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Bad Wörishofen

09.04.2019

"Oma Ingrid" muss ins Gefängnis

„Ich wurde bespuckt, beschimpft und beleidigt.“Muss wahrscheinlich wieder ins Gefängnis, und diesmal für lange: Ingrid Millgramm (84) aus Bad Wörishofen.

Landgericht verwirft Berufungen als unbegründet. Die Staatsanwaltschaft wollte eine höhere Strafe, die 85-jährige notorische Ladendiebin hoffte auf Milde.

Die Verteidigung wollte eine Strafmilderung oder gar einen Freispruch erreichen. Die Staatsanwaltschaft wollte die nun 85 Jahre alte Ingrid Millgramm aus Bad Wörishofen dagegen noch länger als die verhängten vier Monate ins Gefängnis schicken. Mit diesen Zielen hatten beide Parteien ein Berufungsverfahren angestrengt, das am heutigen Dienstag am Landgericht Memmingen entschieden wurde. Die 3. Strafkammer hat dabei vor wenigen Minuten beide Berufungen als unbegründet verworfen. „Das heißt, die Entscheidung des Amtsgerichtes wurde bestätigt und aufrechterhalten“, sagte ein Gerichtssprecher.

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Hier lesen Sie die Hintergründe zum neuerlichen Prozess:

Neue Runde im Verfahren gegen die mehrfach wegen Ladendiebstahls verurteilte Ingrid Millgramm (85) aus Bad Wörishofen: Am heutigen Dienstag beschäftigt sich das Landgericht Memmingen mit dem Fall, der als „Oma Ingrid, die vor Hunger klaute“ bundesweit bekannt gewordenen 85-Jährigen.

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Grund sind die Einsprüche gegen das Urteil des Amtsgerichts Memmingen, demzufolge die 85-Jährige zu einer weiteren Gefängnisstrafe von vier Monaten verurteilt wurde, diesmal sogar ohne Bewährung. Ob die Verhandlung vor der nächsthöheren Instanz aber wirklich zustande kommt, ist unklar: Dem Vernehmen nach ist die 85-Jährige gesundheitlich schwer angeschlagen.

Weder die Staatsanwaltschaft Memmingen noch der Verteidiger von „Oma Ingrid“ wollten das Urteil von Amtsrichterin Katharina Erdt vom Amtsgericht Memmingen akzeptieren – freilich mit völlig gegensätzlichen Erwartungen.

Oma Ingrids Anwalt will eine mildere Strafe, die Staatsanwältin eine höhere

Während der Rechtsanwalt von Ingrid Millgramm mit der Berufung gegen das Urteil zumindest eine mildere Strafe oder sogar einen Freispruch erreichen will, setzt die Staatsanwaltschaft Memmingen ganz andere Vorgaben: „Das Strafmaß wird dem Unrechtsgehalt der Tat und der Persönlichkeit der Angeklagten nicht gerecht“, heißt es in der Begründung der Staatsanwaltschaft Memmingen für ihren Berufungsantrag. Im Klartext: Die mit diesem Fall befasste Staatsanwältin will sogar erreichen, dass die 85-jährige Ladendiebin noch länger ins Gefängnis muss, als das Urteil bislang hergibt. Anfang August des vergangenen Jahres war Ingrid Millgramm vom Amtsgericht zu einer weiteren Gefängnisstrafe von vier Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Staatsanwältin Saskia Roßkopf hatte damals eine Haftstrafe von zehn Monaten zusätzlich zu den noch offenen sieben Monaten Bewährungsstrafe gefordert.

Ingrid Millgram auf dem Weg in den Gerichtssaal: Im August 2018 war die 85-Jährige vom Amtsgericht Memmingen zu einer weiteren Haftstrafe verurteilt worden, diesmal ohne Bewährung.
Bild: Alf Geiger (Archiv)

Am Ende beließ es Amtsrichterin Katharina Erdt dann bei einer Haftstrafe von vier Monaten, was angesichts der Forderung der Staatsanwältin von Prozessbeobachtern durchaus als „mildes Urteil“ gewertet wurde.

