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Kammlach/Mindelheim

24.09.2010

Genan: Weltgrößter Reifen-Recycler kommt nach Kammlach

Hinter der neuen Genan-Fabrik warten schon alte Reifen darauf, verarbeitet zu werden.
Bild: Johann Stoll

Die dänische Firma Genan ist der weltgrößte Reifen-Recycler. Jetzt hat das Unternehmen ein Werk im Unterallgäu eröffnet. Von Johann Stoll

Selbst der viel beschäftigte Bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) hat sich den gestrigen Donnerstag rot im Kalender vorgemerkt, um die Glückwünsche der Staatsregierung persönlich in Kammlach vorzutragen.

Der weltweit größte Recycler von Altreifen, die dänische Genan-Gruppe, hat auf dem interkommunalen Industrie- und Gewerbepark sein drittes Werk in Deutschland eröffnet. Oranienburg und Dorsten sind die beiden anderen Standorte.

Rund 53 Millionen Euro hat das Unternehmen innerhalb von nur einem Jahr in die topmoderne Fabrik investiert. 34 neue Arbeitsplätze sind entstanden. 70 000 Tonnen alte Reifen sollen am neuen Standort im Unterallgäu jedes Jahr umweltfreundlich auf mechanischem Wege zu Granulat verarbeitet werden. Das sind bis zu 25 000 Pkw-Reifen am Tag.

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Die Anlage auf dem 10,7 Hektar großen Gelände läuft bereits seit Mai rund um die Uhr. Gestern wurde die offizielle Einweihung gefeiert. Pater Josef segnete die Fabrik. Eigens war ein Festzelt errichtet worden, nicht weit vom Container-Lagerplatz und den Altreifenbergen entfernt. Die Oberkammlacher Dorfmusikanten spielten für die Geschäftspartner, die Mitarbeiter sowie die zahlreich erschienenen Kommunalpolitiker auf, Laupheimer tischte auf.

In Kammlach können nun zehn Prozent aller in Deutschland anfallenden Altreifen aufbereitet werden. Sie werden dort, wie Deutschland-Chef Henning Beck berichtete, in ihre Bestandteile Stahl, Textil und Gummi zerlegt. 99 Prozent der Rohstoffe kann so wiederverwertet werden. Die Reifen kommen per Lkw aus einem Einzugsgebiet von 250 bis 300 Kilometern.

Umwelt ist ein Gewinner

Die Ökobilanz kann sich nach Angaben der Betreiber mehr als sehen lassen. Würden die Reifen wie bisher meist üblich für die Zementherstellung verbrannt, würden 175 000 Tonnen Kohlendioxid mehr an die Umwelt abgegeben werden. Von der Verschwendung wertvoller Rohstoffe ganz zu schweigen. Das unterstrich als einer der Festredner auch der Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer, Gerhard Pfeifer.

Weil der Betrieb rund um die Uhr läuft, gelten in den Nachtstunden besonders niedrige Lärmgrenzwerte von unter 40 Dezibel. Diese würden weit unterschritten, sagte Werner Peter, der für Genan das Projekt in Kammlach verantwortet hat. Die Abluftkanäle seien mit leistungsstarken Filtern ausgerüstet. Auch hier lägen die gemessenen Werte deutlich unter den zulässigen. Nachbarn hatten sich in den ersten Monaten vor allem an dem starken Licht gestört. Die Strahler wurden daraufhin anders eingestellt.

Der gewonnene Gummi wird besonders für die Herstellung von Kunstrasen und im Straßenbau für länger haltbaren und leiseren Asphalt eingesetzt. Beides sind stark wachsende Märkte. Für ein Fußballfeld beispielsweise werden 21 500 Autoreifen benötigt, sagte Henning Beck. Das entspricht knapp der Tagesproduktion von 200 Tonnen Altreifen.

Dass mit Genan Süd eine hoch technische Umweltfirma den Weg nach Bayern gefunden hat, untermauerte Wirtschaftsminister Zeil. Mehr als 2000 Umwelt-Firmen gebe es im Freistaat. Die Perspektiven für diese Zukunftsbranche seien sehr gut. Der Minister wies auf den Cluster Umwelttechnologie hin. Mehr als 100 Forschungsinstitute sorgten für andauernde Innovationen.

Für die Ansiedlung sei kein Cent Fördergeld geflossen, sagte Beck gegenüber Medienvertretern. Er lobte vor allem die große Professionalität, mit der Stadt und Landratsamt die Genehmigung in so kurzer Zeit ermöglicht hätten.

Für den Landkreis sprach Vizebürgermeister Klaus Holetschek von einem guten Tag. Die interkommunale Zusammenarbeit habe ihr Erfolgserlebnis. Das Landratsamt habe das Vorhaben unbürokratisch begleitet. "Wir sind Dienstleister, nicht Verhinderer".

Gemeinsame Anstrengung

Mindelheims Bürgermeister Dr. Stephan Winter sagte, die Ansiedlung sei auch dem Umstand geschuldet, dass es einen interkommunalen Gewerbepark gibt. "Wir freuen uns, dass die gemeinsame Anstrengung für den Wirtschaftsraum Unterallgäu belohnt wurde". Die Idee dieses gemeinsamen Gewerbeparks habe Altlandrat Dr. Hermann Haisch bereits in den 90er Jahren gehabt. Haisch war unter den Ehrengästen. Winter überreichte Henning Beck als Gastgeschenk eine Wappentafel der fünf am Gewerbepark beteiligten Gemeinden Mindelheim, Apfeltrach, Kammlach, Stetten und Unteregg.

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