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Tourismus

07.02.2018

Licht oder Schatten?

Erneut zählte Bad Wörishofen weniger Übernachtungen als im Vorjahresvergleich.
Bild: Oliver Berg/dpa

Mehr Gäste, dafür erstmals weniger als 700000 Übernachtungen in Bad Wörishofen. Ratsmitglieder schlagen Alarm, im Rathaus und in der Kurverwaltung verweist man dagegen auf positive Signale.

Wie steht es um den Kurort Bad Wörishofen? Dass es da sehr unterschiedliche Sichtweisen gibt, wurde am Montagabend im Kurausschuss deutlich. Dort legte die kommissarische Kurdirektorin Petra Nocker die Tourismusbilanz für das vergangene Jahr vor. Mit 148324 Übernachtungsgästen steht dort erneut ein Bestwert zu Buche. Mit 687688 getätigten Übernachtungen verbuchte die Kneippstadt auf der anderen Seite aber auch den schlechtesten Wert. Entsprechend fielen auch die Bewertungen aus. „Die Zahlen sind erschreckend“, befand SPD-Fraktionssprecher Stefan Ibel. Erstmals sei man unter die Marke von 700000 Übernachtungen gefallen. Ähnlich sieht es Wirtschaftsreferent Alwin Götzfried (FW). In 24 Jahren habe sich die Zahl der Betriebe halbiert, ebenso die Zahl der Betten, insgesamt habe Bad Wörishofen 612000 Übernachtungen verloren.

Dass zu wenig für die Stadt geworben werde, kritisierte Hotelier Martin Steinle. Sein Kollege Hubertus Holzbock, Vorsitzender des hiesigen Hotel- und Gäststättenverbandes, sagte, von den derzeit über 148000 Gästen zahlten nur noch 30000 Kurtaxe. Er kritisierte außerdem, dass bayernweit die Kneippkurorte um 7,2 Prozent zugelegt hätten, Bad Wörishofen aber nicht. Man habe „15 Jahre lang nur Werbung für die Therme gemacht“, behauptete Holzbock. Nun sehe man die Konsequenz. Der ein oder andere Betrieb wäre „sicher nicht hops gegangen, hätte man gleichermaßen auch etwas für Kneipp getan“, so Holzbock. Auch Holzbock findet, dass zuwenig für den Ort geworben werde. Nötig seien 100000 Euro pro Monat.

Stefan Ibel wurde noch deutlicher. „Verfängt eigentlich unser Marketingkonzept?“, wollte er wissen. Und er stellte fest, dass man bei der Bewertung der Situation nicht immer auf die Schließung von Betrieben verweisen könne. Sieben weitere Hotels haben im vergangenen Jahr zugemacht, 129 gibt es noch. „Wenn wir so weitermachen, sind wir irgendwann nicht mehr existent“, befürchtet Ibel.

Gänzlich anders bewertet Kurdirektorin Nocker die Situation. Im vergangenem Jahr habe man erstmals pro weggefallenem Bett weit weniger Übernachtungen verloren als in den vergangenen 20 Jahren – 76 statt in der Spitze 122 pro Bett. „Es gelingt uns besser, diese Gäste in Bad Wörishofen zu halten“, stellte sie fest. „Das sollte uns Hoffnung geben“, sagte Nocker am Dienstag gegenüber unserer Zeitung.

Zudem stimme sie ein Blick auf die größeren Betriebe positiv. Die Häuser mit 50 bis über 100 Betten hätten Zuwächse bei den Übernachtungen verzeichnet, zwischen 0,5 und 1,9 Prozent. Auch den Vorwurf, andere Kneipp-Orte würden sich besser entwickeln, will sie so nicht stehen lassen. „Welche anderen Kneipp-Kurorte haben ebenfalls keine Berge oder große Seen vor der Tür und nur 200 stationäre Betten?“, fragt sie. Gerade die stationären Betten in den großen Reha-Einrichtungen seien es, welche andere Kurorte oben halten. „Keiner dieser Orte ist mit Bad Wörishofen vergleichbar“, sagt Nocker. Die Lage werde zu schlecht geredet.

Nocker kündigte an, künftig Betriebe gezielt begleiten zu wollen, die aufhören werden. Das Ziel sei es, deren Stammgäste weiter in Bad Wörishofen zu halten. Nocker sprach zunächst von „Abschiedsmanagement“, was Zweiter Bürgermeister Stefan Welzel (CSU) nach seinen Worten „etwas schockierte“. Er wünschte sich einen anderen Begriff. Stefan Ibel sah auch in diesem Vorhaben „nichts Neues“, denn schon immer sei es gelungen, die Mehrzahl der Gäste zu halten. Er habe das bei der Schließung seines eigenen Kurbetriebes selbst erlebt. In Bad Wörishofen lag die Auslastung der Häuser im vergangenen Jahr im Schnitt bei 46,3 Prozent, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei noch 4,7 Tagen. Größeren Häuser melden im Schnitt 53 Prozent Auslastung. „Da kriegt man immer einen Platz“, stellte Ibel fest. Auch Ibel sah den Kern des Problems im mangelnden Außenmarketing.

Ibels harte Bestandsaufnahme nannte Götzfried „moderat ausgedrückt“, man könne es nicht anders sehen.

Eine gänzlich andere Position vertritt Bürgermeister Paul Gruschka (FW). „Zu schauen, was 1998 war, bringt uns nicht weiter“, stellte er fest. „Wir müssen uns das Heute anschauen“. Rechne man mit 100 Euro Ausgaben pro Gast und Tag, komme man immer noch auf 70 Millionen Euro Umsatz in Bad Wörishofen. Der aufgestellte Masterplan Tourismus komme zu dem Schluss, dass Bad Wörishofen „seine Hausaufgaben gemacht“ habe, so Gruschka. Kneipp sei die Kernkompetenz. Kneipp werde in Bad Wörishofen zudem „immer noch gut gemacht“, lobte Ärztesprecher Dr. Peter Schneiderbanger. Entsprechend klingt auch der neue Werbeslogan der Stadt, den Nocker vorstellte: „Wo Kneipp zuhause ist“.

Die Kurverwaltung arbeite den Masterplan derzeit ab. „Da ist nichts in der Schublade verschwunden“, stellte Gruschka klar. „Ich blicke positiv in die Zukunft“, so Gruschka. „Eine totale Schwarzmalerei ist nicht zielführend.“ Gruschka zitierte sinngemäß den Bürgermeister von Bad Füssing: Die Übernachtungen in Bad Wörishofen seien ebenfalls „erarbeitet“. Eine andere Anregung gab Grünen-Fraktionssprecherin Doris Hofer. Bad Wörishofen biete aus Sicht der Gäste „hervorragende Rahmenbedingungen“. Was allerdings fehle, seien gute Rahmenbedingungen für Menschen, die in den Tourismus investieren wollen. Das sei aber der „Schlüssel für die Trendumkehr“.

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