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Walterwehr

19.07.2017

Grünes Licht für neues „Öko-Kraftwerk“ an der Wertach

Auf dieser Skizze kann man erkennen, welche Dimensionen das neue „Öko-Wasserkraftwerk“ am Walterwehr an der Wertach haben wird. Der Betreiber, die Bayerische Landeskraftwerke GmbH (LaKW), will dort schon im kommenden Jahr mit dem Bau des Fünf-Millionen-Projekts beginnen.

Bedenken der Wertachfreunde gegen das Fünf-Millionen-Projekt bleiben. Doch dann stimmt eine knappe Mehrheit der Räte für den Verkauf des gemeindeeigenen Grundstücks

Keinen leichten Stand hatten Geschäftsführer Thomas Liepold von der Bayerischen Landeskraftwerke GmbH (LaKW), die am Walterwehr ein neues Wasserkraftwerk bauen und dafür rund fünf Millionen Euro investieren will (MZ berichtete). Die LaKW brauchte das Okay des Gemeinderates, der einem Verkauf eines gemeindeeigenen Grundstücks beim Walterwehr zustimmen sollte.

Knackpunkt: Nur wenn die Gemeinde dieses rund 1600 Quadratmeter große „Sperrgrundstück“ an das zuständige Wasserwirtschaftsamt und damit an den Freistaat Bayern verkauft, können die weiteren Schritte der LaKW und des Wasserwirtschaftsamtes ohne Einschränkungen umgesetzt werden.

Zwar wurde im öffentlichen Teil der Sitzung lange diskutiert, aber keine Entscheidung getroffen – die Stimmung im Gemeinderat schien indes nicht allzu positiv zu sein, sodass sich Liepold zunächst keine allzu großen Hoffnungen machte, von der Gemeinde „grünes Licht“ zu bekommen. Er und Philipp Clermont vom Wasserwirtschaftsamt Kempten versprachen bei einem Kraftwerks-Neubau zwar eine ökologische Verbesserung – doch dies wollten einige Räte nicht so einfach glauben. Einig waren sich zumindest alle, dass der jetzige Zustand der Wertach rund um das Walterwehr „nicht optimal“ ist: Der ökologische Zustand sei dringend verbesserungswürdig, vor allem, weil das Wehr derzeit für Fische wie den Huchen, die Nase oder die Barbe ein unüberwindliches Hindernis darstellt.

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Wenn das als „ökologisches Vorzeigeprojekt“ angekündigte Kraftwerk gebaut und der Langweidbach dann in ein neues Bett umgeleitet werde, dann werde das der Ökologie an der Wertach erheblich auf die Sprünge helfen, betonte Thomas Liepold.

Nicht nur die Führung eines möglichen neuen Bachbetts für den Langweidbach sorgte für ausgiebige Diskussionen in der öffentlichen Sitzung – auch die Frage, ob das Wehr der Wertach an dieser für die Natur und die Naherholung so bedeutenden Stelle durch das neue Wasserkraftwerk nicht viel zu lange trocken fallen werde: Agnes Sell (SPD), Gudrun Kissinger-Schneider (Grüne) und Peter Ostler (FW) ließen deutlich erkennen, dass sie die vorliegende Planung noch lange nicht für den der ökologischen Weisheit letzten Schluss halten und forderten weitere, erhebliche Nachbesserungen. LaKW-Geschäftsführer Liepold fuhr daher mit „gemischten Gefühlen“ zurück in die Unternehmenszentrale nach Nürnberg – und war dann schon etwas überrascht, als er von der für ihn positiven Entscheidung des Gemeinderates erfuhr, das Sperrgrundstück nun doch zu verkaufen.

In nichtöffentlicher Sitzung hatte sich – selbst für manche der teilnehmenden Gemeinderäte überraschend – eine dem Vernehmen nach „hauchdünne Mehrheit“ gefunden, die dem Verkauf des Grundstücks zustimmen wollte. Wirtschaftliche Gründe konnten dafür wohl kaum ausschlaggebend gewesen sein: Branchenkenner gehen von einem Preis von etwa drei Euro pro Quadratmeter aus – bei 1600 Quadratmetern also gerade mal eine Summe von 4800 Euro.

Dafür haben die Türkheimer jetzt aber kein „Faustpfand“ mehr beim Neubau des Wasserkraftwerkes – und genau darum ging es den Kritikern des Verkaufs in öffentlicher Sitzung, die auch hinter verschlossenen Türen noch versuchten, mit ihren Argumenten die Entscheidung noch zu beeinflussen. Auch Leo Rasch von der Wertachfreunden sieht dies so (siehe nebenstehender Artikel).

Doch das gelang nicht mehr, die Ratsmehrheit stimmte einem Verkauf an den Freistaat Bayern zu und ermöglicht so eine, aus Sicht der Betreiber, „naturnahe Umgestaltung des Langweidbaches“.

Entsprechend erleichtert war Thomas Liepold, der jetzt mit den weiteren Schritten wie geplant loslegen kann. „Das Kraftwerk hätte notfalls auch ohne das Grundstück der Gemeinde gebaut werden können. Mit dem Votum hat die Gemeinde erst die Voraussetzung für diese ökologische Maßnahme geschaffen“, ist Liepold zufrieden.

Rund fünf Millionen Euro wird die LaKW in das neue „Öko-Kraftwerk“ investieren und dabei „alle Interessen berücksichtigen und am Ende ein Kraftwerk bauen, mit dem wirklich alle Beteiligten zufrieden sein können und das die ökologischen und ökonomischen Erwartungen erfüllt“, so Liepold zur Mindelheimer Zeitung.

Die Fallhöhe wird demnach sieben Meter betragen und das Kraftwerk wird regenerativen Strom für rund 800 bis 1000 Privathaushalte produzieren. Jetzt muss die LaKW alle behördlichen und wasserrechtlichen Genehmigungen einholen, dann könnte der Neubau des Wasserkraftwerkes bestenfalls Mitte/Ende 2018 begonnen und 2019 fertiggestellt werden.

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