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Legendäre Fußballspiele

30.05.2020

Als der SV Schöneberg vom Elfmeterpunkt versagte

Als Mannschaft gewachsen: Nur ein Jahr nach der unglücklichen Niederlage im Aufstiegsspiel krönte der SV Schöneberg mit einem 2:1-Heimsieg gegen den FC Rammingen eine Fabelsaison und wurde ohne Niederlage und mit 17 Punkten Vorsprung Meister.

Plus Vor 17 Jahren verpasste der SV Schöneberg den Aufstieg in die Kreisliga durch ein beinahe skurriles Elfmeterschießen. Was dann folgte, war jedoch eine historische Saison.

Der FC Bayern München beruft sich gleich zwei Mal auf eine schmerzliche Niederlage, wenn es darum geht, einen großen Erfolg zu erklären. Als sie 2001 (zwei Jahre nach der Last-Minute-Niederlage in Barcelona) und 2013 (ein Jahr nach dem verlorenen „Finale dahoam“) die Champions League gewonnen hatten, hieß es, die vorangegangenen Finalniederlagen hätten die Mannschaft zusammengeschweißt.

So ähnlich dürften sich im Frühjahr 2004 auch die Spieler des SV Schöneberg gefühlt haben. Bereits fünf Spieltage vor Saisonende standen sie nach einer beeindruckenden Saison als Meister der Kreisklasse Südschwaben fest und durften sich über den Aufstieg in die Kreisliga Mitte freuen. „Wir hatten damals eine Wahnsinns-Truppe“, erinnert sich Hermann Mack. Der 53-Jährige war damals nicht nur Torhüter, sondern auch Trainer des SV Schöneberg.

Im Vorjahr war der Aufstieg zum Greifen nah

Es war ein Aufstieg, der bereits ein Jahr zuvor zum Greifen nah war. Denn in der Spielzeit 2002/03 nahm der SV Schöneberg als Vizemeister der Kreisklasse an der Aufstiegsrelegation teil. „Daran kann ich mich noch gut erinnern“, sagt Hermann Mack. „Es war meine erste Saison als Trainer in Schöneberg. Wir lieferten uns über die ganze Spielzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem SV Mattsies, kamen aber letztlich nicht daran vorbei. Deshalb ging es für uns in die Relegation.“ Gegner in Babenhausen an jenem 4. Juni 2003 war der FC Niederrieden. „Ich war mir sicher, dass wir das packen. Wir hatten eine Bombenmannschaft, alle waren hoch motiviert“, so Mack.

Als der SV Schöneberg vom Elfmeterpunkt versagte

Der SV Schöneberg startete gut in das Spiel. Das Team um Kapitän Stephan Marz übernahm von Beginn an die Initiative und hatte das Spiel im Griff. „Wir haben das Spiel 90 Minuten lang dominiert, ich hatte kaum was zu halten“, erinnert sich der Ex-Keeper. Umso überraschender fiel die Führung für Niederrieden. Manfred Bärtle erzielte in der 30. Minute das erste Tor in diesem Entscheidungsspiel. „Es war ein Konter nach einem Eckball von uns“, sagt Mack. Seine Vorderleute aber zeigten sich davon unbeeindruckt. Der SV Schöneberg dominierte die Partie und hatte noch in der ersten Halbzeit mehrere Chancen auf den Ausgleich. In der zweiten Hälfte wurde die Überlegenheit noch deutlicher.

Schöneberg spielt überlegen, kommt jedoch nur zu einem Tor

Die Schöneberger Offensive um Marz, Siegfried und Robert Wurm sowie Torjäger Witold Kuczyinski erarbeiteten sich immer wieder Möglichkeiten. Und doch sollte erst eine Standardsituation den verdienten Ausgleich bringen: In der 65. Minute köpfte Siegfried Wurm einen Eckball unter die Latte zum 1:1 ein. Dabei blieb es in der regulären Spielzeit. Es ging in die Verlängerung, die jedoch torlos blieb.

„Selbst vor dem Elfmeterschießen war ich mir sicher, dass wir das packen. Im ganzen Jahr hatte ich im Training fast nie einen halten können“, sagt Mack. Was folgte, war ein beinahe schon bizarres Elfmeterschießen. Denn hier überboten sich die Schöneberger und Niederrieder mit vergebenen Strafstößen. Hermann Mack konnte zwei Versuche des FC Niederrieden halten, ein weiterer Strafstoß flog über das Tor. Doch weder Stephan Marz („Ich glaube, ich habe an den Pfosten geschossen.“), noch Marcus Hampp, Willi Wurm oder Robert Wurm brachten den Ball im gegnerischen Tor unter. Einzig Christian Wurm verkürzte zwischenzeitlich auf 2:3. Dabei blieb es letztlich – und der Traum vom Aufstieg in die Kreisliga war vorerst ausgeträumt. „Es war eine riesengroße Enttäuschung für mich“, sagt Mack. „Ich habe die ganze Nacht danach kein Auge zugemacht.“

Am Tag nach der Niederlage relativiert ein Moment alles

Doch dann, am nächsten Tag in der Arbeit, relativierte ein Moment seinen Blick auf das Geschehene. „Als ich vom Mittagessen zurück an meinen Arbeitsplatz kam, hatte ein Kollege einen epileptischen Anfall. Ich stand da und dachte mir: ’Was bist du für ein Mensch, dass du dich so über eine Niederlage ärgerst? Fußball ist nicht alles.’ Ich sehe das heute noch vor mir.“

Auch der Rest des SV Schöneberg fing sich bald wieder. Und irgendwann reifte die Erkenntnis, dass es doch viel schöner sei, als Meister aufzusteigen. Gesagt, getan: „Im Nachhinein war es gut, dass wir das Elfmeterschießen verloren haben. Denn die darauffolgende Saison war überragend“, sagt Stephan Marz heute. „Sonst hätten wir diese Saison nie erlebt“, sagt Hermann Mack.

Schöneberg marschiert ungeschlagen durch die Folgesaison

Denn die Schöneberger sollten geradezu durch die Kreisklasse Südschwaben spazieren: Ohne Niederlage, eine Serie von 18 Siegen in Folge und 842 Minuten lang ohne Gegentor. Schon vor dem letzten Spieltag standen sie als Meister fest. Am Ende waren es 17 Punkte Vorsprung auf Rang zwei. „Das war einmalig in der Vereinsgeschichte und letztlich war es auch schöner, als Meister direkt aufzusteigen, als über ein Entscheidungsspiel“, sagt Marz. „Die Meisterfeiern in Schöneberg sind schließlich legendär.“

Diesen Schwung nahm der Aufsteiger dann in die neue Saison mit. Gleich im ersten Spiel wurde der Nachbar TSV Kirchheim im Derby mit 4:1 vom Platz gefegt. Am Ende der Saison 2004/05 belegten die Schöneberger den siebten Platz. Es folgten noch fünf weitere Jahre in der höchsten Spielklasse des Allgäus, ehe 2010 der Abstieg folgte.

Gibt es auch in Ihrem Fußballverein Spiele, über die man heute noch spricht? Dann melden Sie sich gerne per E-Mail (redaktion@mindelheimer-zeitung.de) bei der Sportredaktion der Mindelheimer Zeitung.

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