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Bad Wörishofen

28.06.2018

100 Wohnungen im Kreuzerpark?

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So könnte es im Kreuzerpark aussehen, wenn die Pläne von Architektin Krista Blassy umgesetzt werden dürfen. Ein öffentlicher Kneipp-Wasserweg soll durch die Anlage mit rund 100 Wohungen führen. Ein breiter Fußweg soll eine zweite Achse durch die Stadt bilden.
Bild: PAB Architekten München-Erfurt/Dr. Krista Blassy

Der Altbestand auf dem riesigen Grundstück direkt an der Fußgängerzone soll abgerissen werden. Ein bundesweit tätiger Investor hat große Pläne.

Das nächste Großprojekt für Bad Wörishofens Innenstadt liegt auf dem Tisch: der Kreuzerpark. Auf dem Gelände zwischen Fußgängerzone und Fidel-Kreuzer-Straße sollen rund 100 Wohnungen entstehen. Das Projekt nennt sich „Servicewohnen am Kreuzerpark“. Die Sebastian Kreuzer Kurhotel Kreuzer eK brachte eine entsprechende Bauvoranfrage in den Stadtrat ein. Mit an Bord ist nach Aussage der betreuenden Architektin Kritsta Blassy die Terragon AG. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben in den vergangenen 20 Jahren bundesweit 20 Senioreneinrichtungen mit mehr als 2000 Wohnungen und 750 Pflegeplätzen realisiert.

Das einstige Kurhotel Kreuzer selbst gehört mittlerweile dem Münchner Investor Roland Holly. Er will dort steuergünstige Firmensitze anbieten, das Gebäude wird derzeit renoviert. Es ist kein Bestandteil der Planungen für den Kreuzerpark. Das Hotel ist aber nur ein Teil des riesigen Grundstücks. Der Rest ist weiterhin im Besitz der Kreuzer-Nachkommen. „Das Filetgrundstück mit Kreuzerpark ist übrig geblieben“, sagt Architektin Blassy. Ihre Pläne sehen vor, dass ein Teil des Parks öffentlich sein soll, mit einem neuen „Kneipp-Wasserweg“. Zudem will Blassy die Fußgängerachse vom Bahnhof durch die Innenstadt auf sechs oder sieben Meter Breite durch den Kreuzerpark nach Westen verlängern. Das sei eine Idee von Augsburger Studenten gewesen, berichtet Bernhard Oberstaller vom Bauamt. Auf diese Weise könnte es gelingen, den Westteil der Innenstadt besser anzubinden.

Umschlossen werden soll der Park dann mit einem mehrstöckigen Gebäude. Zur Fußgängerzone hin will Blassy im Erdgeschoß Geschäftsflächen schaffen. Auch die Einrichtungen der Wohnanlage, wie etwa Wellness oder Kosmetikstudios, sollen öffentlich zugänglich sein. Blassy bezifferte das Investitionsvolumen am Donnerstag unserer Zeitung gegenüber auf 25 Millionen Euro.

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Allerdings sind nach Lage der Dinge zur Fußgängerzone hin auch Wohnungen eingeplant. Das stieß im Stadtrat und in der Verwaltung auf wenig Gegenliebe. Man befürchtet Konflikte bei Veranstaltungen. Man möge bedenken, dass dort „täglich drei Kurkonzerte gespielt werden“, sagte Oberstaller. Diese Lösung müsse neu überdacht werden. Blassy will dies mit Käufern oder Mietern vertraglich regeln. Doch für SPD-Fraktionssprecher Stefan Ibel etwa ist das keine Option. „Da nutzen alle Dienstbarkeiten nichts, wenn die Leute, die da drin wohnen, permanent einen Aufstand machen“, sagte er. Die SPD begrüße es, dass die alten Gebäude wegkommen sollen. „Aber wir haben im Rat auch beschlossen, dass wir an der Kneippstraße keine Wohnungen wollen.“

Ibel übte zudem grundsätzliche Kritik. „Wir kämpfen seit Jahren mit der demografischen Entwicklung, die sich durch solche Projekte noch beschleunigt.“ Außerdem habe der „Bauboom im hochpreisigen Segment“ dafür gesorgt, dass „die einheimische arbeitende Bevölkerung Schwierigkeiten hat, Wohnungen zu finden.“

Auch das Projekt Kreuzerpark soll im „Vier-Sterne-Bereich“ angesiedelt werden, wie Blassy sagt. Ferienwohnungen, so wurde im Rat mehrfach betont, wären an der Kneippstraße aber kein Problem.

Zudem sorgte die Stellplatzregelung für Missmut. „Ich wüsste nicht, wo es in Deutschland eine schärfere Satzung geben sollte, als hier“, stellte Blassy fest. Sie will mit 98 Stellplätzen auskommen, von denen überzählige öffentlich zugänglich sein sollen. Im Stadtrat herrscht allerdings die Meinung vor, dass die Plätze nicht ausreichen werden. „Das muss sauber geregelt werden, sonst bricht hier das Chaos aus“, konstatierte wiederum Ibel.

