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Mindelheim/Babenhausen

09.12.2020

Mehr Hilfe für Familien: Erziehungsberatung soll Verstärkung bekommen

Die Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) steht allen Unterallgäuern bei Bedarf zur Seite.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Symbolbild)

Plus Die Erziehungsberatungsstelle in Mindelheim soll Verstärkung bekommen. In und um Babenhausen sei der Bedarf überraschend groß.

Probleme und schwierige Phasen gibt es vermutlich in jeder Familie. Wenn die Schwierigkeiten aber so groß werden, dass das Familienleben darunter leidet, ist es höchste Zeit, sich Hilfe zu holen.

Diese bieten die Psychologen und Sozialpädagogen der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) allen Unterallgäuern kostenlos an: in den Erziehungsberatungsstellen in Mindelheim und Memmingen sowie seit dem vergangenen Jahr auch direkt vor Ort bei den Familien und dort, wo sie sich im Alltag ohnehin aufhalten, also beispielsweise an Kindergärten und Schulen.

In seiner jüngsten Sitzung hat der Unterallgäuer Jugendhilfeausschuss nun beschlossen, diese sogenannte aufsuchende Erziehungsberatung fortzuführen. Sie war bisher mit einer halben Stelle bei der Erziehungsberatungsstelle in Memmingen angesiedelt und auf zwei Jahre befristet. Außerdem soll für das Angebot eine weitere halbe Stelle an der Erziehungsberatungsstelle in Mindelheim geschaffen werden – wenn es dafür wie in Memmingen staatliche Fördermittel gibt.

Wie Monika Grimaldi, die Leiterin der KJF-Beratungsstellen in Mindelheim und Memmingen, in der Sitzung erläuterte, hat der Bedarf in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen. Als Gründe nannte sie unter anderem die vermehrte Außer-Haus-Betreuung von Kindern, die weniger entspannte Zeit in den Familien zur Folge habe, eine steigende Zahl komplexer psychischer Belastungen sowohl bei den Kindern als auch den Eltern sowie immer mehr strittige Umgangs- und Sorgerechtsregelungen. Auch in vielen Flüchtlingsfamilien gebe es Beratungsbedarf.

Die aufsuchende Erziehungsberatung hat ihr Angebot unter anderem wiederholt in der Erwachsenenpsychiatrie des Memminger Klinikums vorgestellt und bot auch an Kindergärten und Schulen Gespräche an. Dort können die Experten der KJF bei Bedarf auch die Erzieher und Lehrer beraten, so Monika Grimaldi. Beraterin Anja Kelz war seit Mai 2019 zu festen Zeiten in den Kindertagesstätten St. Anna in Bad Wörishofen, Maria Stern in Ottobeuren und Guter Hirte in Babenhausen erreichbar.

Kelz: „Die bisherige halbe Stelle könnte schon Babenhausen allein gebrauchen“

Vor allem in Letzterer habe sich gezeigt, „dass die Verwaltungsgemeinschaft Babenhausen vom Angebot der Erziehungsberatungsstellen in Memmingen und Mindelheim nicht ausreichend erreicht wurde“, so Kelz. Der Beratungsbedarf dort sei überraschend groß. In zwölf sehr schwierigen Fällen unterstütze nun das Jugendamt die jeweiligen Familien, in vier Fällen bestand der Verdacht, dass die Kinder misshandelt, missbraucht oder vernachlässigt worden sein könnten. „Die bisherige halbe Stelle könnte schon Babenhausen allein gebrauchen“, sagte Kelz. Um den ganzen Landkreis Unterallgäu abzudecken, reiche sie bei Weitem nicht aus.

Die Verwaltung sieht das genauso und empfahl den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses deshalb, die zunächst auf zwei Jahre befristete halbe Stelle in Memmingen über den 30. April 2021 hinaus unbefristet fortzuführen und eine weitere, ebenfalls unbefristete halbe Vollzeitstelle ab dem 1. Mai 2021 in Mindelheim einzurichten.

Die KJF als Träger des Angebots rechnet mit Kosten in Höhe von rund 33.500 Euro, von denen sie selbst 2900 Euro übernehmen würde. Das entspricht zehn Prozent der Personalkosten. Abzüglich des erwarteten staatlichen Zuschusses in Höhe von 6650 Euro verbliebe dem Landkreis Unterallgäu ein Restbetrag von 23.950 Euro. Da die neue Stelle erst im Mai eingerichtet werden soll, wären für das kommende Jahr 16.000 Euro einzuplanen.

Heidrun Kornegger-Tausch, eine der externen Expertinnen im Jugendhilfeausschuss, sprach angesichts des großen Bedarfs von einem „Modell für die Zukunft“. Auch die übrigen Mitglieder waren von der Notwendigkeit überzeugt, die Beratung auszubauen und stimmten geschlossen für den Vorschlag der Verwaltung.

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