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Fuchstal

11.09.2019

Wie in Fuchstal aus Windenergie Wasserstoff wird

Im Kingholz westlich von Fuchstal stehen vier Windräder. Aus dem dort gewonnenen Strom könnte künftig Wasserstoff erzeugt werden.
Bild: Julian Leitenstorfer

Die Gemeinde Fuchstal macht den nächsten Schritt zur energieautarken Kommune. Was in den nächsten zwei Jahren und danach entwickelt werden soll.

„Wir haben uns riesig über diese Entscheidung gefreut“, sagen Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg und Geschäftsstellenleiter Gerhard Schmid. Wie berichtet, gehört die Kommune mit der Stadt Kaufbeuren und dem Landkreis Ostallgau zu den neun bundesweiten Wasserstoffregionen. Was bedeutet das konkret für die Gemeinde? Wie Erwin Karg im Gespräch mit unserer Zeitung sagt, habe man die feste Absicht, in Fuchstal aus Windstrom Wasserstoff zu erzeugen.

Von den Nachbarn nichts gewusst

138 Gebiete hatten sich an der Ausschreibung der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie beteiligt. Von dort erhielt die Gemeinde Fuchstal nun auch die offizielle Zusage, nachdem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer bereits vorab den Allgäuer Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke informiert hatte. Man habe sich zunächst unabhängig beworben, sagt Schmid und zunächst nichts von den Interessenbekundungen der Nachbarn aus dem Ostallgäu gewusst. Die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie als Koordinator des Projekts habe während der Auswahlphase nicht nur darüber informiert, sondern auch mitgeteilt, dass bei einem Zusammengehen mit den Nachbarn die Chancen für die Berücksichtigung deutlich stiegen.

Anlagen werden finanziell gefördert

Er verspreche sich sehr viel von dieser bislang ungewohnten Zusammenarbeit über die Grenzen des Regierungsbezirks hinweg, sagt Gerhard Schmid. Man werde sich alsbald mit den Verantwortlichen im Allgäu zusammensetzen. In der „HyStarter“-Phase, zu der man den Zuschlag erhalten hat, gehe es zunächst darum, mithilfe von Experten innerhalb von zwei Jahren ein Wasserstoffkonzept für die Region zu entwickeln. Man sei jedoch mit der festen Absicht in die Ausschreibung gegangen, so Karg, auch tatsächlich Wasserstoff aus Windstrom zu erzeugen. Entsprechende Anlagen könnten in den späteren Phasen („HyExperts“ und „HyPerformer“) finanziell gefördert werden.

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Da es sich um ein Projekt des Verkehrsministeriums handelt, gehe die Verwendung des Wasserstoffes vor allem in Richtung Mobilität. Man habe sich schon umgehört, sagt Erwin Karg, einen potenziellen Abnehmer aber noch nicht gefunden. Ein Problem für Speditionen sei zum Beispiel das noch wenig entwickelte Tankstellennetz im In- und Ausland. Eventuell gebe es aber einen Bedarf im Ostallgäu, so Karg. Dort hatte der Abgeordnete Stephan Stracke in seiner Pressemitteilung von der Möglichkeit eines Wasserstoffzugs gesprochen.

„Wärmetopf“ ist ein anderes Projekt

Mit dieser weiteren Alternative hoffe man, noch mehr Menschen davon überzeugen zu können, dass sich der Strom der vier Fuchstaler Windräder auch speichern lasse, meint Karg. Bereits gebaut werden bis 2021 eine Batterie und eine „Power-to-heat“-Anlage, mit der man den nicht benötigten Strom in Form von Wärme nütze. Dieser „Wärmetopf“ und der Batteriespeicher werden über ein anderes Förderprogramm finanziert. Die Maßnahme kostet gut fünf Millionen Euro und wird vom Bundesumweltministerium mit 3,8 Millionen Euro finanziell unterstützt.

Mit dem Wasserstoff-Projekt bewege man sich nach Windkraft, Solarenergie, Biogas und Fernwärme weiter in Richtung zur energieautarken Kommune. „Wir werden damit zwar nicht die Welt retten“, sagt Bürgermeister Karg, doch zumindest zeige man ihr, welche Möglichkeiten auch eine kleine Kommune im Kampf gegen die Klimaerwärmung habe.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier: Erneuerbare Energien: Fuchstal ist ein Vorzeigeort

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