CSU-Fraktionssprecher und Zweiter Bürgermeister Stefan Welzel ließ zudem anklingen, was kommen könnte, wenn man sich nicht einig wird: eine Veränderungssperre. Auch Welzel glaubt nicht, dass 98 Parkplätze reichen. Zudem werde da, wo jetzt ein kleines Café steht, ein Gebäude mit vier Stockwerken plus Dachgeschoß stehen.

Gänzlich gegen das Vorhaben ist Sozialreferentin Ilse Erhard (CSU). Derzeit seien bereits zwei Einrichtungen im selben Segment im Bau, am alten Hallenbad und an der Hermann-Aust-Straße. „Ich bin nicht der Meinung, dass Bad Wörishofen weitere Plätze braucht.“ Sie werde keinesfalls zustimmen, sagte Erhard. Anders sehe es aus, wenn etwa Ferienwohnungen entstünden. Auch Josef Wild (FW) übte Kritik. Man habe in Bad Wörishofen bereits einen Altersdurchschnitt von 56 Jahren, im Vergleich zu Mindelheim mit 42 Jahren. Schon jetzt gebe es nicht genug Ärzte, um die bestehenden Altersheime zu versorgen. Die Heime selbst würden sich wiederum aus Kostengründen weigern, eigene Ärzte zu beschäftigten. „Bringen die ihre Ärzte mit?“, wollte Wild wissen.

Man werde Marktanalysen machen, die Anlage stehe zudem auch jüngeren Bewohnern offen, sagte Blassy. Zudem sollte Bad Wörishofen doch froh sein, dass Investoren kommen und hier bauen wollen. Dass man an dieser Stelle ganz sicher nicht auf „Sozialwohnungen oder Ferienwohnungen“ hoffen brauche, sagte Claus Thiessen (FDP). Er ist für das Projekt. Auch Blassy erteilte Wünschen etwa nach einem Hotel eine klare Absage. Sie komme selbst aus der Hotelbranche, sei europaweit gut vernetzt. Man habe Dutzende Investoren angesprochen, keiner wolle hier ein Hotel bauen oder betreiben. Darüber müsse man sich Gedanken machen, stellte Wirtschaftsreferent Alwin Götzfried (FW) fest. Er erinnerte an den geplanten Hotelbau am Hallenbad, der dann nicht kam, weil der Investor mit 32 Betreibern gesprochen, am Ende aber niemanden gefunden hatte.

Diesen Umstand müsse man zur Kenntnis nehmen, sagte Grünen-Sprecherin Doris Hofer. Es gebe offenbar auch niemanden für ein großes Einzelhandelsprojekt in der Stadt. Hofer sagte aber, dass es städtebaulich nicht gut sei, die Front des benachbarten Sebastianeums optisch „so weiterzuziehen“.

Bürgermeister Paul Gruschka (FW) sagte zu dem Vorhaben nur, man sei wohl einig darin, dass an dieser Stelle etwas getan werden müsste. Gruschka wollte über die Anfrage zunächst aber nicht beschließen, auch weil dort noch von etwa 70 Wohnungen die Rede war, nun aber 100 kommen sollen. Stefan Ibel brachte den Beschluss dennoch auf den Weg. Die Zahl der Wohnungen wurde darauf entfernt. Der Rat stellte das gemeindliche Einvernehmen aber nur unter einschneidenden Bedingungen in Aussicht. Unter anderem dürfen keine Dauerwohnungen an der Kneippstraße entstehen, die Fassade darf an der Fußgängerzone maximal 12 Meter hoch werden, pro Wohnung müssen 1,5 Parkplätze geschaffen werden, das sind nur einige Beispiele. Eine Baugenehmigung ist das noch nicht. Dazu ist zunächst ein Eingabeplan nötig.

Beim Projekt Kreuzerpark geht es um 4159 Quadratmeter, die nach Darstellung der Verwaltung an den Investor verkauft werden sollen. Die in Aussicht gestellten Gebäudelängen für das Projekt sind 57 Meter (Südflügel), 50 Meter (Westflügel) und 19 Meter (Ostflügel). Nach der Sitzung meldete sich auch die Vereinigung Impulse für Bad Wörishofen zu Wort.

Mit Blick auf Kreuzerpark und Löwenbräu-Arkaden sagte Otto Mayer, es wurden gute Beschlüsse gefasst. „Allerdings zeigen beide Investitionsprojekte deutlich auf, dass Bad Wörishofen dringend das schon so oft angesprochene städtebauliche und Stadt-Entwicklungsprojekt bräuchte.“ Er habe die Information, dass es dazu zwar Mittel gebe. „Aber es passiert nichts!“

„Nur gut, dass es einen Herrn Ibel gibt, der irgendwann penetrant forderte, dass ein von der Bauabteilung schon vorausschauend formulierter Beschlussvorschlag endlich aufgelegt und darüber abgestimmt würde“, sagte Mayer. „Ohne diese Intervention hätte die Diskussion, ob man wegen des ’divergierenden’ Meinungsbildes, wie Bürgermeister Gruschka sagte, überhaupt einen Beschluss fassen könne, noch eine nicht abschätzbare Zeit angedauert.“

Dass die Sitzung von Gruschka mit großen Themen überladen sei und deshalb am Ende zu lange dauerte, wurde im Rat mehrfach kritisiert.

Der Bürgermeister wiederum sagte, er lasse alle Redner zu Wort kommen. Das dauere dann eben seine Zeit.

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