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Verkehr

27.04.2012

Entsetzt von den Plänen der Bahn

Die Zukunft des Ulmer Bahnhofs schien ziemlich rosig. Auf den fünften Bahnsteig soll verzichtet werden. Dies macht „den Umbau für die Katz“ heißt es aus Reihen der Grünen.
Bild: Gerrit -R. Ranft

Möglicher Verzicht auf den fünften Bahnsteig sorgt für Diskussionen. Wird dadurch die S-Bahn obsolet?

Ulm Die Ulmer Grünen schlagen Alarm. Der Bund Naturschutz und einzelne weitere Kritiker zeigen sich entsetzt von den geänderten Umbauplänen der Deutschen Bahn am Ulmer Hauptbahnhof, die momentan im Verwaltungsgebäude Münchner Straße 2 öffentlich ausliegen. Stadt Ulm und Regionalverband Donau-Iller müssten jetzt eingreifen, fordern die Grünen.

Tatsächlich hat die Bahn AG, wie aus den Planänderungen ersichtlich, einige gravierende Änderungen an den Bauplänen vorgenommen. Weil nach neuesten Berechnungen angeblich weniger Züge den Ulmer Hauptbahnhof anfahren werden, als ursprünglich angenommen, meint die Bahn, auf den geplanten fünften Bahnsteig verzichten zu können. Weil der Zugverkehr also nicht sonderlich zunehme, müssten auch zusätzliche Lärmschutzbauten am „Magirushof“ nicht errichtet werden.

Mit dem Verzicht auf den fünften Bahnsteig aber, so haben die Grünen errechnet, werde das von der Stadt und der Region dringend geforderte S-Bahnnetz obsolet. „Falls die neuen Pläne der Bahn real werden“, sagte Grünen-Landtagsabgeordneter Jürgen Filius gestern vor der Presse, „dann ist ein sinnvoller S-Bahnverkehr in die Region hinaus nicht mehr möglich.“ Die Grünen haben mal nachgerechnet. Derzeit rollen rund 500 Nahverkehrszüge täglich in den Hauptbahnhof hinein und hinaus. Für die S-Bahn, die im Halbstundentakt verkehren soll, kämen gut 200 Züge hinzu. Laut Bahnprognose erhalte der Hauptbahnhof mit dem fünften Bahnsteig eine Kapazität von 579 Nahverkehrszügen und 196 Fernverkehrszügen. Wie diese Menge ohne den zusätzlichen Bahnsteig bewältigt werden soll, ist den Grünen schleierhaft. „Denn die Kapazitäten sind heute schon ausgereizt“, sagt Stadtrat Michael Joukov und sieht jetzt schon Probleme, die reaktivierte Bahn nach Weißenhorn in den Ulmer Bahnhof zu bringen.

Entsetzt von den Plänen der Bahn

„Vor allem“, betont Grüne Stadträtin Birgit Schäfer-Oelmayer, „wäre der gesamte Neubau des Ulmer City-Bahnhofs, wie ihn die Stadt jetzt anfängt, für die Katz.“ Und die Neubaustrecke Stuttgart – Ulm sieht Filius als Schildbürgerstreich, weil ihm die nicht funktionsfähige S-Bahn die Fahrgäste aus der Region rund um Ulm nicht zuliefern könne.

Der Regionalverband Donau-Iller sei nun gefordert

„Jetzt muss die Region aufwachen“, verlangen die Grünen. Die Stadt müsse von der Bahn verlangen, im Gemeinderat Klartext zu ihren Planänderungen zu reden. Die Stadtwerke sollten als künftige Betreiber der Bahnlinie Senden – Weißenhorn Widerspruch gegen die Planänderungen einlegen. Vor allem aber sei der Regionalverband Donau-Iller gefordert. Ihm rechnen die Grünen vor, dass der „mit dem Fernverkehr getaktete Halt aller sechs S-Bahnlinien ohne den fünften Bahnsteig nicht erreicht werden kann“.

Der Regionalverband müsse mit der in Auftrag gegebenen Studie zum S-Bahnverkehr in die Region hinaus allmählich an die Öffentlichkeit kommen. „Jetzt muss die Region, in der sich alle einig sind, zum kommenden Drehkreuz Ulm, zusammenstehen, um die Planänderungen rückgängig zu machen, zumindest aber dem S-Bahnnetz anzupassen.“

Heftig ins Gericht gehen die Grünen mit der Bahn auch, weil der in den ursprünglichen Ausbauplänen vorgesehene Lärmschutz zwischen Zinglerberg- und Donaubrücke gestrichen wurde. Angeblich steige der Verkehr auf der Südbahn Richtung Oberschwaben und Bodensee doch nicht so stark an, wie anfangs berechnet. Wenn der S-Bahnverkehr nicht funktioniere, sei diese Prognose sogar zutreffend, sagen die Grünen. (grr)

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