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Gericht

04.02.2017

Mindelheim und Memmingen verwechselt: Gefängnisstrafe für Prostituierte

Ein Mann ließ eine Prostituierte zu sich nach Hause kommen – nur lag dieses Zuhause eben nicht in Memmingen, wo Prostitution erlaubt ist. Die Frau kam und wurde deshalb nun angeklagt.
Bild: adamico/Fotolia.de

Eine Prostituierte hat Mindelheim mit Memmingen "verwechselt". In Mindelheim ist Prostitution allerdings verboten. Nun muss die Liebesdienerin hinter Gitter.

In einer Berufungsverhandlung ist eine 50-jährige Prostituierte vor der vierten Strafkammer des Landgerichts Memmingen gestanden. Sie war bereits vom Amtsgericht wegen unerlaubter Prostitution zu einer fünfmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Hinter dem Vergehen verbarg sich ein dann allerdings doch eine tragische Geschichte, wie sie alleine das Leben schreibt. Zwar reduzierte die Strafkammer das Urteil auf drei Monate, aufgrund der Vorstrafen der Frau wurde die Strafe aber nicht zur Bewährung ausgesetzt.

Um die Dienste der Dame hatte sich ein älterer Herr bemüht, der vor dem Gericht einen – gelinde gesagt – etwas verwirrten Eindruck machte. Er hatte die Telefonnummer der Frau in einer Wochenzeitung gefunden. Die Prostituierte hatte darin ihre Dienste angeboten. In der Berufungsverhandlung ging es hauptsächlich um die Behauptung der Angeklagten, sie habe nicht gewusst, dass in dem kleinen Ort bei Mindelheim Prostitution verboten sei. Sie habe geglaubt, der Ort gehöre zu Memmingen. Der Hintergrund: Prostitution ist in Bayern an Orten, die weniger als 30.000 Einwohner haben, verboten und kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu sechs Monaten geahndet werden.

Die Frau sagte, sie habe sogar bei der Polizei angerufen

Der Anruf des Herrn erreichte die Dame im Auto. Die Angeklagte versicherte vor Gericht, dass sie den Freier noch gefragt habe, ob Prostitution am Ort erlaubt sei. Darauf habe der Mann sinngemäß geantwortet, es seien schon öfter Damen bei ihm gewesen. Daraufhin sei sie zu ihm gefahren, habe aber auch noch bei der Polizei angerufen und gefragt, ob Hausprostitution erlaubt sei. Der Polizist habe die Frage nicht beantworten können und auf das Ordnungsamt verwiesen. Ob dieses Gespräch so stattgefunden hatte, konnte natürlich nicht mehr bewiesen werden.

Mindelheim und Memmingen verwechselt: Gefängnisstrafe für Prostituierte

Die Frau sei dann gegen 22 Uhr bei dem Kunden eingetroffen. Aus ihren Schilderungen war zu entnehmen, dass nicht viel „passierte“. Man habe zunächst über Sex-Fragen gesprochen und dann habe sie den Mann auf dessen Wunsch „gestreichelt“. Dafür habe sie wie verabredet 150 Euro kassiert.

Zur Anzeige kam die Sache, weil der Mann im Nachhinein glaubte, die Dame habe ihn bestohlen. Dieser Vorwurf spielte aber bei der Berufungsverhandlung keine Rolle mehr.

Die Schutzbehauptung der Angeklagten, sie habe nicht gewusst, dass in Mindelheim und Umgebung Prostitution nicht erlaubt sei, wollte der Richter ihr nicht abnehmen. Sie habe doch sehen müssen, dass sie in einer ländlichen Umgebung unterwegs gewesen sei. Man müsse von einer bewussten Fahrlässigkeit ausgehen.

Das Vorstrafenregister war lang: Fünf Monate Haft für Prostituierte

Die Angeklagte wäre mit dieser Auslegung sicher mit einer Bewährungsstrafe nach Hause gegangen, wenn sie nicht in ihrer Vergangenheit ein dickes Vorstrafenregister angehäuft hätte. Seit 2012 hatte sie mehrere Strafen wegen verbotener Prostitution, Betrugs und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz angehäuft. Die Geldstrafen hatte sie aber immer bezahlt.

Vom Amtsgericht Memmingen war sie wegen des aktuellen Vorfalls zu einer fünfmonatige Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt worden. Ihr Verteidiger forderte nun vor dem Landgericht, die Strafe zur Bewährung auszusetzen, seine Mandantin habe sich in den vergangenen beiden Jahre nichts mehr zu schulden kommen lassen. Man wäre bereit, eine höhere Geldstrafe zu akzeptieren.

Der Staatsanwalt sah dies anders. Die Angeklagte hätte sich vergewissern müssen, ob Prostitution erlaubt sei, sagte er und forderte, die Berufung zu verwerfen. Das Urteil lag mit drei Monaten dann etwas niedriger als in der ersten Instanz. Eine Bewährung gab es für die Frau aufgrund ihrer Vorstrafen dennoch nicht.

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