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Theater Ulm

15.01.2019

Emotional und vielseitig

Die beiden Tänzer Gabriel Mathéo Bellucci (links) und Yoh Ebihara tanzten bei „Company in Motion“ im Foyer des Theaters Ulm eine Choreografie von Luca Scaduto.
Bild: Horst Hörger

„Company in Motion“ bringt sechs extrem unterschiedliche Arbeiten zusammen – und ist noch dazu klug arrangiert: Die letzte Choreografie setzt einen fulminanten Schlusspunkt

Die Vermittlung von Geschichten, von Emotionen oder auch nur von purer Bewegung ist die zentrale Aufgabe einer Choreografie, sagt Ulms Ballettchef Reiner Feistel. Wie der sprechende Körper des Tänzers aber erzählt, das hängt von der Handschrift des Choreografen ab – und die gilt es herauszuarbeiten: Im ersten „Company in Motion“-Abend Feistels stellen fünf seiner Tänzerinnen und Tänzer im oberen Foyer des Theaters Ulm eigene Choreografien vor, wobei nur Nora Paneva es auf sich nimmt, in ihrer eigenen Choreografie „Es war einmal“ zugleich mitzuwirken. Der Abend bringt sechs extrem unterschiedliche Arbeiten – und ist klug arrangiert, denn nach Marijana Popovics „Burnout“-Choreografie, kreiert in Österreich für die Tänzerin Maya Maysel, kann es im Ablauf keine Steigerung mehr geben.

Unterschiedlicher geht es kaum: Modern Dance mit Anspruch an die Fantasie, klassischer Pas de deux und uminterpretiertes Märchen: Reiner Feistels jungen Choreografen gelingt es, sich selbst individuell auszudrücken. Luca Scaduto lässt die beiden sprungkräftigen Tänzer Gabriel Mathéo Bellucci und Yoh Ebihara nach dem Einstein-Zitat, dass Insekt und Stern, Mensch, Pflanze und Staub nach einer geheimnisvollen Melodie des Schöpfers vorherbestimmt tanzten, wie an Marionettenfäden agieren, kriechend, wirbelnd oder kämpfend.

Das arabische „Habibi“, dessen Bedeutung von „Liebling“ bis hin zu „Bürschchen“ reicht, steht im Zentrum von Lucien Zumofens Choreografie für vier Tänzerinnen, während sich Alba Pérez Gonzalez mit Amy Winehouses innerer Nähe zu Frank Sinatra auseinandersetzt: Fünf Männer im Anzug agieren, im Hintergrund steht – schutzlos und praktisch unbeteiligt in hautfarbener Unterwäsche – eine junge Frau, die wie aus einer anderen Zeit zu kommen scheint.

Emotional und vielseitig

Ein ganz klassisches, wunderschön auf Spitze getanztes Liebesduett entwarf Raphaelle Polidor mit „Possibilités“ für Gabriel Mathéo Bellucci und Maya Mayzel, die in dieser Choreografie ihre russische Ballettausbildung voll ausspielen kann – ein echtes Highlight des Abends.

Eigenwillig, aber höchst spannend interpretiert die Bulgarin Nora Paneva ein Motiv aus dem Märchen „Schneewittchen“ in ihrer Choreografie „Es war einmal“ um: Die böse Königin (Alba Perez Gonzalez), unkenntlich im schwarzen Cape, begibt sich mit einem Korb mit Messer und vergiftetem Apfel in eine Stadt, in der ein buntes Völkchen lebt. Sie erprobt, verwandelt in eine schöne Frau, ihre Leidenschaft – bezaubernd und wild getanzt – an einem jungen Mann, der letztlich an ihrem Todeskuss stirbt, während das Gift des Apfels der hexengleichen Königin nichts anhaben kann.

„Burnout“, die einzige nicht von einem Mitglied von Reiner Feistels Ensemble geschaffene Choreographie des Abends, steht am Ende des Abends: Marijana Popovic schuf das Solostück, das sie Maya Mayzel praktisch auf den Leib schrieb, und derart emotional Getanztes sieht man selten auf der Bühne: Eine junge Frau spürt, dass sie sich nicht mehr konzentrieren kann, dass ihr alle Lebensfreude abhandenkam. Es ist ein Kampf mit dem eigenen Geist, dem eigenen Körper, der zu hyperventilieren scheint, der nicht mehr funktionieren will, gegen Autoaggression – und letztlich endet dieser Kampf, der die Sinnfrage einer Existenz stellt, in der Aufgabe. Maya Mayzel aber lässt an diesem Abend ahnen, dass sie Außergewöhnliches kann – sowohl im klassischen Tanz als auch in seiner Gegenbewegung, dem expressionistischen Ausdruckstanz, der Individualität darstellt und ausdrückt.

Die nächsten Aufführungen von „Company in Motion“ finden am 21. Januar und am 3. Februar statt.

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