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Pfaffenhofen

12.03.2014

Beim Wort-Duell fliegen die Argumente

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4 Bilder
Interessiertes Publikum: Über 400 Zuhörer strömten in die Aula der Hermann-Köhl-Schule und reichten fleißig Fragen bei den Moderatoren der NUZ ein.
Bild: Andreas Brücken

In Pfaffenhofen diskutieren Bürgermeister Josef Walz und sein Herausforderer Dirk Solte vor großem Publikum. 400 Bürger verfolgen die von der NUZ moderierte Debatte – und bekommen einen spannenden Schlagabtausch geboten

von Uta Wittke

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Pfaffenhofen In der Marktgemeinde bringt der Wahlkampf die Wähler auf die Beine: Über 400 interessierte Bürger waren am Montagabend zur Podiumsdiskussion in die Hermann-Köhl-Schule gekommen: Moderiert von Redaktionsleiter Bernhard Junginger und Redakteur Jens Carsten von der Neu-Ulmer Zeitung standen der amtierende Bürgermeister Josef Walz und sein Herausforderer Dirk Solte Rede und Antwort zu Fragen der Pfaffenhofer Bürger.

Bereits seit 24 Jahren hat der 59-jährige Walz das Amt des Bürgermeisters in der Marktgemeinde inne. Erst Ende Januar hatte auch Wirtschaftsingenieur Solte (54) seinen Hut in den Ring geworfen, um Walz bei der Kommunalwahl am kommenden Sonntag herauszufordern. Zum Aufwärmen für die Diskussion wurden noch freundlich-belanglose Worte über den jeweiligen Wettbewerber um den Vorsitz im Rathaus gesprochen. „Er hat einen guten Bart“, äußerte Solte über Walz. „Er kann reiten“, lobte Walz an seinem Gegenüber. Dann stellten sich beide Kandidaten den Themen, die in jüngster Zeit neben dem Marktrat offenbar auch die Bürger in Pfaffenhofen beschäftigen.

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Natur erleben, da waren sich beide Kandidaten noch einig, ist eine gute Sache. Dennoch gingen beim Spaziergang entlang der Roth Walz und Solte gedanklich verschiedene Wege. Die Koppelung von Uferweg und Zapfensteg war Solte ein Dorn im Auge. Er sprach von einer „unsinnigen Verknüpfung“ bei Fördergeldern und schlug als Lösung vor, die einzelnen „Baustellen“ zu trennen. „Gekoppelt waren die Themen wegen der Städtebauförderung“, konterte Walz. Nach dem Bürgerbegehren sei die Marktgemeinde zwar aus dem Programm gefallen, „die Brücke wird aber heuer gemacht, auch aus eigener Tasche“, kündigte Walz an. Solte plädierte dafür, kurzfristig eine Behelfsbrücke zu errichten, um Zeit für eine endgültige Lösung zu finden. Ein Provisorium war nicht nach Walz’ Geschmack: „Wenn wir eine Brücke bauen, dann gleich richtig.“

„Wir brauchen eine Statikplanung, schon die kostet mehr als 8000 Euro“, spielte Walz an auf kürzlich laut gewordene Theorien, dass ein Fußgängersteg schon sehr günstig errichtet werden könnte. „Wir waren bass erstaunt über die Kosten der Radbrücke in Raunertshofen.“ Daraufhin kritisierte Solte: „Man ist immer bass erstaunt, wenn man die betriebswirtschaftliche Seite ausblendet.“ Seiner Ansicht nach müssten Ziele zuvor definiert werden. „Lassen Sie uns die Pläne machen, dann sehen wir, was es kostet und dann entscheiden wir“, sagte Walz.

Auch hinsichtlich des leer stehenden Tavernegebäudes gingen die Meinungen der Kandidaten auseinander. „Das wäre mit mir nicht so passiert“, war sich Solte sicher. Er wisse, wie Investoren „ticken“. Es sei kaum realistisch, einen Betreiber zu finden, wenn die Miete 150000 Euro im Jahr kosten müsse.

Der Markt hätte gar keine Verträge schließen können, korrigierte Walz den Eindruck, die Gemeinde sei an dem Verkauf des Gebäudes beteiligt gewesen. „Die Taverne war immer in privater Hand.“ Walz blieb optimistisch: Die Kosten seien zwar „immens hoch“, aber ein Geldgeber könne die Investition abschreiben.

Zur geplanten Nordostumfahrung forderte Solte eine neue Planung. Die in diesem Zusammenhang vorgesehenen Enteignungen seien „ungut“. Er zeigte sich verständnislos, dass der Verkehr aus der Ortsmitte gehalten werden solle, aber ein Supermarkt in der Hauptstraße angesiedelt worden sei. Trotz Supermarkt werde die Umfahrung das Ortszentrum entlasten, war sich Walz sicher: Ein Verkehrsgutachten belege, dass zwei Drittel der von Osten kommenden Fahrzeuge umgeleitet werden könnten. Eine Ampelanlage sei bereits geplant, könne aber nur in Zusammenhang mit der Umfahrung verwirklicht werden, so Walz. Das beschwor wieder Soltes Unmut: „Es hängt alles voneinander ab und wird als alternativlos dargestellt“, schimpfte er. Stattdessen sollten besser verschiedene Planungen vorgestellt werden. „Das haben wir alles schon längst gemacht“, reagierte Walz auf den Vorwurf. Der Marktrat sei zu einem Ergebnis gekommen, dieses solle nicht immer aufs Neue infrage gestellt werden.

Auch Vertreter der Pfaffenhofer Parteien kamen auf dem Podium zu Wort. Hildegard Feurich-Kähn (SPD) tat Anspielungen auf eine „Große Koalition“ im Marktrat ab. Die CSU habe die Mehrheit, die Zusammenarbeit sei gut. Eine Wahlempfehlung wollte sie nicht geben. Erwin Stötter (CSU) wurde deutlicher: Solte gehe ihm zu sehr „ins Makro“. Er sei zu weit oben und müsse „nach unten kommen.“

Der Markt habe naheliegende Probleme, sagte der CSU-Mann und sah die Lösung in Bürgermeister Walz. Stötter schlug Solte vor, sich in einem der Vereine zu engagieren. Vereinsring und Musikverein seien auf der Suche nach einem Vorsitzenden. „Wählen Sie mich, dann mach’ ich’s“, versprach Solte.

Auf die Unterstützung der Freien Wähler kann Solte bauen. Andreas Wöhrle (FWG) nannte es einen „Glücksfall“, Solte „gefunden“ zu haben. Man müsse auch überörtliche Zusammenhänge sehen, kommentierte Wöhrle Stötters Äußerung. Auch Klaus Przewodnik von der Wählergemeinschaft Roth-Berg stärkte seinem Wunschkandidaten Solte als „Koordinator für alle Fraktionen“ den Rücken. Dominik Wansing (Grüne) blieb in der Bürgermeisterfrage neutral. Die Grünen solle man aus Überzeugung wählen, nicht weil sie einen Kandidaten unterstützen, fand er.

Hauptsache wählen: „Nur wer gewählt hat, darf später über die Politik schimpfen“, appellierte Moderator Bernhard Junginger am Ende an die Pfaffenhofer. Wie die Wahlbeteiligung am Sonntag ausfällt, wird sich zeigen. Inhalt und Unterhaltungswert der Podiumsdiskussion kamen bei den Besuchern jedenfalls gut an. „Es hat sich gelohnt“, urteilte ein Beurener. Ähnlich sah das eine Frau aus Biberberg: „Ich glaube, dass viele Unschlüssige sich jetzt sicher sind, wen sie wählen. Ich bin es.“

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