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Immobilien

12.05.2018

Ein „monströses Vorhaben“

Der Besitzer will das ehemalige Kriegsspital an der Memminger Straße aufstocken, die Festungsschützer sind darüber empört.
Bild: Ronald Hinzpeter

Ein Investor möchte das ehemalige Neu-Ulmer Kriegsspital umbauen. Der Förderkreis Bundesfestung ist empört und beklagte den Verlust historischer Substanz

Nein, Festungen sind nicht unbedingt für die Ewigkeit gebaut, auch nicht die größte Anlage Europas, die Bundesfestung Ulm. Einiges ist schon verschwunden – und jetzt droht wieder ein Teil verloren zu gehen. Das fürchtet zumindest der Förderkreis Bundesfestung Ulm. Es geht um ein das sogenannte Neu-Ulmer Kriegsspital zwischen Bahntrog und Glacis-Park an der Memminger Straße. Ein Privatinvestor will es umbauen und um zwei Stockwerke erhöhen. Das jedoch würde das „völlig intakte, gut erhaltene Bauwerk ruinieren“, fürchtet der Verein. Es hat deshalb einen offenen Brief an die Stadtverwaltung geschrieben, in dem „mit Nachdruck“ protestiert wird.

Die Idee ist nicht ganz neu, wie der Vereinsvorsitzende Matthias burger und sein Stellvertreter Michael Hartlieb im Gespräch mit unserer Zeitung erläutern. Bereits vor fünf Jahren sei davon die Rede gewesen, doch die Pläne wurden nicht weiterverfolgt – bis jetzt. Mitte April wurde das Projekt im Fachausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt präsentiert, was bei den Festungsschützern für erheblichen Ärger gesorgt hat, denn bis dahin hatte sie niemand um ihre Meinung gefragt. „Wir sind ungehalten“, sagt Burger, „denn wir wollen, dass es eine Diskussion gibt.“ Wieder einmal seien sie vor vollendete Tatsachen gestellt worden.

Darum geht es: Der markante Backsteinbau gehört zur Bastion 5 der Bundesfestung und bildet ein Ensemble mit den noch vorhandenen Glacis-Anlagen. Errichtet wurde er zwischen zwischen 1850 und 1854 als Kriegsspital und Kaserne. 1894 erhielt er zwei zusätzliche Stockwerke, die jedoch 1945 nach Bombentreffern ausbrannten. Der Aufbau wurde abgerissen. Die heutige Höhe entspricht in etwa dem Urzustand. Seit 1973 steht die Anlage unter Denkmalschutz. 1979 kaufte das Kemptener Immobilienunternehmen Panescu das einstige Spital und vermietet es seither an Dienstleister und Gewerbebetriebe. 2016 erwarb die Firma auch den gegenüberliegenden Flachbau mit dem Casino.

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Auf dem gesamten Areal haben die Kemptener einiges vor. Während das Spital zwei neue Stockwerke mit insgesamt 55 Wohnungen erhält, soll auf der Fläche des Spielsalons etwas viel Größeres entstehen, ein gestaffeltes Gebäude mir fünf und acht Geschossen. Zwischen dem alten und dem neuen Bau will Panescu Immobilien einen kleinen Park anlegen. Während aus Sicht der Neu-Ulmer Bauverwaltung nichts gegen das Vorhaben spricht, hält der Förderkreis Bundesfestung massiv dagegen und fordert die Stadt auf, „diese Maßnahmen auf keinen Fall zuzulassen“. Die Aufstockung des Spitals stehe im „krassen Widerspruch“ zu seiner Eigenschaft als Baudenkmal und als Teil des Festungsensembles. Gerade der Ensemblecharakter hat ohnehin gelitten, weil das Spital durch die Turmstraße von der davor gelegenen Befestigung abgetrennt wurde.

Sollten nun zwei Stockwerke draufgesetzt werden, geht das nach Ansicht von Burger und Hartlieb einher mit einem massiven Eingriff in die historische Substanz. Die sei immer noch sehr gut. Die Stadtverwaltung jedoch hält fest, die Backsteinfassade sei „seit Jahrzehnten einer anhaltend starken Durchfeuchtung ausgesetzt“, was sich in entsprechenden Schäden bemerkbar mache. Die Sanierung sei „sehr aufwendig und kostenintensiv“. Die Aufstockung solle zur Aufwertung des Denkmals beitragen. Das sieht der Förderkreis völlig anders, er findet das Vorhaben „monströs“.

Burger und Hartlieb beklagen, mit dem Umbau gehe erneut ein Teil der Festung verloren. Neu-Ulm achte ohnehin viel zu wenig auf Relikte der Verteidigungsanlagen, deshalb seien in den vergangenen zehn Jahren immer wieder noch vorhanden Festungsteile zerstört oder verschandelt worden. Deshalb sagt Matthias Burge: „Finger weg. Man darf nicht jeden Quadratmeter wirtschaftlich erschließen“.

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