Technik

23.01.2020

„Mittelalterlich“

Der Wiedergeltinger Walter Schartl notiert den Zählerstand an seiner Wasseruhr, so wie er das in den vergangenen Jahren auch gemacht hat. Dass er den Zählerstand nicht mehr selbst an die Gemeinde melden kann, versteht er nicht.
Bild: Schartl

Walter Schartl wundert sich, warum er seine Wasseruhr nicht mehr selbst ablesen darf. In der VG bleibt es aber dabei: Zählerstände werden nur von Gemeindemitarbeitern abgelesen

In diesen Tagen klingelt es in vielen Haushalten immer mal wieder an der Haustür und dort steht dann eine freundliche Dame oder ein freundlicher Herr, der die Zählerstände ablesen will. Von 2015 bis 2017 klingelte es in Wiedergeltingen aber nicht – die Gemeinde hatte die Verbraucher darum gebeten, der Zählerstand der Wasseruhr bei der Gemeinde per E-Mail zu melden oder einen Zettel in der Gemeinde abzugeben, auf dem der aktuelle Zählerstand vermerkt ist.

Umso erstaunter war MZ-Leser Walter Schartl aus Wiedergeltingen, als er am Jahreswechsel 2018 – wie gewohnt – den Zählerstand seiner Wasseruhr in seinem Wohnhaus im Weichter Weg abgelesen und – wie gewohnt – an die Gemeinde geschickt hatte. „Meine E-Mail an die Gemeinde wurde ignoriert und ich wurde informiert, dass ein Gemeindemitarbeiter für das Jahr 2018 den Zählerstand abliest“, wunderte sich Walter Schartl.

Und auch in diesen Tagen wollte er dann wieder – wie gewohnt – seinen Zählerstand der Wasseruhr an die Gemeinde per E-Mail melden – bekam aber erneut eine für ihn überraschende Antwort: „Sehr geehrter Herr Schartl, besten Dank für die Info. Die Wasserzähler werden heuer wieder durch unser Personal, abgelesen. Wir bitten Sie, den Mitarbeitern der Gemeinde den Zugang zu ermöglichen. Freundliche Grüße“, hieß es dort.

„Mittelalterlich“

Walter Schartl versteht das gar nicht – für ihn mutet sich das ausschließliche Ableseverfahren der Gemeinde „in der heutigen Zeit etwas mittelalterlich“ an. Er wendete sich daher erneut an die Gemeindeverwaltung und bat darum, doch ein „neuzeitliches Verfahren“ zu ermöglichen – wie dies etwa bei den Lechwerken oder im Zweckverband Gennach-Hühnerbachgruppe (Stöttwang) reibungslos funktioniere. Schartl hat jetzt auch einen schriftlichen Antrag an den Gemeinderat geschickt und will so erreichen, dass die Bürger den Zählerstand ihrer Wasseruhr wieder selbst ablesen und zum Jahresende schnell und unbürokratisch bei der Gemeinde melden dürfen. Oder die Gemeinde sollte sich eben bis dahin um ein „neuzeitliches Meldeverfahren“ bemühen.

Da hakte auch die MZ nach und bekam vom Wiedergeltinger Rathaus eine eindeutige Meldung mit Gültigkeit für alle vier Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Türkheim, also Türkheim, Rammingen, Wiedergeltingen und Amberg. „Das System der Zählerstandserfassung hat sich bewährt, da hierdurch gleichzeitig eine jährliche Überprüfung des Wasserzählers erfolgt und eventuelle Defekte und Fehlerquellen sofort festgestellt werden können“, heißt es. Durch die Umstellung auf die mobilen Ablesegeräte konnte demnach der Arbeits- und Erfassungsaufwand „deutlich reduziert“ werden.

Im Jahr 2018 sei die Ablesung der Zählerstände auf eine mobile Zählerstandserfassung umgestellt worden. Die Zählerstände werden dabei durch das Gemeindepersonal vor Ort in mobilen Ablesegeräte erfasst und „im weiteren Verlauf automatisch an unser Abrechnungssystem übertragen. Bei der Datenübertragung erfolgt automatisch eine zusätzliche Kontrolle und Plausibilitätsprüfung“, so die Auskunft.

Das Thema „Funk-Wasserzähler“ sei innerhalb der VG-Gemeinden schon umfassend diskutiert worden, eingeführt werden soll es aber nicht, denn: „Letztendlich entstehen aber bei einer Umrüstung auf Funk-Wasserzähler sehr hohe Kosten, die wiederum auf die Bürger umgelegt werden müssten. Außerdem ist das Thema datenschutzrechtlich auch noch nicht endgültig geklärt.“ Nach den vorliegenden Informationen der Verwaltung würden auch die Lechwerke die Zählerstände nach wie vor in jedem Haus ablesen.

Für den Wiedergeltinger Walter Schartl ist die Angelegenheit damit aber noch nicht beendet. Er will jetzt eine Entscheidung im Gemeinderat abwarten – den Zählerstand am Jahreswechsel 2020/21 will er aber wieder per E-Mail an die Gemeinde schicken: „Mal schauen, was passiert.“

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