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Handball

14.01.2016

Nicht immer gewinnt das Team mit den meisten Toren

Paul Schweitzer und seine Teamkollegen haben sich schon an die Regel gewöhnt, aber im Spiel denken sie nicht über die Torschützen nach.
Bild: Thorsten Jordan

Beim Nachwuchs gelten besondere Regeln, um die Entwicklung der Spieler zu fördern. Daran musste sich auch der Trainer gewöhnen

Es war ein eigenartiges Bild: Mit 10:8 hatten die Landsberger D-Jugend-Handballer ihr Spiel gegen Schongau gewonnen. Doch Jubel kam keiner auf – im Gegenteil: Alle warteten gespannt auf die Ansage des Schiedsrichters, erst danach sah man Freude bei den jungen Landsbergern, denn sie hatten tatsächlich gewonnen, allerdings mit 16:12. Und das kommt so: Bei den Nachwuchshandballern gibt es Bonuspunkte dafür, je nachdem, wie viele verschiedene Torschützen ein Team aufweisen kann. Damit steht nach Spielende also noch lange nicht fest, wer wirklich der Sieger ist.

Für die jungen Handballer kein Problem: „Während des Spiels denke ich da gar nicht daran“, sagt der elfjährige Moritz Schneider. Seit zwei Jahren spielt er schon beim TSV Landsberg und kennt die Regelung aus der E-Jugend. „Aber zum Schluss wird es da noch mal richtig spannend“, sagt Moritz.

Das bestätigt auch Paul Schweitzer: „Wenn es knapp ist, und der Gegner hat mehr Torschützen, ist das schon doof“, meint der Zwölfjährige. Gegen Kaufbeuren beispielsweise hatten die Landsberger Jungs unentschieden gespielt, „aber dann haben wir mit einem Tor verloren“, erzählt er. „Aber wir haben wegen der Regel auch schon mal ein knappes Spiel gewonnen.“ Es gleicht sich also aus.

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Landsbergs Trainer Franz Kiss musste sich auch erst mal umstellen: „Als ich die D-Jugend übernommen habe, war es für mich ganz neu“, erzählt er, aber: „Es ist eine gute Idee.“ Gerade bei den Elf-, Zwölfjährigen gebe es noch gewaltige Unterschiede in der Entwicklung. „Da konnte es schon sein, dass einer bereits sehr groß war und dann eben alle Tore geworfen hat“, sagt Kiss – das hilft der Mannschaft jetzt nicht mehr wirklich weiter. Dafür aber den Spielern, denn Kiss, der über eine langjährige Trainererfahrung verfügt, hat schon oft erlebt, dass sich Spieler erst spät entwickelt haben. „Manche sind in der D-Jugend noch gar nicht zum Zug gekommen, haben dann einen riesigen Schub gemacht“, erzählt er, und schließlich die Stars der früheren D-Jugend eine Altersklasse höher in den Schatten gestellt. „Da habe ich schon einige Überraschungen erlebt“, betont er.

Die Vorteile der Regelungen liegen auf der Hand: Alle Spieler trauen sich viel mehr, auch mal aufs Tor zu werfen und werden dadurch vielseitiger.

Dafür sorgt auch eine andere „Vorschrift“: Die Spieler müssen sowohl in der Abwehr als auch im Angriff spielen. „Früher war es so, dass die Kinder schon in diesem Alter auf Abwehr oder Angriff spezialisiert wurden“, weiß Kiss. Die Folge: Es gab Spezialisten, die aber im jeweils anderen Bereich kaum mehr einen Stich machten. Jetzt kann die Mannschaft nur wechseln, wenn sie sich im Angriff befindet, aber „der eingewechselte Spieler muss auch in der Abwehr spielen“, sagt der Landsberger D-Jugend-Trainer.

Dieses Problem stellt sich bei den Fußballern weniger: So schnelle Wechsel sind dort nicht praktikabel. Anders sieht es dagegen mit der Torschützenregelung aus. „Das ist keine schlechte Idee“, sagt Walter Huppmann, zuständig für die Jugendgruppe Nord im Bereich Zugspitze. So leicht wie im Handball ließe sich das zwar im Fußball kaum einführen – schließlich gibt es dort ein ganz anderes System mit Mittelfeld- und Abwehrspielern, für die es auch wichtig sei, sich an ihre Positionen zu halten. Doch das Prinzip sei gut – schließlich sei es auch im Fußball beim Nachwuchs oft zu sehen, dass eben nur die Besten den Ball bekommen, um aufs Tor zu schießen. „Aber ich glaube, im Fußball lässt es sich nicht so leicht umsetzen.“

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