1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Nachruf: Der „Löwe“ aus dem Löwenbräu ist tot

Bad Wörishofen

11.06.2019

Nachruf: Der „Löwe“ aus dem Löwenbräu ist tot

Copy%20of%20DSC04621(1)(1).tif
2 Bilder
So kannten ihn alle Wörishofer: Alfred Forster hinter seinem Tresen, ein selbst gebrautes und frisch gezapftes Bier in der Hand. Das Löwenbräu wurde mit Bad Wörishofen groß und berühmt.

Alfred Forster, 50 Jahre lang Wirt des Löwenbräu, ist mit 86 Jahren gestorben. Dass er nach dem Verkauf noch ausziehen musste, war ein schwerer Schlag.

Die Stadt Bad Wörishofen trauert um eine Persönlichkeit: Alfred Forster, 50 Jahre lang Wirt der Bad Wörishofer Traditionsgaststätte „Löwenbräu“ ist jetzt im Alter von 86 Jahren nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Er hinterlässt seine Ehefrau Anni (79) und drei Söhne mit Familien.

Er war für viele einfach nur der „Löwe“ – was nicht nur mit seinem beliebten Brauereigasthof „Löwenbräu“ mit seiner beliebten und kultigen „Löwengrube“ zu tun hatte. Alfred Forster war bekannt als ein g’standener Mann, ein Braumeister wie aus dem Bilderbuch – kernig, mit Ecken und Kanten. Er war fünf Jahrzehnte lang das Gesicht der Brauerei-Gaststätte „Löwenbräu“, gemeinsam mit seiner Ehefrau Anni. Sein selbst gebrautes, süffiges Bier war bei Einheimischen wie (Kur-)Gästen ebenso beliebt wie der legendäre „Bierlikör“.

Von 1953 bis 2002 leitete Alfred Forster den Betrieb, nach der Mittleren Reife am Maristenkolleg in Mindelheim, einer Brauerlehre in Raitenhaslach und seiner Braumeister-Ausbildung in Ulm. Er wurde am 18. März 1933 in Wörishofen geboren, in dem Haus, in dem er 85 Jahre seines Lebens gewohnt hat, bis er nach der Schließung des Löwenbräu im vergangenen September sein Haus verlassen musste. Das Areal musste verkauft werden, der Abriss ist längst beschlossene Sache, nun sind dort die „Löwenbräu-Arkaden“ geplant.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Hier erfahren Sie mehr über die Pläne: Löwenbräu-Areal: Anwohner wehren sich

Bei allen Erfolgen musste er in seinem bewegten Leben auch Schicksalsschläge verkraften: Alfred Forster war gerade sechs Jahre alt, da verunglückte sein ein Jahr älterer Bruder Alois, als dieser auf dem Vordach einer Katze nachstürmte und dabei tödlich abstürzte.

Im Alter von 19 Jahren musste Alfred Forster dann plötzlich den Betrieb übernehmen, nachdem sein Vater unerwartet gestorben war. 1988 starb dann sein ältester Sohn Ulrich im Alter von 24 Jahren, der nach einer Brauerlehre und Hotel- und Gaststätten-Ausbildung den Betrieb später einmal hätte übernehmen sollen.

Der Wirt des Löwenbräu in Bad Wörishofen war nach einem Schlaganfall pflegebedürftig

Nach einem Schlaganfall im Jahr 2002 und anderen Beschwerden war Alfred Forster pflegebedürftig. Seine Frau Anni, die er 1962 geheiratet hatte, kümmerte sich nach dem unfreiwilligen Auszug aus der Brauereigaststätte um ihn. In diesem Jahr konnten beide noch ihren 57. Hochzeitstag feiern.

Im Jahr 1905 kam Bierbrauer Ludwig Forster aus der Oberpfalz nach Bad Wörishofen und gründete direkt an der Ecke Hermann-Aust-Straße/Bürgermeister-Stöckle-Straße das Löwenbräu in dem aufstrebenden Kurort. Die Familie Forster erweiterte die Brauerei im Laufe der Jahre um Hotel und Gasthof. Der Bad Wörishofer Bierlikör war eines der bekanntesten Erzeugnisse der Brauerei.

Hier erfahren Sie mehr über das Ende der Brauerei: Im Löwenbräu gehen endgültig die Lichter aus

Mit Bad Wörishofen wuchs auch die Löwenbrauerei, der Aufschwung schien kein Ende zu kennen: Der Kneipp-Kurort zählte zu den vornehmsten Adressen für einen gesunden und erholsamen Kuraufenthalt, in der Hochsaison drängelten sich die Menschenmassen durch die Innenstadt. Und mittendrin das Löwenbräu - bekannt für seine deftige, gut bürgerliche, original-bayerische Küche, für sein freundliches Personal, für den wunderschönen Biergarten, für die „Löwengrube“ – wo sich dem vernehmen nach auch so manche Liebelei (wohl auch „Kurschatten“ genannt) angebahnt haben soll - und bekannt, natürlich, für das süffige, bayerische Bier, das hier gebraut wurde. Erst von Ludwig Forster, dann von Alois und Alfred Forster und später von dessen Sohn Roland.

Das Bad Wörishofer Löwenbräu war ein Fixpunkt in der Stadt

Das Löwenbräu war für so viele Bad Wörishofer und ihre Gäste mehr als „nur“ eine schöne Erinnerung: Es war auch ein Fixpunkt, der Ort, an dem man sich eben traf: Alle Vereine im Ort hatten ihren Stammtisch, hielten ihre Sitzungen und Wahlen ab, trafen sich vor oder nach dem Training. Am Kneipptag führte Braumeister Alfred Forster die Kinder des Ortes durch die Brauerei und zeigte ihnen, wie das süffige bayerische Nationalgetränk hergestellt wird.

Auf den Bierdeckeln stand damals der Spruch „Mit jedem Schluck Bier ein Stück Heimat von mir“ und das brachte es wohl so gut auf den Punkt, dass sich jeder gerne gleich noch einen Schluck gönnte.

Stimmungsvolle Faschingsbälle, rauschende Partys, lange und bierselige Nächte in der rustikalen Wirtsstube - der Ruf des Löwenbräu war legendär. Natürlich gingen hier die Prominenten ein und aus, die es sich in diesen „Goldenen Zeiten“ in Bad Wörishofen gut gehen ließen. Die Schriftstellerin Utta Danella war nur einer davon.

Für beide war es schwer, nach dem Verkauf des Löwenbräus in eine Wohnung zu ziehen

Das Löwenbräu war dann wohl eines der sichtbarsten „Opfer“ des Wandels in der Gesundheitspolitik: Mit den abnehmenden Zahlen der Kurgäste gingen auch die Einnahmen zurück und am Ende musste die Familie das Anwesen schweren Herzens an einen Investor verkaufen. Für Alfred Forster und seine Frau Anni war es ein schwerer Schlag, nach einem langen und erfüllten Leben in ihrem Gasthof nach dem Verkauf in eine Wohnung umziehen zu müssen. Sohn Siegfried Forster hätte sich noch gewünscht, dass seinen Eltern für deren Verdienste um das Gemeinwohl die Bürgermedaille der Stadt verliehen werden sollte.

Lesen Sie auch: Mit dem Löwenbräu „geht ein Stück Stadtgeschichte“

Jetzt ist „der Löwe“ Alfred Forster im Alter von 86 Jahren gestorben. Ein Requiem findet am Freitag, 14. Juni, um 10 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Justina statt, anschließend Beerdigung auf dem Friedhof in Bad Wörishofen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren