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05.05.2020

Amtsantritt: Sendens neue Bürgermeisterin legt los

Claudia Schäfer-Rudolf in ihrem neuen Büro im Sendener Rathaus. Die Bürgermeisterin will Senden in eine bessere Zukunft führen – digitaler und wirtschaftlich stärker. Dafür setzt sie auf gutes Miteinander und gegenseitiges Vertrauen.
Bild: Andreas Brücken

Plus Die neue Bürgermeisterin Claudia Schäfer-Rudolf will Senden in eine bessere Zukunft führen. Sie setzt auf gutes Miteinander, Vertrauen und Ehrlichkeit – im Stadtrat und der Verwaltung.

Umringt von Blumensträußen, Glückwunschkarten und Fotos sitzt Claudia Schäfer-Rudolf an ihrem Schreibtisch im Sendener Rathaus. Sendens neue Bürgermeisterin hat ihren Dienst am Montag angetreten – und hat in der bislang kurzen Zeit bereits einiges erlebt. Ihre erste Amtshandlung fand aber schon früher statt, oder genauer gesagt waren es zwei. Beide sollten den Mitarbeitern im Rathaus dienen.

Wer auf dem Weg ins Büro der Bürgermeisterin ist, stutzt erst mal kurz – und findet sich dann in einem anderen Raum als früher wieder. „Ich bin am Montag als erstes umgezogen“, sagt Schäfer-Rudolf. Die 49-Jährige ist Sendens erste Bürgermeisterin und möchte diese Rolle neben dem nötigen Herzblut für Job und Stadt vor allem auch mit viel Empathie für ihre Mitarbeiter ausfüllen. Raphael Bögges ehemaliges Büro sei riesig, „viel zu groß für einen alleine, während die Mitarbeiter in manchen Abteilungen dicht an dicht arbeiten“, sagt Schäfer-Rudolf. Deswegen stand ihr Entschluss schnell fest: Sie zieht um in ein kleineres Büro. Bögges altes Büro wurde mithilfe einer Trockenbauwand aufgeteilt, dort arbeiten nun vier Mitarbeiter in zwei Räumen. Und dadurch, so sagt es die 49-Jährige, herrscht in der Bauabteilung nun etwas mehr Luft. Schäfer-Rudolf führt die Sendener Geschäfte ab sofort übrigens aus dem Büro, in dem auch Kurt Baiker saß.

Die Bürgermeisterin spricht in Senden mit vielen Mitarbeitern

Der Montag vergeht für die neue Bürgermeisterin wie im Flug. Einen Großteil der Zeit verbringt sie damit, Mitarbeiter kennenzulernen – keine ganz leichte Aufgabe in Corona-Zeiten. „Deswegen habe ich schon am Wochenende einen Brief aufgesetzt und möchte diesen jedem Mitarbeiter geben: von der Kinderbetreuung zum Bauhof-Mitarbeiter bis zum Verwaltungsangestellten.“ Mit im Umschlag ist auch eine kleine Schokolade.

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Viel beruhigender dürften die Mitarbeiter aber den Inhalt finden: Die neue Chefin im Rathaus stellt sich darin vor und kommt dann zum Wesentlichen: „Ich freue mich sehr darauf, mit Ihnen zusammenzuarbeiten. Sie alle sind der Kitt, der die Stadt zusammenhält, jede und jeder an seinem Platz und mit seiner Aufgabe“ steht dort. Und: „Ich möchte, dass Sie Freude daran haben und das ohne die Sorge, in ein Fettnäpfchen zu treten. Wer arbeitet, macht auch mal Fehler, das wird mir genauso gehen wie Ihnen.“ Und das meint Schäfer-Rudolf auch genau so: „Ich möchte nicht, dass jemand Angst hat, zwangsversetzt zu werden. Ich will, dass die Leute ihre Kompetenzen zeigen und Ruhe ins Rathaus kommt“, sagt sie. Man müsse den Mitarbeitern etwas zutrauen. „Manche der Angestellten haben schon fünf Bürgermeister miterlebt, sie sollen unbedingt ihre immense Erfahrung einbringen“, sagt die 49-Jährige. Sie wolle den Leuten einen Vertrauensvorschuss entgegenbringen – und hoffe, dass diese wiederum ihr vertrauen.

In Senden soll ein gutes Miteinander gelebt werden

Denn sie kenne natürlich einige Projekte aus ihren zwölf Jahren im Stadtrat, aber nicht die Detailarbeit und genauen Abläufe einer Verwaltung. „Aber das wird schon, ich habe ein gutes Gefühl“, sagt sie. Manchmal fühle sich alles noch immer unwirklich an – da sei sie in Senden aufgewachsen und dann plötzlich hier Bürgermeisterin, sagt Schäfer-Rudolf. „Ich hoffe, dass dieses Gefühl auch mit den Jahren als Bürgermeisterin nie wirklich aufhört“, sagt sie, „und dass ich immer ein bisschen staune.“ Denn sie wolle in keinem Fall den Blick für die Menschen verlieren. Auch ihr Wahlkampf sei aus dem Herzen gekommen, es sei kein Taktieren gewesen. „Mich hat es so wahnsinnig gefreut, zu sehen, dass es auch auf ehrlichem Weg geht, etwas zu erreichen.“ Das oftmals von ihr genannte Miteinander sei ihr deswegen nach wie vor sehr wichtig: mit Bürgern, mit Mitarbeitern, mit Stadträten.

Vor allem in Corona-Zeiten komme einiges auf die Stadt zu, das städtische Gremium müsse nun mehr denn je an einem Strang ziehen, um das Beste für Senden zu erreichen. Doch in einer Krise sehe man, was das gewachsene Vertrauen im Stadtrat gebracht hat. Kommende Woche findet die erste Sitzung des neuen Gremiums statt. Dort sollen mehrere Posten an verschiedene Fraktionen vergeben werden. „Wir müssen uns gegenseitig stützen und nicht wegen Personalien streiten“, sagt Schäfer-Rudolf. Danach müsse man zügig das Bahnhofsprojekt vorantreiben. Wichtiger denn je seien auch die Fragen: Wie stellen wir die Sendener Wirtschaft besser auf, was ist krisensicher, wie gelingt die Digitalisierung?

Doch bis dahin wird Claudia Schäfer-Rudolf, wie sie es bereits am ersten Tag getan hat, noch viele Gespräche führen und viel Neues lernen. Ihre neue Aufgabe sei zwar eine riesige Verantwortung, aber auch eine ungemeine Chance. „Es soll gut werden in Senden, der Begriff ’Sendener Verhältnisse’ soll eine andere Bedeutung bekommen“, sagt die Bürgermeisterin. Die derzeitige habe die Stadt nicht verdient. „Und so gute Voraussetzungen für ein Miteinander wie jetzt gab es schon lange nicht mehr.“

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