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Taubenturm

12.06.2018

Wie man mit Fundstücken Geschichten erzählt

Ausstellung „Endlos“ von Gerald Strasser im Dießener Taubenturm. Hier: „Die Welle“.
Bild: Romi Löbhard

Gerald Strasser stellt in Dießen aus. Seine Werke wirken fast ein wenig schüchtern

Zurückhaltend, fast ein wenig schüchtern wirken sie – und doch oder gerade deshalb ziehen sie einen wie magisch an. Die Bilder, die unter dem Titel „Endlos“ derzeit im Dießener Taubenturm ausgestellt sind, punkten keineswegs mit grellbunter Aufdringlichkeit und massiver inhaltlicher Überfrachtung.

Ein Motiv, dessen Eigenschaften – real oder von außen übergestülpt – genial einfach herausgestellt, maßvoller Pinseleinsatz, stets zarte Farbgebung: Das ist das Rezept, das den gezeigten Arbeiten von Gerald Strasser zugrunde liegt. Der in Pähl geborene und seit vielen Jahren in Widdersberg hoch über dem Pilsensee lebende und arbeitende Künstler hat in Dießen Arbeiten im Blauen Haus, als Teil der Gemeinschaftsausstellung „Das Kleine Format“ präsentiert. In Soloausstellungen waren seine Werke bisher vor allem in verschiedenen Galerien in München und in der Schweiz zu sehen.

Die Entscheidung für den Taubenturm war eine gute. In den kleinen Räumen auf verschiedenen Ebenen kommen die kleinformatige Malerei und die reduziert, mit nur wenig Material geschaffenen Objekte besonders gut zur Geltung und ermöglichen es den Besuchern der Schau, sie genau und aus nächster Nähe zu betrachten. Dieser Blick ist wichtig, um die im jeweiligen Titel steckende Idee zu erfassen und die eigene Fantasie anzuregen. Für die Umsetzung seiner Gedanken beschränkt sich Strasser vornehmlich auf Gouache und Mischtechnik auf Papier.

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Letzteres sei einfacher in der Handhabung, meint der freischaffende, mittlerweile 75-Jährige Künstler, und nicht zu vergessen, auch kostengünstiger als Leinwand.

Die ausgestellte Malerei hat vor allem das Wasser der vor unserer Haustür befindlichen Seen zum Thema. Zusätzlich hat sich Gerald Strasser mit der heimischen Flora beschäftigt. Typische Pflanzen und Blumen hat er mit wenigen Pinselstrichen so porträtiert, dass Charakter und Eigenschaften – echte oder auch übergestülpte – auffällig werden.

Faszinierend ist, wie Strasser mit seinen Objekten aus wenigen Fundstücken und ein bisschen Farbe Geschichten zu erzählen vermag. Ein Schnuller, das Mundstück weggeschnitten, dazu ein Stück Holz – fertig ist ein „Fremder“.

Ist dieser hilflos, ist er traurig, versteht er nicht? Der Betrachter kann alles Mögliche hineininterpretieren. Einfacher ist es bei dem Objekt, das den Titel der Schau wie kaum ein anderes widerspiegelt. Das Schaufelrad eines Dampfers bewegt das Wasser, schafft kleine Wirbel und Wellen, deren Bewegung sich immerwährend, endlos zu den Ufern des Sees fortsetzt.

„Endlos“ Bilder und Objekte von Gerald Strasser im Taubenturm (beim Marienmünster) in Dießen; Öffnungszeiten bis einschließlich Sonntag, 17. Juni, samstags und und sonntags jeweils von 12 bis 18 Uhr.

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