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Fußball

12.07.2019

Seit 100 Jahren wird in Babenhausen gekickt

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Den Aufstieg in die Bezirksliga in der Saison 1979/80 haben geschafft (stehend von links): Martin Gleich (Abteilungsleiter und TSV-Präsident), Josef Schlögel (Betreuer), Adolf Till, Reinhold Till, Anton Hack, Erich Sauter, Rolf Jannetti, Peter Müller, Georg Pfister, Michael Pfister, Reinhard Ebner, Georg Schlögel (Trainer); (kniend): Alois Bock, Franz Sauter, Walter Scholz, Albert Link, Herbert Sauter, Werner Sutter, Gerhard Bertele und Rudi Dreyer.
Bild: Repro Fritz Settele

Einst wurde in einer Kiesgrube Fußball gespielt – später kamen sogar Bundesligisten zu Besuch. Ein Rückblick.

Als nach dem Ersten Weltkrieg der Fußballsport in Deutschland seinen Siegeszug antrat, fand er auch schnell Anhänger im Fuggermarkt. Dabei ist dessen vereinsmäßige Entwicklung aufs Engste mit dem TSV 1862 Babenhausen verbunden. So stellte bereits 1919 Hans Treuleben auf einer Monatsversammlung des Turnvereins Babenhausen den Antrag, eine Fußballabteilung in den Verein aufzunehmen. Diesem wurde umgehend entsprochen – und Treuleben auch gleich die Leitung der Abteilung übertragen.

Eine Handvoll Kicker trainierte anfangs auf einer Wiese oberhalb der Klosterbeurer Halde, später am Hofbrühl. Im Frühjahr 1920 fiel dann der Startschuss für das heutige Stadion. Die Fußballer zogen in die gemeindliche Kiesgrube an der Weinrieder Straße um. Dazu heißt es in der Chronik: „Das Spielfeld war damals wohl das Dürftigste, was man sich von einem Fußballplatz vorstellen kann. Steinhart und ohne jede Grasnarbe wurde es seiner Bezeichnung Kiesgrube in jeder Hinsicht gerecht.“ Dies tat aber der Begeisterung der jungen Fußballmannschaft keinen Abbruch. In Eigenregie wurde das Gelände planiert und ausgebaut, sodass man bereits umgehend am Spielbetrieb der Verbandsrunde Illertal „mit gutem Erfolg“ teilnehmen konnte.

1924 trennen sich Turner und Fußballer

1923 schlug aber ein Beschluss der obersten Verbandsbehörde „eine tiefe Kluft zwischen Turnern und Fußballern“, so die Chronik. Darin wurde die Trennung von Turnen und anderen Sportarten gefordert. Dies führte zur Gründung der Spiel- und Sportvereinigung am 31. März 1924. Die 47 Mitglieder hatten laut Chronik einen „Monatsbeitrag von 30 Pfennigen zu zahlen“. Doch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten anfangs der 1930er-Jahre machten auch vor dem Sport im Fuggermarkt nicht halt. Dem stand aber in Babenhausen ein enger Zusammenhalt unter den Sportlern gegenüber – das gesellschaftliche Leben spielte sich im Vereinslokal Zur Sonne ab.

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Doch während der Kriegsjahre ruhte der Sportbetrieb. Als der Zweite Weltkrieg 1945 ein Ende fand, und die Auflagen der Siegermächte in Kraft traten, wurde die Auflösung aller Vereine beschlossen. „Ein Verein galt als Brutstätte militärischer Wiedererstarkung und vaterländischer Ideologie“, heißt es in der TSV-Chronik. Doch schnell wurden die Sportgeräte entstaubt und bereits im selben Jahr „wählten Turner und Fußballer in schöner Einigkeit“ im Gasthaus Pflug eine gemeinsame Leitung. Um den Vorschriften der Alliierten gerecht zu werden, wurde dem neuen Verein das Etikett Sport-Club Babenhausen aufgeklebt und von US-Besatzungskommandanten in Illertissen als „unbelastet genehmigt“.

Der FC Bayern gastierte nach dem Krieg in Babenhausen

Spielten die Fußballer anfangs noch mit „bunt gewürfelten Dressen“, so die Chronik, machten sie anschließend „aus der Not eine Tugend“. So wurden die verbliebenen Hakenkreuzfahnen in neue Trikots umgenäht. Bereits am 23. August 1947 erinnerten sich die Sportler ihrer Wurzeln und tauften sich in „Turn- und Sportverein von 1862“ um. Unter diesem Dach weckten die Fußballer neue Aktivitäten.

Für einen besonderen Höhepunkt sorgte der spätere Vizepräsident des FC Bayern München, der gebürtige Babenhauser Hans Schiefele, an Ostern 1946. Der FC Bayern gastierte im Fuggermarkt – für Rucksäcke voll mit Lebensmitteln als Gage. Zahlreiche Höhenflüge, aber auch Tiefschläge kennzeichneten die weitere Fußballbilanz. Unter der Regie von Alfred Schmidt und Hans Escher wurde die Sportanlage umgestaltet.

Zum Hundertjährigen des TSV im Jahr 1962 gab es dazu eine schmucke Tribüne. Pünktlich zum Wechsel vom württembergischen zum bayerischen Fußballverband in den 1970er-Jahren war der spielerische Tiefpunkt erreicht: der Abstieg in die B-Klasse. Doch es ging anschließend wieder kontinuierlich aufwärts, sodass 1980 der Aufstieg in die höchste schwäbische Spielklasse – die Bezirksliga – geschafft war. Und dort spielten sich die Fuggermärktler seitdem fest – unterbrochen von ein paar „Gastspielen“ in der damals neu geschaffenen Bezirksoberliga. Zudem qualifizierte sich der TSV mehrmals für die schwäbische Finalrunde im Hallenfußball, beziehungsweise sicherte sich die AH des Öfteren den Pokalsieg auf Allgäuer und schwäbischer Ebene.

Die Jugendarbeit in Babenhausen ist hoch gelobt

Auch Bundesligisten gaben im Stadion an der Weinrieder Straße ihre Visitenkarten ab – so etwa Fortuna Düsseldorf, der Karlsruher SC, der FC Bayern, der 1. FC Nürnberg und der SC Freiburg. Ein weiterer Höhepunkt war der Auftritt der Uwe-Seeler-Traditions-Elf. Da passte es bestens, dass im Jahr 1991 das neue TSV-Heim seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Über all die Jahrzehnte setzte man auf Jugendarbeit, um mit Nachwuchsspielern die eigenen Reihen wieder aufzufüllen. Um dieses funktionierende System wird der TSV Babenhausen von vielen schwäbischen Vereinen beneidet, lautete doch das Motto: „Mit der eigenen Jugend nach vorne.“

Auch verbindet der Fußballsport die Generationen – von den Bambini bis hin zu den „Alten Herren“. Für dieses Engagement und sein Gesamtkonzept wurde der TSV Babenhausen bereits mit der Silbernen und Goldenen Raute ausgezeichnet. Als einer der ersten Vereine erhielt der TSV auch die höchste Auszeichnung, die Goldene Raute mit Ähre.

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