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Bildung

26.04.2019

Eichholzhof wird zum Klassenzimmer

Erlebnisbäuerin Sylvia Lutzenberger vom Eichholzhof zeigt bei einer Lehrerfortbildung, dass auch Erwachsene hier noch was lernen können.
Bild: Marcus Barnstorf

Lehrer lernen auf Wörishofer Bauernhof der Familie Lutzenberger

Was ist eine Kuh mit Hörnern? Wie schmeckt selbst gemachte Butter und wieviel Wasser nimmt eine Kuh täglich zu sich? Diese und viele weitere Fragen beantwortet Erlebnisbäuerin Sylvia Lutzenberger, wenn sie mit Grund- und Förderschülern auf ihrem Hof am Ortsrand von Bad Wörishofen unterwegs ist.

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Vor sieben Jahren rief Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner das Programm „Erlebnis-Bauernhof“ ins Leben, um den Kindern den Beruf des Landwirts näher zu bringen. Inzwischen haben 226.000 Schüler der zweiten bis vierten Klassen, Förderschulen und Deutschklassen landesweit einen Bauernhof in ihrer Umgebung besucht. Am Donnerstag lud das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Mindelheim in Zusammenarbeit mit dem Schulamt Unterallgäu/Memmingen zehn Lehrkräfte zu einer Fortbildung auf den Eichholzhof von Sylvia Lutzenberger ein.

Dass das Thema aktueller denn je ist, verdeutlichte Schulrat Alfred Eberle: „In der Bevölkerung nimmt das Bewusstsein für Klimaschutz, die richtige Ernährung, tiergerechte Haltung, Energiewende und der Umgang mit Flächen von Woche zu Woche zu.“

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Deshalb freue er sich, dass der außerschulische Lernort Bauernhof im aktuellen Lehrplan+ eingebunden sei. Gudrun Kissinger-Schneider, Fachberaterin für Umwelterziehung und selbst Lehrerin an der Türkheimer Mittelschule, zeigte die vielfältigen Anknüpfungspunkte insbesondere aus dem Heimat- und Sachkunde-Unterricht auf.

Themen wie bewusstes Verbraucherverhalten, gesunde Ernährung, landwirtschaftliche Produktion oder die Entwicklung der Technik im bäuerlichen Umfeld erfahren die Kinder mit allen Sinnen bei einem Besuch auf einem der drei Erlebnis-Bauernhöfe und neun Fit-Betriebe, die es im Unterallgäu gibt.

Das Alltagslernen werde ebenso gefördert, so Kissinger-Schneider, wie die Interaktion, Kommunikation, Kooperation und der individuelle Lernfortschritt. „Uns ist wichtig, dass die Schüler lernen, dass es keine lila Kühe gibt, wie es auf einem bäuerlichen Hof riecht und welche Verantwortung Landwirte für Mensch, Tier und Umwelt tragen“, sagte AELF-Fachlehrerin Lydia Klein.

Da das Landwirtschaftsministerium die Aufwandsentschädigung übernimmt, sind die Führungen für alle Kinder kostenlos. Lediglich Kosten für die Fahrt zum Bauernhof und die Verpflegung müssen von den Eltern übernommen werden. Mit „Landfrauen macht Schule“ bietet der Bayerische Bauernverband ein ähnliches Programm an.

Auf dem Eichholzhof beispielsweise lernen die Schüler, wie aus einem Kalb eine Kuh und aus Gras Heu wird. Als reiner Milchviehbetrieb kümmert sich Sylvia Lutzenberger mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen im Nebenerwerb um 40 Kühe sowie 60 Jungtiere. Keine Selbstverständlichkeit, denn im Ortskern von Bad Wörishofen gibt es gerademal noch fünf milcherzeugende Betriebe.

Die 45 Hektar Land, die der reine Familienbetrieb bewirtschaftet, reichen für die Versorgung der Tiere. Zu diesen gehören auch Schafe, Hasen und in den Sommermonaten zwei Schweine.

Als gelernte Arzthelferin habe sie immer mit Menschen zu tun gehabt. Deshalb war sie froh, als sie die Möglichkeit bekam, sich zur Erlebnis-Bäuerin ausbilden zu lassen. In einem 16-tägigen Seminar lernte Sylvia Lutzenberger nicht nur, den Schülern den Alltag auf dem Hof zu vermitteln, sondern auch andere Bauernhöfe in allen Teilen Bayerns kennen.

Und so gehört das Spielen im Heustock und das Streicheln der Kälbchen ebenso zum Erlebnis-Programm wie das Füttern der Kühe oder das Butterschütteln. „Spätestens nach dem Besuch bei uns, können die Kindern Heu und Stroh voneinander unterscheiden oder wissen, dass Kühe rund hundert Liter Wasser am Tag trinken und nicht jede Kuh mit Horn ein Bulle ist“, verspricht Sylvia Lutzenberger augenzwinkernd.

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