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Jahresrückblick 2020

27.12.2020

Gedämpfte Euphorie: So war der Start der Sedelhöfe in Ulm

Die Sedelhöfe in Ulm wurden im Juli eröffnet. 270 Millionen Euro steckte das Hamburger Unternehmen DC Development in das Projekt.

Plus Mit den Sedelhöfen in Ulm ist im Juli 2020 eines der ehrgeizigsten Einzelhandelsprojekte der Republik gestartet. Corona trübt auch hier die Stimmung.

Albert Einstein überall: Der berühmteste Sohn der Stadt Ulm wurde 1879 auf jenem Grundstück in der Bahnhofstraße geboren, auf dem im vergangenen Sommer die Sedelhöfe eröffnet wurden. Der Nobelpreisträger ist Namensgeber für den neuen Platz gegenüber des Ulmer Hauptbahnhofs, um den sich die vier Gebäude gruppieren. Und seine berühmte Relativitätstheorie leuchtet, wenn es dunkel wird, aus Fassadenelementen oberhalb des Springbrunnens.

Die Sedelhöfe, eine fast unendliche Geschichte

Eine scheinbar unendliche Geschichte ist damit seit Juli am Ziel: Acht Jahre, nachdem der Ulmer Gemeinderat seine Zustimmung für ein Einkaufsquartier auf dem Gelände gegenüber des Hauptbahnhofs gab, wurde das Großprojekt auf dem 10 400 Quadratmeter großen Grundstück eröffnet. 270 Millionen Euro steckte das Hamburger Unternehmen DC Development in die Sedelhöfe sowie in ein Hotel, das erst kommendes Jahr Gäste empfängt.

Im Nachhinein sind die Verantwortlichen der Ulmer Stadtverwaltung froh, dass vor sechs Jahren der Projektentwickler MAB absprang. Denn die Tochter der niederländischen Rabobank plante ein ziemlich konservatives Einkaufszentrum: abgeschlossen und fast ohne Wohnraum. Als 2015 DC Development einstieg, war die Erleichterung groß: Eine drohende Brache in bester Lage konnte erstens verhindert werden – und zweitens gilt das neue Konzept unter Experten als weit stadtverträglicher als eine abschließbare Konsumwelt. Rund um den neuen Albert-Einstein-Platz ist öffentlicher Raum, ein „neues Stück Stadt“, wie es Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch ausdrückt, entstanden.

Die Vermietung der Sedelhöfe lahmte

Dennoch hatte sich Lothar Schubert, der geschäftsführende Gesellschafter von DC Development, die Eröffnung des Projekts etwas anders vorgestellt. Corona hinterlässt nicht nur bei der Eröffnungszeremonie Spuren. Auch die Vermietung der Einzelhandelsflächen lahmt: Nur 60 Prozent der 18.000 Quadratmeter sind bisher vermietet.

Eigentlich seien zu diesem Zeitpunkt 80 Prozent geplant gewesen. Einen Verhandlungspartner nennt Schubert: die US-Modekette TK Maxx. Solch potenzielle Mieter hätten aber nur auf die „Pausetaste“ gedrückt. Kaum einer der anvisierten internationalen Filialisten sei bereit, inmitten der Corona-Krise auf Expansion zu setzen. „Aber das Gute an einer Pausetaste ist, dass es normal weitergeht, wenn man sie noch mal drückt“, sagt Schubert. Und so ist der Hamburger zuversichtlich, dass bei einem weiteren ruhigen Verlauf der Pandemie im neuen Jahr neue Mieter genannt werden können.

Passage von den Sedelhöfen zum Hauptbahnhof

Von den Sedelhöfen führt eine neue unterirdische Passage zum Ulmer Hauptbahnhof, der jeden Tag 40.000 Menschen anzieht. Einen Teil der Passage baute die Stadt Ulm, inklusive einer Tiefgarage für 65 Millionen Euro, die direkt in die Sedelhöfe mündet. Die Reisenden treffen hier auf einen 3300-Quadratmeter-Edeka-Supermarkt, einen dm-Drogeriemarkt sowie Apotheke plus Bäcker. Darüber hinaus wollen die Sedelhöfe gastronomisch locken: Der US-amerikanische Burgerfilialist Five Guys brät hier. Auch McDonald’s bietet in den Sedelhöfen bald seine Burger an. Eine Bar plus Restaurant mit Dachterrasse wird erst im kommenden Jahr auf dem Hotel der Kette „Me and All“ eröffnen.

Die Vermietung der 7500 Quadratmeter Bürofläche liegt laut Schubert mit 68 Prozent über den Erwartungen. Zu den Mietern gehöre zum Beispiel das renommierte Unternehmen KPMG, das sich gleich 1200 Quadratmeter gesichert habe. Auch die Vermarktung der 112 Wohnungen, die sich um eine Dachterrasse gruppieren, hat begonnen.

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