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Mindelheim

03.12.2019

Grob-Werke im Umbruch: Kommt Kurzarbeit?

Es gab schon bessere Zeiten für Grob: In Mindelheim hat man sich dafür entschieden, die Organisation innerhalb des Unternehmens zu verändern.

Plus Die Mindelheimer Firma steckt mitten in der Transformation. Firmenchef Christian Grob spricht von Herausforderungen. Was sagt er über Kurzarbeit?

Die Weihnachtsfeier für die Jubilare ist eine Tradition, auf die die Grob-Werke „sowohl in guten wie auch in schwierigen Zeiten nicht verzichten“ wollen – so formulierte es Firmenchef Christian Grob zu Beginn der diesjährigen Mitarbeiterehrung. Aus seiner Rede war herauszuhören, dass es auch schon rosigere Zeiten für den Mindelheimer Maschinenbauer gegeben hatte.

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Die Leistung sei von 1,54 Milliarden Euro auf 1,45 Milliarden Euro in diesem Geschäftsjahr leicht zurückgegangen, erklärte Christian Grob und fügte an, dass er eine weitere Konsolidierung erwartet. Während sich das Unternehmen früher in einem klassisch zyklischen Markt bewegt habe, seien die Entwicklungen heutzutage nicht mehr so vorhersehbar, erklärte er. Grob sprach von „sehr turbulenten Zeiten“ – nicht nur für die Grob-Werke, sondern auch für alle anderen Unternehmen, vor allem im Bereich der Automobilhersteller und -zulieferer. „Die ganze Branche weiß nicht, wohin der Weg geht.“ Die Firma Grob versuche dabei, flexibel zu sein: „Wir fahren auf Sicht.“

Grob spürt den Umbruch in der Antriebstechnik

Die Veränderung vom Verbrennungsmotor auf elektrische Antriebe sei „gewaltig zu spüren“. Doch Grob habe die Weichen vor fünf Jahren gestellt, um weiterhin für die Kunden ein strategischer Partner zu sein – ob in der „alten Welt“ der Verbrennungsmotoren oder der „neuen Welt“ der Elektromobilität. Auszeichnungen wie die von VW für Grobs Innovationskraft bei der Elektromobilität zeigten, dass die Firma in diesem Spannungsfeld auf dem richtigen Weg sei.

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Hier erfahren Sie mehr: VW-Konzern zeichnet Mindelheimer Firma Grob aus

„Wir wollen eine Lösung für den Kunden anbieten, egal, wohin es geht“, sagt Grob. Und: „Wir werden als einer der wenigen kompetenten Ansprechpartner gesehen.“ So sei jüngst ein Hersteller im Bereich Elektromobilität aus den USA auf die Mindelheimer zugekommen, der Grob aus dem Bereich Zerspanungstechnik kenne. Nun werde über mehrere Fertigungsanlagen in den USA und Deutschland diskutiert.

Um noch schneller auf solche Kundenwünsche reagieren zu können, findet bei Grob gerade ein großer Umstrukturierungsprozess statt. Mitte des Jahres hat der Mindelheimer Maschinenbauer begonnen, seine bislang funktionale Organisation zu sogenannten „Business Units“ umzustrukturieren. Das heißt: Was bislang nach Aufgaben – etwa Entwicklung, Produktion, Vertrieb – getrennt war, ist jetzt nach Geschäftseinheiten gegliedert und orientiert sich stärker am Produkt. Das „Systemgeschäft“ umfasst den eher rückläufigen Bereich Zerspanung und Automotive. Im Bereich Universalmaschinen werden Einzelmaschinen hergestellt, die etwa im Flugzeugbau oder der Medizintechnik Verwendung finden. Im Geschäftsfeld Neue Technologie findet die E-Mobilität ihren Platz. Hinzu kommt das Geschäftsfeld Service, das sich um Ersatzteile und das, was nach einem Verkauf einer Maschine geschieht, kümmert.

Aus dem "riesigen Tanker" Grob werden nun "kleine Schnellboote"

Durch diese neue Struktur würden auch die Prozesse angepasst. Während sonst einzelne Projekte von Abteilung zu Abteilung wanderten, soll die Abwicklung jetzt schneller vonstattengehen. Christian Grob verglich die beiden Modelle im Gespräch mit der Mindelheimer Zeitung mit einem „riesigen Tanker“, aus dem nun „kleine Schnellboote“ gemacht werden.

Im Mai habe der Prozess begonnen, derzeit stecke man in der Verfeinerung, sagt Grob. Ein Ende der Transformation? Vorerst nicht absehbar. „Das wird eine längere Phase sein.“

So etwas geht bekanntlich nicht ohne Reibungsverluste ab: Von 4700 Mitarbeitern in Mindelheim ist nicht jeder von der Umstrukturierung begeistert, das weiß auch der Firmenchef. Die Stimmung sei „querbeet“ gemischt, so Grobs Eindruck: Die einen hätten Berührungsängste, andere seien enthusiastisch mit dabei – und dazwischen gebe es jene, die sagen: „Wenn’s denn sein muss.“ Der Firmenchef betont, wie wichtige es sei, offen für Neues zu sein – auch, wenn es Überwindung koste, seine Komfortzone zu verlassen.

Kommt bald Kurzarbeit bei Grob in Mindelheim?

Auf die Frage, ob auf den aktuellen Überstundenabbau bald Kurzarbeit folgt, antwortet Christian Grob: „Wir haben momentan noch keine, aber wir schließen es nicht aus, dass sie nächstes Jahr kommt.“ Von Aufträgen von Kunden, die immer kurzfristiger hereinkommen, hänge auch die wirtschaftliche Entwicklung bei Grob im kommenden Jahr ab. Während man früher Zeit für die Entwicklung und Produktion hatte, müsse man heutzutage viel kurzfristiger agieren: „Manche Kunden wollen in einem halben Jahr eine Anlage haben“, sagt Grob – und die Kunden änderten ihre Wünsche auch noch, während man bei Grob schon an der Erfüllung dieser Wünsche arbeite. Hinzu kommt: Die Prozessoptimierung im Bereich Neue Technologie steht erst am Anfang. „Wir sind komplett in der Findungsphase – aber guter Dinge.“

Schon vor fünf Jahren habe Grob die Zeichen der Zeit erkannt, so der Firmenchef. Die Übernahme der italienischen DMG meccanica (inzwischen: Grob Italy), einem führenden Hersteller von Maschinen und Anlagen für die Produktion von Statoren für Elektromotoren, Alternatoren und Generatoren, vor zwei Jahren sei rückwirkend betrachtet ein notwendiger Schritt gewesen, erklärt Grob. (Hier erfahren Sie mehr: Mindelheimer Firma Grob baut in Italien)

Grob investiert in ein neues Werk in Italien

Derzeit investiert die Firma rund zehn Millionen Euro in ein fünftes Werk im italienischen Pianezza, die Eröffnung ist für 2020 geplant. Auf der diesjährigen EMO in Hannover, der weltgrößten Messe für Metallbearbeitung, sei der Zulauf im Hinblick auf das schwierige Umfeld sehr gut gewesen, erklärte Christian Grob. Wie nachhaltig das Interesse ist, wird sich anhand der Aufträge zeigen. Die Mitarbeiter seien der „Garant für den Erfolg“, mit ihnen sieht sich Grob deshalb gut gewappnet für die zukünftigen Aufgaben.

Lesen Sie auch: Mindelheimer Firma Grob investiert weiter in China

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