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Bad Wörishofen

23.01.2019

Wie sieht „pietätvolle“ Friedhofsgestaltung aus?

Im neuen Urnengrabfeld werden die Urnen durch Kunststoffrohre in die Erde geführt. Dieser Ausbau sorgte für Kritik.
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Im neuen Urnengrabfeld werden die Urnen durch Kunststoffrohre in die Erde geführt. Dieser Ausbau sorgte für Kritik.
Bild: Markus Heinrich

Die Aufregung um das neue Urnengrabfeld auf dem städtischen Friedhof hat sich weitgehend gelegt. Wie ähnliche Pannen künftig verhindert werden sollen.

Die Aufregung war enorm, als unsere Zeitung im vergangenen November über das neue Urnengrabfeld im Friedhof Bad Wörishofen berichtete. Pfarrer Andreas Hartmann kritisierte das Bauwerk damals scharf und sprach von „Beerdigung im Abwasserrohr“. Hintergrund: Im Gräberfeld wurden Kunststoffrohre eingelassen, in welche die Urnen später beigesetzt werden sollen. Nur ein „Sturm im Wasserglas“, wie FW-Fraktionschef Wolfgang Hützler die öffentliche Diskussion damals nannte? Oder doch Grund für Nachbesserungen, um eine „pietätvolle Friedhofsgestaltung“ zu gewährleisten? Über diese Frage wurde nun im Stadtrat diskutiert.

Gar einen „Ethikrat“ hatte damals die CSU-Fraktion gefordert, um künftig sicherzustellen, dass „auf einem Friedhof, auf dem Pfarrer Sebastian Kneipp bestattet ist, eine würdevolle und ansehnliche Gestaltung“ eine Selbstverständlichkeit sein müsse.

Immerhin seien die Bevölkerung und auch die Stadträte „aufgeschreckt“, als sie aus der MZ die „Form und Realisierung und Installation der nichtanonymen Urnengräber“ auf dem städtischen Friedhof erfahren mussten, so CSU-Fraktionschef Stefan Welzel, der den entsprechenden CSU-Antrag für eine „pietätvolle Friedhofsgestaltung“ in der jüngsten Stadtratssitzung begründete. Er räumte auch noch einmal ausdrücklich mit Behauptungen auf, dass der gesamte Stadtrat und damit auch seine Fraktion damals über die tatsächliche Gestaltung der Urnengrabanlage detailliert informiert worden sei. Richtig sei lediglich, dass darüber zwar im Stadtrat gesprochen worden sei, von einer Verwendung von Kunststoffrohren sei dabei aber nicht die Rede gewesen: „Das wurde nicht ganz ideal gelöst, um es mal vorsichtig zu beschreiben“, so Welzel.

Bürgermeister Paul Gruschka nimmt seine Verwaltung in Bad Wörishofen in Schutz

Dem stimmte zwar auch Bürgermeister Paul Gruschka (FW) indirekt zu, doch er nahm seine Verwaltung und das zuständige Ordnungsamt ausdrücklich in Schutz. Mit der „nichtanonymen Urnengrabanlage“ sei die Stadt dem häufig geäußerten Wunsch auf eine pflegefreie Grabstätte nachgekommen. Anders als etwa bei der Baumbestattung sei es hier möglich, eine Grabplatte anzubringen, damit die Angehörigen dann an einem klar definierten Ort um ihren Verstorbenen trauern können. „Hierfür waren die entsprechenden Vorrichtungen notwendig“, heißt es in der Stellungnahme des Ordnungsamtes. Die Kunststoffrohre seien bei Beisetzungen aber nicht zu sehen, da ein Kranz auf die Öffnung gelegt werde. Der Schotterbelag wurde aus rein praktischen Gründen gewählt und könne mit einer bodendeckenden Bepflanzung versehen werden.

Die Forderung nach einem Ethikrat erschien sowohl dem katholischen Stadtpfarrer Andreas Hartmann wie auch seiner evangelischen Kollegin Susanne Ohr etwas übertrieben, wie beide in schriftlichen Stellungnahmen deutlich machten.

Durchaus positiv finden es aber beide Geistliche, wenn künftig ein regelmäßiger Informationsaustausch zu diesem Thema stattfinden könne, um ähnliche Pannen in Zukunft zu vermeiden. Es sei wünschenswert, wenn die Kirchen bei solchen Fragen mit einbezogen würden, so Pfarrerin Susanne Ohr. Ihr katholischer Kollege stimmt zu: „Mir ist wichtig, dass die Menschen in Bad Wörishofen einen würdigen Ort zum Trauern vorfinden und auch wissen, wo ihre Angehörigen, Nachbarn und Freunde bestattet werden“.

Die Stadtratsmehrheit war sich dann auch einig, dass es nicht mehr darum gehe, mögliche Fehler der Vergangenheit zu verurteilen. Vielmehr stelle sich künftig die Frage, wie „man es besser machen kann“, so FW-Fraktionschef Wolfgang Hützler.

So soll es in Bad Wörishofen künftig besser laufen

Daher soll künftig eine Art Kommission gebildet werden, wenn es um die Sicherstellung einer „pietätvollen Friedhofsgestaltung“ gehe. Wie genau dies dann aussehen könne, müsse im konkreten Einzelfall entschieden werden. „Vor einer Beschlussfassung soll ein Informationsaustausch zwischen Vertretern des Friedhofs, den Fraktionsvorsitzenden, der katholischen und der evangelischen Kirche erfolgen“, fasste Bürgermeister Gruschka zusammen, dessen so formulierter Beschlussvorschlag auch bei einer Gegenstimme angenommen wurde.

Das bedeutet, dass sich diese Personen jetzt zusammensetzen, um zu klären, bei welchen Maßnahmen eine Einbeziehung erfolgen soll, so Gruschka auf Anfrage der MZ. Die Verwaltung habe ja auch schon bisher die Kirchen miteinbezogen, etwa bei der Umgestaltung der Trauerhalle. Dies wurde auch von beiden Geistlichen als gelungen beschrieben.

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