Erinnerung

03.04.2014

Ein Stein zum Stolpern

Stolpersteine erinnern an die Opfer des NS-Regimes.
Bild: Ralf Lienert

Mindelheimer Kulturamtsleiter findet Stolpersteine zu Ehren von NS-Opfern gut – trotz Kritik des Rabbiners aus Augsburg

Mindelheim Mit großer Aufmerksamkeit ist in Mindelheim die kritische Haltung der jüdischen Gemeinde Augsburg zu sogenannten Stolpersteinen verfolgt worden. Wie berichtet, will die benachbarte Kurstadt Bad Wörishofen an die jüdische Familie Glasberg erinnern, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurde.

In Mindelheim sind drei Stolpersteine auf dem Marienplatz geplant. Damit soll an Fanni und Jakob Liebschütz erinnert werden, die im Konzentrationslager den Tod fanden. Einen dritten Stein wird es nach dem Willen des Stadtrates für die namenlosen Opfer des Nationalsozialismus geben.

Mindelheims Kulturamtsleiter Christian Schedler sagte, er habe im Vorfeld der Entscheidung des Mindelheimer Stadtrats Mitte Februar Kontakt mit der Deutsch-jüdischen Gesellschaft in Kempten aufgenommen. In der Allgäu-Metropole werden solche Erinnerungssteine vor den letzten Wohnhäusern der Opfer in die Gehwege eingelassen. „Es hat nie Widerstände gegeben“, sagte Schedler. 42 500 solcher Steine sind inzwischen in 15 europäischen Ländern als Erinnerung und Mahnung gesetzt worden.

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Schon allein deshalb findet Schedler, kann diese Form des Gedenkens nicht völlig falsch sein. Wenn man sich lange genug umhöre, finde man immer unterschiedliche Meinungen, meinte der Kulturamtschef.

Die israelitische Kultusgemeinde in Augsburg argumentiert, sie sorge sich um das Andenken der Ermordeten, weil diese Steine im Wortsinn beschmutzt und mit Füßen getreten würden. Landesrabbiner Henry G. Brandt erklärte auf Anfrage der MZ, „dass ich persönlich sowie der Vorstand meiner Gemeinde gegen das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Form von Stolpersteinen, eingelassen in öffentlichen Bürgersteigen, sind“.

Obwohl solche Stolpersteine an vielen Orten verlegt wurden, „setzen wir uns dafür ein, dass dies in unserem Amtsbereich nicht geschieht“. Christian Schedler sieht derzeit keine Veranlassung, die drei für Mindelheim beschlossenen Stolpersteine wieder in Frage zu stellen. Sollte der Stadtrat aber Bedenken haben, sei er gerne bereit, den Kontakt mit dem Rabbiner in Augsburg zu suchen.

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, der in der Nähe von Köln lebt. Mit diesen Gedenktafeln soll an das Schicksal jener Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Die Stolpersteine sind laut Schedler kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von 96 mal 96 Millimetern und 100 Millimetern Höhe. Auf der Oberseite wird eine individuell beschriftete Messingplatte angebracht. Diese Gedenksteine werden vor den letzten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster des Gehwegs eingebracht.

Demnig ist stark gefragt und bei jedem gesetzten Stein selbst mit vor Ort. Deshalb wird es in Mindelheim frühestens im Jahr 2015 Stolpersteine geben. (jsto)

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