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Mindelheim

12.10.2016

Schüsse auf Familienfeier: Empfindliche Strafen für zwei Männer

Schreckschusswaffen sind von richtigen Pistolen kaum zu unterscheiden. Nicht jeder darf sie mit sich führen oder gar schießen. Zwei Mindelheimer erhielten empfindliche Geldstrafen.
Bild: Oliver Killig/dpa (Symbolbild)

Zwei Männer aus Mindelheim standen vor Gericht, weil sie auf einer Familienfeier ihre Schreckschusspistolen benutzt haben. Das Urteil: empfindliche Strafen.

Diese Schüsse gingen nach hinten los: Zwei Mindelheimer haben bei einer Familienfeier mit Schreckschusspistolen in die Luft geschossen – nun mussten sich beide vor dem Amtsgericht Memmingen verantworten. Denn auch wenn sich Schreckschusswaffen ohne größere Hürden im Laden kaufen lassen: Die Pistole mit sich zu führen oder gar zu schießen ist im Regelfall nicht erlaubt und kann zu empfindlichen Strafen führen, wie die beiden Männer hautnah erfahren mussten.

Es war am Karsamstag dieses Jahres gegen 17.30 Uhr, als besorgte Anwohner der Straße „Im Eichet“ die Polizei alarmierten. Auf einem Parkplatz, auf dem sich mehrere Personen aufhielten, seien Schüsse gefallen, sagten sie. Die Polizei schickte eine Streife vorbei. Die konnte glücklicherweise schnell Entwarnung geben. Die Schüsse waren nicht im Rahmen einer Auseinandersetzung abgegeben worden, sondern bei einer Familienfeier; nicht mit einer scharfen Waffe, sondern „nur“ mit einer Schreckschusspistole. Verboten ist so etwas dennoch, aus gutem Grund, wie Hubert Stolp, Sachgebietsleiter Öffentliche Sicherheit und Ordnung am Landratsamt, erklärt.

Für den kleinen Waffenschein wird man „komplett durchleuchtet“

Zwar dürfen Über-18-Jährige grundsätzlich eine Schreckschusspistole kaufen oder besitzen. Will man die Waffe jedoch mit sich führen, benötigt man dafür einen kleinen Waffenschein. Diesen bekommt man auf Antrag beim Landratsamt, das prüft, ob etwas gegen den Antragsteller spricht, beispielsweise Körperverletzungen, Straftaten in Zusammenhang mit Drogen oder Alkohol oder die Zugehörigkeit zu einer radikalen Partei. Laut Stolp wird man bei diesem Vorgang „komplett durchleuchtet“.

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Ein kleiner Waffenschein ist aber immer noch kein Freifahrtschein, außerhalb des eigenen, befriedeten Besitztums zu schießen. Geschossen werden darf nur in Notwehr oder mit einer Schießerlaubnis, die es in Ausnahmefällen gibt, beispielsweise zum Vergrämen von Vögeln, erklärt Stolp. Eine Schießerlaubnis zur Belustigung auf einer Familienfeier kann sich der Sachgebietsleiter nicht vorstellen. Und: „Man darf nicht einfach auf dem Grundstück schießen“, sagt Stolp, auch dann nicht, wenn es das eigene ist. Er verweist auf den Emissionsschutz und die Außenwirkung: Für Nachbarn sei schließlich nicht erkennbar, dass es sich nicht um Schüsse aus einer scharfen Waffe handle.

Missverständnis: Oft wird die Polizei gerufen

Im Normalfall rufen die Nachbarn dann die Polizei – und auch für die Polizisten ist nicht auf den ersten Blick klar, ob eine echte Waffe im Spiel ist. Solche Missverständnisse sollte man besser erst gar nicht entstehen lassen, zumal auch Schreckschusspistolen nicht völlig harmlos sind. Wird jemand in der Nähe getroffen, können schwere Verletzungen die Folge sein. „Ein Schuss im Gesichtsfeld kann auch tödlich enden“, sagt Polizeisprecher Sebastian Adam.

So weit ist es bei den 24 und 30 Jahre alten Mindelheimern glücklicherweise nicht gekommen: Verletzt wurde durch deren Schüsse niemand. Vor Richterin Brigitte Mock gaben sich die beiden dennoch reumütig, zumal bei der Feier, auf der beide jeweils rund 15 Schüsse abgaben, mehrere Kinder in der Nähe waren. Einzig die Höhe des im Strafbefehl festgelegten Geldbetrags fanden die beiden zu hoch und legten deshalb Einspruch ein.

1350 Euro und 4200 Euro Strafe

Im Fall des 30-Jährigen, der aufgrund von Krankheit nicht arbeiten kann und Hartz IV empfängt, wurde die Tagessatzhöhe deshalb von 40 auf 15 Euro reduziert. Die Anzahl der Tagessätze – 90 – bleibt jedoch gleich, sodass er insgesamt 1350 Euro Strafe zahlen muss. Deutlich mehr ist es bei dem 24-Jährigen. Aufgrund einer Vorstrafe wegen Trunkenheit im Verkehr liegt die Anzahl der Tagessätze in seinem Fall bei 120 und – weil er mehr verdient – die Tagessatzhöhe bei 35 Euro (insgesamt 4200 Euro).

„Ich habe die Waffe am Tag der Feier gekauft und etwas unterschrieben, was ich mir nicht durchgelesen habe“, sagte der junge Mann. Er habe schlichtweg nicht gewusst, dass er die Schreckschusspistole zwar besitzen, aber sie nicht bei sich tragen geschweige denn auf dem Parkplatz damit schießen dürfe. Seine Unwissenheit schützte ihn dennoch nicht vor der Strafe. „Das ist blöd für mich gelaufen“, sagte er und nahm letztlich seinen Einspruch gegen den Strafbefehl zurück, weil ihm Richterin Mock klar machte, dass ein Urteil nicht milder ausfallen würde. „Sie haben einen Haufen Geld in den Sand gesetzt“, kommentierte sie.

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