Da sie aus drei vorherigen Verurteilungen zu Gefängnisstrafen noch unter Bewährung stand, droht der Rentnerin jetzt schon eine lange Haftstrafe: Aus den alten Urteilen sind noch sieben Monate Haft offen, zusammen mit der neuen Verurteilung droht Ingrid Millgramm jetzt eine Gesamtstrafe von elf Monaten in der Justizvollzugsanstalt.

Oma Ingrid saß wegen ihrer Diebstähle schon im Gefängnis

Für Kopfschütteln und Unverständnis hatten die Prozesse nicht nur bei der Justiz gesorgt – auch viele MZ-Leser nahmen großen Anteil an diesem Verfahren. Kaum eine Berichterstattung hat für so kontroverse Diskussionen unter unseren Lesern gesorgt: Während die einen Milde und eine Therapie für die betagte Rentnerin forderten, hatten andere keinerlei Verständnis für die Wiederholungstäterin und wünschten sich die ganze Härte des Gesetzes für die Ladendiebin.

Vor allem weil Ingrid Millgramm wegen ihrer Ladendiebstähle schon 55 Tage in einer Doppelzelle der Memminger Justizvollzugsanstalt gesessen hatte: In insgesamt sechs Fällen war sie wegen Ladendiebstahls zu mehreren Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt worden. Kurz vor Weihnachten 2017 kam sie dann vorzeitig aus der Haft frei. Das Ende einer langen Geschichte? Ingrid Millgramm versicherte damals: „Ich werde nie wieder etwas stehlen. Die Zeit im Gefängnis war das Schlimmste, was mir je passiert ist.“

Kurz nach der Entlassung wurde die Bad Wörishoferin erneut erwischt

Gut vier Monate später wurde die 85-jährige Bad Wörishoferin erneut beim Stehlen erwischt. Diesmal hatte sie Kosmetikartikel, Sahnesteif und Haarklammern im Gesamtwert von 17,63 Euro gestohlen und war von einem Ladendetektiv beobachtet worden.

Das Urteil war aber nicht rechtskräftig, das Berufungsverfahren ist seit Anfang Oktober beim Landgericht Memmingen anhängig. Der Ausgang des Verfahrens sei offen, teilte der Pressesprecher des Landgerichts, Florian Förschner, damals auf Anfrage der Mindelheimer Zeitung mit. Die Berufungskammer habe den Sachverhalt sowohl im Hinblick auf den Schuldspruch (also grundsätzlich auch ein Freispruch möglich) als auch im Falle der Verurteilung im Hinblick auf die Strafe völlig neu zu beurteilen, so Förschner. Damit sei sowohl eine niedrigere wie auch eine höhere Strafe möglich. Grundsätzlich sei in solchen Fällen zu sagen, dass bei einer Verurteilung wegen Diebstahls das Gesetz einen Strafrahmen von Geldstrafe bis zur Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren vorsieht, erläuterte der Sprecher des Landgerichts.

Förschner: „Innerhalb dieses Rahmens hat das Gericht im Zuge der Hauptverhandlung unter Berücksichtigung aller für und gegen den Angeklagten sprechenden Umstände, die im Rahmen der Strafzumessung eine Rolle spielen, auf eine der Tat und der Schuld des Täters im Einzelfall angemessene Strafe zu erkennen“.

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Die Diskussion ist geschlossen.

09.04.2019

Mit der Oma habe ich nicht das geringste Mitleid , denn die klaut Artikel die man nicht zum leben braucht denn Lebensmittelvorräte hat sie genug ! Die Dame ist eine Kleptomanien, da hilft auch keine Therapie wer so schnell rückfällig wird der hat seine Strafe verdient egal wie alt !

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