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Neu-Ulm

07.04.2019

Die Zauberei in Neu-Ulm zündet

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Las Vegas oder London? Nein, Neu-Ulm. Lokalmatador Florian Zimmer mit einer zündenden Idee: Er will Neu-Ulm zu einer „Welthauptstadt der Magie“ machen.

Mit einem Kongress und großer Show steht die Stadt im Zeichen der Trickkünstler. Organisator hat Großes vor.

Den Künstlern der Magie blieb es am Wochenende vorbehalten, mit den Feierlichkeiten zum 150-jährigen Neu-Ulmer Stadtjubiläum zu beginnen. Zumindest inoffiziell. Der großartigen Zauberschau „World Magic Artists“ in der Ratiopharm-Arena, bei der internationale Stars der Magie das Publikum auf eindrucksvolle Weise ins Reich des „Übernatürlichen“ führten, in dem letztlich doch nur mit höchst raffinierten Tricks gearbeitet wird, ging ein Zauber-Kongress im Edwin-Scharff-Haus voraus, bei dem die Besucher selbst mit Weltmeistern dieser Kunst ins Gespräch kamen. „Es ist der erste Kongress dieser Art in Neu-Ulm“, so der einheimische, sehr bekannte Magier Florian Zimmer, quasi Gastgeber, vor allem aber Moderator in der Zauberschau. Und er hat unglaubliche Visionen: „Neu-Ulm soll Welthauptstadt der Magie werden.“

Schon der Kongress zieht viele Leute an. Zunächst über 200 Zauberer aus aller Welt, wie Florian Zimmer berichtet. Selbst aus China, Marokko oder Taiwan sind welche vor Ort. Im ersten Stock vor dem großen Saal bietet sich dem Besucher ein ungewohntes Bild: Einige Gäste tragen das gleiche blaue Sakko und outen sich damit als Mitglieder des Zauberer-Ortszirkels Mindelheim. Zu ihnen gehört auch der Nersinger Manfred Haber, der erklärt: „Wir richten am 3. Oktober in Mindelheim den Vorentscheid zur deutschen Meisterschaft aus.“ Da bietet so ein Kongress eine gute Gelegenheit, sich zu informieren, alte Bekannte aus der Szene zu treffen und Werbung für die eigene Veranstaltung zu machen.

Dann einige Stände, verführerisch vollgepackt mit Artikeln, die ein Zauberer für seine Tricks benötigt. Der Landshuter „Helly“, so sein Künstlername, beteuert, er stelle seine Utensilien fast alle selbst her. So auch ein Schild, das er nur dreht und wendet und jedes Mal erscheint darauf ein anderes Wort. Am Ende der kurzen Demonstration steht da „Danke“. An einem anderen Stand bieten Künstler aus Augsburg Utensilien an, die zwischen 60 Cent und 25 Euro kosten. Viele tragen zum Teil ulkige Namen wie „Wenn zwei das Gleiche tun“, „Boston-Box“, „Komplex: Klo-Bauplan“ oder „Santa’s Socken“ und stechen einem alleine deshalb schon ins Auge. Und dann wird einem ein Münztrick vorgeführt. Der Magier hält eine Münze mit einem Loch in der Faust und man selbst tut das gleiche. Dann schüttelt man seine Faust kräftig und siehe da: Die Münze des Zauberers hat nun gar kein Loch mehr, die eigene dafür zwei. Unglaublich. Mit dem Verkauf sind die Händler aber nicht so glücklich. Ein junger Zauberer aus Nürnberg sagt: „Es läuft so mittelmäßig, jedenfalls nicht so gut wie bei anderen Kongressen.“

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Zum Programm der Veranstaltung gehören Seminare. Als der zweifache Weltmeister der Fédération Internationale des Société Magiques (FISM/Internationaler Verband magischer Gesellschaften), Gregory Wilson aus Los Angeles/USA, angekündigt wird, bleibt im Saal kaum ein Platz frei. Zauberer, aber auch einfach neugierige Gäste wie Peter Pfotenhauer aus Düsseldorf, wollen den Star der Magie aus der Nähe sehen. Der Amerikaner zieht sein Publikum in den Bann, indem er teilweise sehr amüsant und dabei erklärend auf sein Tun eingeht. Er zeigt Kartentricks, demonstriert, wie er den magischen Würfel hinter seinem Rücken, also ohne Blickkontakt, in Sekundenschnelle perfekt ordnet, hantiert gleichzeitig mit zwei Würfeln sowie mit Geldscheinen- und Münzen, die wie von Geisterhand geführt mal in der rechten Hand, mal in der linken, mal am Gesäß und mal gar nicht auftauchen. Dabei bezieht der Mann aus Kalifornien immer wieder Besucher mit ins Geschehen ein, die mit größtem Vergnügen bei der Sache sind. Am Ende seines Seminars bildet sich eine Traube von Wissbegierigen um ihn und der Amerikaner steht seinen „Jüngern“ Rede und Antwort. Auch Manfred Haber zeigt sich von Wilson begeistert: „Manches kennt man ja. Aber wie so ein Profi vorgeht und welche Feinheiten er zeigt, das ist etwas ganz Anderes. Besonders gefällt mir, wie er mit dem Publikum umgeht.“ Es geht also weniger um den Trick selbst, sondern um die Perfektion und Präsentation.

Das beeindruckt auch den 61-jährigen Pfotenhauer, der glaubt: „Ich bin zu alt, um noch mit der Magie anzufangen.“ Aber diese Kunst fasziniert ihn einfach: „Ich beschäftige mich seit zehn Jahren mit ihr. Ich war bei vielen Zauberschauen und deutschen Meisterschaften. Immer wieder überrascht zu werden, das finde ich klasse. Bei Gregory Wilson hat mir speziell seine Präsentation gefallen.“ Diese Wunder über Wunder haben sich, das gesteht er ein, für Manfred Haber „zur Sucht“ entwickelt: „Wo eine größere Schau ist, bin ich dabei. So war ich vergangenes Jahr in Las Vegas oder auch in Blackpool, einer weiteren Hochburg der Zauberei.“

Florian Zimmer schließlich kann sein Glück kaum fassen: „Magie ist ein Thema, das bei den Leuten prächtig ankommt. Wir haben mit der Veranstaltung ins Schwarze getroffen. Es ist die erste Veranstaltung meines Florian-Zimmer-Theaters, das ich ja bald eröffnen werde. Hier sind Weltmeister der Magie und für den Wettbewerb eine prominente Jury. Neu-Ulm wird zur Entertainment-City und das passt zur Stadtplanung und zu meinem Theaterkonzept.“ Wunder über Wunder.

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