotthaler vor: Manfred Curry (1899-1953), ein Meistersegler und Universalgenie, wie ihn der Autor bezeichnet. Der Mediziner hatte vielseitige wissenschaftliche Interessen und ist weltweit als Erfinder der Curry-Klemme zum Festklemmen und raschen Lösen von Schoten bekannt. Das Multitalent aus Riederau schrieb auch Bücher und drehte Filme. Und Curry war der Besitzer des "Tiger", eines luxuriösen Stromlinienhausboots. Der "Tiger" war ursprünglich der Flussdampfer "Marie Therese" (nach der Monarchie "Wessobrunn" und im Volksmund "Mooskuh" genannt), der zwischen Grafrath und Stegen verkehrte. Wegen des hohen Kohleverbrauchs wurde das Schiff ausgemustert. 1930 kaufte es Curry und ließ es in der Bootswerft Steinlechner in Utting zur Luxusjacht umbauen - es war das Traumschiff der 1930er Jahr am Ammersee.

Vom "Tristan" zum Lastkahn

Ein anderes Luxusschiff - allerdings auf dem Starnberger See - war die "Tristan". Sie gehörte König Ludwig II., fand ihr Ende aber im April 1945 im Ammersee, wo sie inzwischen ein bescheidenes Dasein als Lastkahn fristete. Robert Volkmann erwähnt dieses Schiff im Zusammenhang damit, dass kurz vor Kriegsende ein Mini-U-Boot aus der damaligen Wildenrother Versuchsanstalt für Schiffbau vor Schondorf im Ammersee versenkt wurde. Man verlud das zur Versenkung vorgesehene Wasserfahrzeug auf den Lastkahn "Tristan", der ohnehin abgewrackt werden sollte. 1951 wurden die in 20 Metern Tiefe liegenden Teile, nachdem sich dort immer wieder Fischernetze verhakt hatten, gehoben. Das Metall wurde eingeschmolzen.

In zwei Artikeln blickt das Jahrbuch auch über das Fünf-Seen-Land hinaus. Robert Volkmann erzählt die Geschichte von Gabriel Wörlein. Der Gastwirt - wegen seiner selbst entworfenen Admiralsuniform, in der er seine Gäste begrüßte, auch "Admiral Gaberl" genannt - betrieb in den 1880er Jahren kurzzeitig ein Dampfschiff auf dem nur 8,6 Hektar großen Kleinhesseloher See im Englischen Garten in München. Luitpold von Andrian-Werburg stellt schließlich die sieben noch erhaltenen Dampfschiffe auf dem Comer See und auf dem Lago Maggiore vor. Drei von ihnen sind noch in Betrieb und zwei davon werden bis heute von einer Dampfmaschine angetrieben.

Förderverein Südbayerisches Schifffahrtsmuseum e. V. (Hrsg.): Menschen, Schiffe, Wassersport. Auf Flüssen und Seen in Bayern (Vom Einbaum zum Dampfschiff Bd. 14), ISBN 978-3-00-024359-2.

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