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Mindelheim

22.02.2020

Der geheime Deal der Klinikmanager

Für die Physiotherapie in den Krankenhäusern gibt es unterschiedliche Lösungen im Klinikverbund Allgäu. Häufig werde mit lokalen Firmen zusammengearbeitet. In Ottobeuren, Mindelheim und Sonthofen beschäftigen die Kliniken eigene Leute für diese Aufgaben.
Bild: Becker

Plus Die Allgäuer Krankenhäuser wollen einen Marktführer im Bereich Physiotherapie übernehmen, was für Irritationen sorgte. Warum Aufsichtsräte jetzt beruhigt sind.

Fetzer & Pfund ist Platzhirsch im Bereich Physiotherapie und Ergotherapie im Oberallgäu sowie der Stadt Kempten. Mit diesem Marktführer will der neue Klinikverbund Allgäu nicht nur lose kooperieren. Geplant ist zunächst eine 30-prozentige Beteiligung und mittelfristig eine komplette Übernahme durch den Klinikverbund.

Die Absicht, sich mit Fetzer & Pfund zusammenzutun, war erstmals am 9. Dezember im nicht öffentlich tagenden Aufsichtsrat des neuen Klinikverbundes vorgestellt worden. In ihm haben sich die Krankenhäuser aus dem Oberallgäu, aus Kempten sowie die beiden Kliniken des Unterallgäus in Ottobeuren und Mindelheim zusammengeschlossen.

Das Thema war im Aufsichtsrat der Kliniken nicht angekündigt worden

Nach der Sitzung in Immenstadt schrillten bei einzelnen die Alarmglocken, weil das Thema vorher nicht angekündigt worden war. Auf der Tagesordnung war es nicht gestanden. Für Verwunderung haben auch die Summen gesorgt, die damals genannt wurden: Für den 30-prozentigen Anteil soll der Klinikverbund 4,3 Millionen Euro zahlen. Der Gesamtwert wurde mit 14,4 Millionen Euro taxiert. Geschäftsführer Andreas Ruland räumt inzwischen ein, dass es ein Fehler gewesen sei, dieses Thema im Dezember nicht als ordentlichen Tagesordnungspunkt behandelt zu haben. Das wurde nun am 19. Februar nachgeholt. Da tagte der Aufsichtsrat erneut, diesmal in Ottobeuren. Vorigen Mittwoch informierte Ruland ausführlich, was geplant ist.

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Physiotherapie-Unternehmen gibt es im Allgäu rund 200. Was Fetzer & Pfund für die Kliniken so interessant macht, sei ein Alleinstellungsmerkmal. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Kempten ist im Allgäu das einzige, das erweiterte ambulante Physiotherapie mit allen Kostenträgern inklusive der Deutschen Rentenversicherung abrechnen darf, betont Ruland.

Hier gehe es also nicht um übliche physiotherapeutische Leistungen, sondern um ein ganzes Paket. Bei einer ganztägigen ambulanten Reha gehöre in Rehabilitationsteam aus Ärzten, Psychologen, Pflegepersonal, Sozialpädagogen, Sportlehrern, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Masseuren, Diätassistenten und medizinisch-technischen Assistenten dazu.

Für die Physiotherapie wird oft mit lokalen Firmen zusammengearbeitet

Für die Physiotherapie in den Krankenhäusern gibt es unterschiedliche Lösungen im Klinikverbund. Häufig werde mit lokalen Firmen zusammengearbeitet. In Ottobeuren, Mindelheim und Sonthofen beschäftigen die Kliniken eigene Leute für diese Aufgaben.

Ziel der Zusammenarbeit mit Fetzer & Pfund sei eine „vertiefte Verzahnung“ und neue Versorgungsangebote. Die Patienten sollen damit einen Mehrwert erhalten, so Ruland. Letztlich erhoffen sich die Klinken dadurch auch einen Geschäftszuwachs.

Zu den kolportierten Kaufsummen machte Ruland keine Angaben. Die Kaufverhandlungen hätten auch noch gar nicht begonnen. Bei der Unternehmensbewertung fließt der aktuelle Wert eines Unternehmens ebenso ein wie die wirtschaftliche Perspektive. Und die scheinen alle hoch einzuschätzen.

Weiterer Grund für die Pläne sind Wartezeiten in der Physiotherapie von drei bis vier Wochen. Es gibt also zu wenig Fachkräfte auf diesem Gebiet. Physiotherapeuten werden im Allgäu nur in Kempten und Bad Wörishofen ausgebildet. In Kempten sind es 24 pro Jahr, die fertig werden, in Bad Wörishofen rund 40. Das reicht offenbar nicht mehr. Der Klinikverbund will deshalb darauf drängen, weitere Klassen zu schaffen. Unter Umständen soll auch eine eigene Schule gegründet werden.

Physiotherapie-Einrichtungen im Unterallgäu sind besorgt

Andere Physiotherapie-Einrichtungen freilich sehen die Entwicklung mit Sorge. Dadurch, dass Fetzer & Pfund mit Millionen-Beträgen versorgt wird, könnte das Folgen für den Wettbewerb haben. Ohnehin gesuchte Mitarbeiter könnten mit lukrativen Angeboten abgeworben werden, ist zu hören.

Auf diese Gefahr direkt geht Ruland nicht ein. Er versprach aber, bei der Schaffung von Angeboten im Bereich Prähabilitation und dem damit verbundenen zusätzlichen Bedarf an Patientenversorgung lokale niedergelassene Physiotherapiepraxen einzubinden.

Im Klinikverbund Allgäu werde die geplante Kooperation keine Auswirkungen auf bestehende Arbeitsverhältnisse haben, versichert der Geschäftsführer. Für Mindelheim, Ottobeuren und Sonthofen gebe es aktuell keine Überlegungen, in der stationären Physiotherapie externe Kooperationspartner einzubinden. Sollte sich aber ein Bedarf ergeben, werde man auch auf lokale Partner setzen. Die Zusammenarbeit mit Fetzer & Pfund soll auf der nächsten Aufsichtsratssitzung am 22. April beschlossen werden.

Unser Kommentar zum Thema: Unglücklicher Start nach der Allgäuer Klinikfusion

Mehr über die Klinikfusion gibt es hier:

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