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Reichling

24.06.2019

Wie sicher ist die Gasleitung in Reichling?

Die Gemeinde Reichling ist besorgt: Wie sicher ist die Gasleitung im Baugebiet „An der Rees“.
Bild: Manuela Schmid

Plus Nach der Explosion in Rettenbach sind die Anwohner im Baugebiet „An der Rees“ in Reichling besorgt. Jetzt wurde die Situation vor Ort untersucht. Was dabei herausgekommen ist.

Wie sicher ist die Gasleitung, die durch das Baugebiet „An der Rees“ in Reichling führt? Diese Frage stellte sich der Gemeinde jetzt nach dem tödlichen Drama in Rettenbach im Allgäu, bei dem nach einer Explosion in einem Wohnhaus zwei Menschen ums Leben gekommen waren. Über die Explosion, die durch einen Gasaustritt versucht worden war, war deutschlandweit in allen Medien berichtet worden. Das schlimme Unglück alarmierte auch die Gemeinde Reichling. Denn schließlich werden auch im Neubaugebiet „An der Rees“ einige Häuser mit Gas versorgt.

„Nach dem Unglück in Rettenbach haben wir gleich in Reichling nachgeschaut“, sagte Bürgermeisterin Margit Horner-Spindler in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Dabei musste die Gemeinde feststellen, dass die Anlage in Reichling jener in Rettenbach ähnelt – sprich der Tank und die Gasleitung sind gleich ausgeführt. Noch unklar sei bislang, ob an den Stichleitungen Strömungswächter angebracht sind, die ein Unglück wie in Rettenbach verhindern könnten.

Flüssiggas nicht unterschätzen

Feuerwehrkommandant Johann Haberl hatte Informationen über die Anlage in Rettenbach eingeholt. Ähnlich wie in Reichling, werde dort ein 6,4 Kubikmeter großer Flüssiggastank verwendet, sagte der Kommandant in der Sitzung. „Flüssiggas ist nicht zu unterschätzen“, sagte Haberl. In Rettenbach habe zwei Jahr lang niemand gemerkt, dass aus der Leitung Gas ausströme. Es sei unbemerkt erst ins Erdreich und dann ins Haus eingedrungen, beschrieb der Kommandant die Situation, die an dem Unglücksort eingetreten war, nachdem zwei Jahre vorher bei Bauarbeiten eine Gasleitung beschädigt worden war. 

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Wie Haberl dem LT sagte, sind an der Rees in Reichling 15 Einfamilienhäuser entlang der Gasleitung gebaut worden. Zwar würden nur drei davon überhaupt Gas beziehen – doch gefährdet seien alle 15 Häuser: Denn zu jedem Grundstück führe eine Stichleitung hin – unabhängig davon, ob das Haus aktiv mit Gas versorgt werde oder nicht.

Im Jahr 2011 gab es einen Vorfall

Und tatsächlich hat es in Reichling schon mal einen Vorfall gegeben. Im Jahr 2011 sei aus einer Leitung Gas ausgeströmt, sagte Haberl gegenüber dem LT. Die Leitung sei bei Bauarbeiten beschädigt worden. Die Feuerwehr habe damals festgestellt, dass an dem Hausanschluss kein Strömungswächter vorhanden gewesen sei. Solche Wächter – die allerdings erst seit 2012 verpflichtend eingebaut werden müssten – könnten verhindern, dass aus einer defekten Leitung Gas austrete.

Johann Haberl ist sich sicher, dass durch einen solchen Gasströmungswächter mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auch das Unglück in Rettenbach hätte vermieden werden können. Die Gemeinde hat daher die Firma angeschrieben, die die Anlage in Reichling gebaut hat, und eine Nachrüstung mit Wächtern verlangt. Eine rechtliche Handhabe habe die Gemeinde zwar keine, da die Gasleitung ja nach den damals geltenden Richtlinien korrekt ausgeführt worden war und alte Anlagen noch Bestandsschutz haben. Doch Bürgermeisterin Horner-Spindler wollte nichts unversucht lassen und hoffte trotzdem auf die Kulanz der Firma. Die Gemeinde hat noch bis zum Jahr 2024 einen Vertrag für die Gasversorgung.

„Man bräuchte für jedes Haus einen Strömungswächter“, meinte Haberl. Diese seien an sich zwar nicht teuer, „aber man muss alles erst aufreißen“. Etwas Hoffnung gaben dem Kommandanten jetzt die neuen Pläne, die die Herstellerfirma nach der Anfrage der Gemeinde geschickt hat. Denn in diesen Plänen sind bei jedem der Hausanschlüsse bereits Strömungswächter eingezeichnet. Ob diese tatsächlich vorhanden sind, muss aber noch geklärt werden: „Bei der Leitung, die 2011 beschädigt wurde, war definitiv kein Wächter vorhanden“, sagte Haberl.

Die Politik ist gefragt

Margit Horner-Spindler meint, dass für die möglicherweise lebensrettenden Nachrüstungen ein Eingreifen der Politik vonnöten sei. Denn solche Anlagen wie in Reichling seien allerorts in Betrieb. „Ich habe mich deshalb auch an unseren Bundestagsabgeordneten Michael Kießling gewandt“, sagte sie. Sie habe ihn gebeten, herauszufinden, wer für diese Angelegenheit in Berlin zuständig sei. Den Anwohnern an der Rees möchte die Gemeinde Pläne zukommen lassen, wo die Gasleitung und die Stichleitungen zu den einzelnen Häusern verlaufen. So könne darauf geachtet werden, dass die Leitung bei Erdarbeiten nicht beschädigt wird. Denn die Anlieger seien besorgt. Viele wussten bisher nicht, dass auch zu ihrem Anwesen eine Leitung führt, obwohl sie möglicherweise selbst gar kein Gas beziehen.

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