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Mindelheim

28.08.2019

Einlasstor: Das Schlupfloch für die Nachtschwärmer

Zutritt und Einfahrt in die Mindelheimer Altstadt sind durch das Einlasstor besonders malerisch.
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Zutritt und Einfahrt in die Mindelheimer Altstadt sind durch das Einlasstor besonders malerisch.

Plus Nur durch das Mindelheimer Einlasstor durften Besucher im Mittelalter verspätet in die Stadt. Dafür mussten sie aber extra bezahlen.

Türme prägen nicht nur das Bild der Mindelheimer Altstadt, sondern sind auch in anderen Orten des Unterallgäus markante Wahrzeichen. Wir haben uns auf Spurensuche begeben. Wie sieht es in diesen Türmen aus? Wie werden sie genutzt, welche Geheimnisse können sie uns verraten? Heute geht es um das Einlasstor in Mindelheim.

Das Einlasstor im Norden der Mindelheimer Altstadt hat unmittelbar mit Georg von Frundsberg zu tun. Erstmals erwähnt im Jahr 1469 wurde die Stadtbefestigung insgesamt und dieses Tor in besonderer Weise auf den neuesten Stand gebracht. Das war auch bitter notwendig. Die Feuerwaffe war erfunden worden. Und schon bald war klar: Die alten Befestigungen halten diesen modernen Waffen nicht mehr stand. Mächtigere Verteidigungsringe mussten gebaut werden.

Warum Frundsberg die Mindelheimer Stadtmauer massiv verstärkt hat

In dieser Zeit um das Jahr 1500 wurde die Stadtmauer mit Rondellen verstärkt, wie es etwa an der nordöstlichen Stadtmauer bei der Stadtpfarrkirche zu sehen ist, erzählt Kulturamtsleiter Christian Schedler. Auch der malerische Kollegturm, der heute für Wohnzwecke genutzt wird, war so ein Rondelle.

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Der Stadtgraben muss im 17. Jahrhundert noch rundum geflutet gewesen sein. Schedler schließt das aus einem Dokument, das im Stadtarchiv verwahrt wird. Damals war ausdrücklich verboten worden, auf Enten zu schießen. Und noch etwas verrät dieses Dokument: Es gab wohl über lange Zeit wenig zu verteidigen. Aus Langeweile ist sogar auf den Zeiger der Kirchturmuhr geschossen worden. Über Generationen hinweg war Mindelheim keiner Belagerung ausgesetzt gewesen.

Als der Augsburger Bischof Mindelheim mit Waffen erobern wollte

Im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) wurde die Stadt ein paar mal belagert und auch erobert. Und drei mal während der Bauernkriege. Eine besonders knifflige Belagerung gab es 1369 zu überstehen. Damals war der Augsburger Bischof Walter von Hochschlitz mit einem Heer angerückt. Sein Feldlager schlug er im Osten der Stadt auf. Herzog Friedrich von Teck war als Verwalter von Mindelheim eingesetzt. Und er wollte das schmucke Städtchen eines Tages selber behalten. Da rief der Kirchenmann zu den Waffen.

Das Ganze hätte mit einer Katastrophe für Mindelheim enden können. Weil der Bischof aber so leichtsinnig war, sich die Stadtbefestigung aus der Nähe anzuschauen, traf ihn ein Armbrustpfeil des Grafen von Werdenberg ins Auge, einem Verbündeten des Herzogs. Mit dem Tod des Bischofs war auch die Belagerung beendet. Sein Leichnam wurde im Augsburger Dom bestattet.

Die Mindelheimer verteidigten ihre städtischen Freiheiten

Für Mindelheim hat sich der Sieg des Herzogs, der zum Hochadel zählte, langfristig als erfreulich erwiesen, sagt Kulturamtsleiter Schedler, der die Geschichte der Stadt intensiv erforscht und dazu auch eine Hochglanzbroschüre herausgegeben hat, die zum Beispiel bei der Tourist-Info oder in den Mindelheimer Museen zu haben ist.

Die Stadtbefestigungen hatten neben der Funktion, die Stadt zu schützen, noch eine andere, nicht weniger große Bedeutung, sagt Schedler. Sie sollten nach innen zeigen: Wir sind wehrhaft, wir verteidigen die städtische Freiheit. „Wehranlagen waren ein Zeichen des bürgerlichen Selbstbewusstseins“, sagt Schedler.

Panorama-Blick vom Westernacher Tor in Mindelheim

Gepostet von Redaktion Mindelheimerzeitung am  Mittwoch, 28. August 2019

Das 19 Meter hohe Einlasstor ist die einzige Toranlage in Mindelheim, deren nördlich angebaute Barbakane mit dem Schlitz für das Fallgitter und mehreren Torvorrichtungen erhalten geblieben ist. Und es war das einzige Tor, durch das Nachzügler nach Torschluss noch in die Stadt durften. Dafür musste man allerdings eine Strafgebühr bezahlen.

In einer Nische auf der der Altstadt zugewandten Seite befand sich eine kostbare Madonna des Memminger Malers Ivo Strigel. Das Original ist heute im Krippenmuseum zu bewundern.

Niemand wohnt im Mindelheimer Einlasstor

Das Einlasstor ist seit Jahrzehnten unbewohnt. Das Frundsberg-Fähnlein nutzt Räume als urigen Treffpunkt. Sogar eine kleine Küche gehört dazu. Auf 80 steilen Stufen, teils aus Holz, geht es hinauf aufs Dach, das von Zinnen eingefasst ist. Immer wenn die Mindelheimer ihr Frundsbergfest feiern, flattert vom Turm des Einlasstores die Fahne des Frundsberg-Fähnleins. Von dort bietet sich ein traumhaft schöner Rundblick auf die Altstadt.

Noch im vorigen Jahrhundert war das Gebäude bewohnt. Theresia Schuster lebte vor dem Zweiten Weltkrieg nicht nur mit ihren drei eigenen Kindern in dem historischen Gemäuer. Sie hatte im Laufe der Jahre 104 Pflegekinder aufgenommen und sie großgezogen mit einer schier unglaublichen Großherzigkeit.

1961 erhielt Theresia Schuster für ihr Wirken das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen. An diese große Mindelheimerin, die ursprünglich aus Kirchstetten stammte, erinnert der Integrationskindergarten im Osten Mindelheims, der ihren Namen trägt.

Weitere Berichte zu Türmen im Raum Mindelheim finden Sie hier:


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