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Unterallgäu

15.11.2019

Wie politische Weggefährten um Hermann Haisch trauern

Altlandrat Dr. Hermann Haisch war in der Bevölkerung hoch angesehen.
Bild: Stoll

Die Reaktionen auf den Tod von Hermann Haisch zeigen vor allem eines: Der Altlandrat hat mit seiner Bürgernähe tiefe Spuren im Unterallgäu hinterlassen.

Der Tod von Altlandrat Dr. Hermann Haisch hat die Menschen nicht nur im Unterallgäu tief berührt. Der CSU-Politiker war 26 Jahre lang ein volksnaher Kreischef, der sich auch über Parteigrenzen hinweg hohes Ansehen erworben hat.

Die Kreisrätin der Grünen, Doris Kienle, erklärt: „Wir trauern um unseren Altlandrat Dr. Hermann Haisch, mit dem wir in 16 Jahren unserer gemeinsamen Kreistagsarbeit in respektvollem Umgang und gegenseitiger Achtung unserer unterschiedlichen politischen Ziele zusammenarbeiten konnten“. Unter seiner Amtszeit und mit seiner Unterstützung sei ein Frauenhaus für von Gewalt betroffenen Frauen in Memmingen eingerichtet worden, würdigte Kienle. Sein politischer Stil, seine Anerkennung für sachbezogene politische Arbeit sei prägend für den Umgang im Kreistag gewesen. „Mit großer Wertschätzung werden wir uns an die vielen Begegnungen und gemeinsamen Erlebnisse mit ihm immer erinnern.“

Franz Josef Pschierer über Haisch: "Wir verlieren eine prägende Persönlichkeit"

Für die CSU in Schwaben und im Unterallgäu sagt Staatsminister a.D. Franz Josef Pschierer: „Mit ihm verlieren wir eine der starken und prägenden Persönlichkeiten der Kommunalpolitik in ganz Bayern. Er hat das Unterallgäu nach der Gebietsreform in seiner fast 30-jährigen Amtszeit zu dem gemacht, was es heute ist. Er hat zusammengeführt und nicht gespalten.“

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Seine „Bürger- und Volksnähe“ und sein Gespür für die „kleinen Leute“ hätten ihn in allererster Linie zu einer bedeutenden Politikerpersönlichkeit gemacht. Haisch hat laut Pschierer Politik getreu dem Motto gemacht: „Für die Menschen, mit den Menschen“. Er sah Bürger nicht als lästige Bittsteller.

Als Landrat habe er sich in seiner Amtsführung nie hinter Verordnungen und Richtlinien versteckt, sondern stets nach praktikablen Lösungswegen gesucht. „Hermann Haisch war stets verliebt ins Gelingen und Gestalten. Wir alle verlieren mit ihm einen wichtigen Ratgeber und guten Freund.“

"Die Leute haben sich gefreut, wenn Hermann Haisch da war"

Der frühere Landwirtschaftsminister Josef Miller sagt, mit Haisch sei „ein begnadeter Politiker und großartiger Mensch“ von uns gegangen. Er sei ohne Unterschied für alle da gewesen. Aus dem rein agrarisch geprägten Landkreis sei ein moderner Wirtschaftsstandort geworden, der mit seinen Beschäftigungszahlen an der Spitze der Bundesrepublik Deutschland steht.

Abt Johannes Schaber vom Benediktinerkloster Ottobeuren arbeitete bis zuletzt mit Hermann Haisch im Vorstand der Vereinigung der Freunde der Abtei zusammen. Er nahm an der Freier zum 80. Geburtstag von Hermann Haisch Anfang Dezember 2018 in der Stadtpfarrkirche St. Stephan in Mindelheim teil. „Die Feier fand an einem Wochentag nachmittags statt und die riesige Kirche St. Stephan war voll. Es waren so viele Leute da“, erinnert sich Abt Johannes. Diese Tatsache habe viel über Hermann Haisch ausgesagt. „Er wollte an allen Veranstaltungen teilnehmen und niemanden enttäuschen – und die Leute haben sich immer gefreut, wenn er da war.“ Lob und Respekt kommt auch aus der kreisfreien Stadt Memmingen. „Er hat für den Landkreis Bedeutendes geleistet und viele große Projekte angestoßen und entwickelt“, sagt Oberbürgermeister Manfred Schilder (CSU). Sein Amtsvorgänger Ivo Holzinger (SPD) betont, dass es trotz manchmal unterschiedlicher Interessen, die es zwangsläufig zwischen einem Memminger OB und einem Unterallgäuer Landrat gebe, dies auf persönlicher Ebene nie einen Einfluss gehabt habe. „Er war nicht nachtragend.“

Eine Anekdote, die Haisch sehr gut beschreibt, erzählt der ehemalige Leiter des Schwäbischen Bauernhofmuseums Illerbeuren, Dr. Otto Kettemann. Das Museum habe vor Jahren ein altes Bauernhaus gekauft. „Die Besitzer, ehemalige Landwirte, haben erzählt, dass der junge Haisch damals Tierarzt bei ihnen war“, sagt Kettemann. Einmal konnte dieser nicht herausfinden, was einer kranken Kuh fehlte. Ein paar Tage später ging es dem Tier von selbst besser - aber Haisch ließ der Fall keine Ruhe. „Er ist noch ein paar Mal gekommen und hat nach ihr geschaut, natürlich ohne dass er seine Stunden verrechnet hat.“

Otto Kettemann: Hermann Haisch war ein "pfiffiger Mann"

Als Leiter des Museums arbeitete Kettemann lange Jahre mit Haisch, dem Vorsitzenden des Zweckverbands, zusammen. „Er war in dieser Position kein Verwaltungsfachmann und kein Jurist, sondern einfach ein pfiffiger Mann“, sagt Kettemann anerkennend.

Als einen großen Freund der Kunst beschreibt Ulrike Meyer von der Erich-Schickling-Stiftung in Ottobeuren den verstorbenen Kommunalpolitiker. „Er hatte einen tiefen Bezug zur Spiritualität und Aussagekraft der Bilder von Erich Schickling und es war ihm innerer Antrieb, den Nachlass für den Landkreis zu erhalten.“ Haisch war 1998 einer der Gründer und bis 2018 Vorsitzender des Förderkreises der Schickling-Stiftung.

Das Requiem mit anschließender Beerdigung findet am Samstag, 23. November, 9.30 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Stephan in Mindelheim statt.

Mehr über Leben und Wirken von Hermann Haisch erfahren Sie hier:

Nachruf: Hermann Haisch war der große Kümmerer

Altlandrat Hermann Haisch ist gestorben

Der verstorbene Altlandrat Hermann Haisch war immer ein großer Menschenfreund. Wie sehr er die Geselligkeit schätzte, zeigen diese Bilder aus seinem Leben.
33 Bilder
Bilder aus dem Leben von Altlandrat Hermann Haisch
Bild: Stoll, Klofat, Barnstorf, Sonntag, Honold, Baumberger, Lienert, Heinrich, Issing, Hölzle
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