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Senden

31.01.2021

Gefahrgut-Einsatz in Senden: Entzündlicher Stoff löst Alarm aus

In Senden wurde am Samstag Gefahrgut-Alarm ausgelöst. Aus einem Leck in einem Behälter war ein entzündlicher Stoff ausgetreten.
Foto: Wilhelm Schmid

Plus In Senden wurde am Samstag Gefahrgut-Alarm ausgelöst. Aus einem Leck in einem Behälter war ein entzündlicher Stoff ausgetreten.

45 Feuerwehrleute, acht Einsatzkräfte des Rettungsdienstes und zwei Polizeistreifen waren am frühen Samstagnachmittag in Senden im Einsatz: Aus der Lüftungsanlage des Gefahrstofflagers in einem Industriebetrieb an der Siemensstraße kam weißer Rauch und löste die Alarmanlage aus. Der Firmenchef, selbst aktiver Feuerwehrmann, verständigte daraufhin sofort die Integrierte Leitstelle Donau-Iller, von der die Feuerwehren Senden und Weißenhorn sowie die Gefahrguteinheiten des Landkreises Neu-Ulm in Marsch gesetzt wurden.

Die Feuerwehr rückt in Senden mit schwerem Atemschutz an

Beim Eintreffen der Einsatzkräfte stellte sich heraus, dass wohl ein oder mehrere Behälter mit einer leicht entzündlichen Flüssigkeit leck geworden waren oder infolge von Überdruck weiße Dampf- bzw. Rauchwolken abgeblasen hatten. Außer deutlichem Geruch nach Lösungsmittel war jedoch zunächst nichts mehr festzustellen. So begannen umfangreiche Messungen, die von Einsatzkräften der „CBRN“-Einheit des Landkreises unter schwerem Atemschutz und leichten Chemieschutzanzügen vorgenommen wurden.

Nach dem Austritt eines Gefahrstoffes - leicht entzündlicher Grundstoff für Zahntechnik, Lacke und Klebstoffe - mussten die Eimsatzkräfte der Gefahrguteinheit des Landkreises Neu-Ulm umfangreiche Messungen vornehmen und im Gefahrstofflager den leck gewordenen Behälter suchen. Der Einsatz dauerte mehrere Stunden.

Als „CBRN“-Einheit – früher „ABC-Zug“ genannt – wird die Truppe bezeichnet, die sich mit besonderer Ausrüstung und Ausbildung mit chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Notfällen befasst. Hinzu kamen eine Reihe von Führungskräften der Kreisbrandinspektion, darunter der Fach-Kreisbrandmeister für Gefahrgut, ein promovierter Diplomchemiker.

Dieser gefährliche Stoff trat in Senden aus einem defekten Behälter aus

Weitere CBRN-Kräfte der Feuerwehr Gerlenhofen bauten während der Messungen einen Dekontaminationsplatz („Dekon-P“ – Dekontamination von Personen) für die Feuerwehrleute auf, die aus dem Einsatz zurück kamen. Diese meldeten ihre Messergebnisse den Führungskräften, die daraufhin über das weitere Vorgehen berieten. Parallel zu den Messungen war auch ein Löschangriff mit Schaumrohren vorbereitet worden, der aber nicht eingesetzt werden musste. Bei dem ausgetretenen Gefahrstoff handelte es sich um Methylmethacrylat-Monomer, eine leicht entzündliche Flüssigkeit, die beim Kontakt mit Luft schnell verdunstet und ebenso in gewisser Konzentration ein explosives Gemisch bilden kann. Der Stoff wird in größeren Mengen bei der Herstellung von Grundstoffen für die Zahntechnik sowie von Lacken, Klebstoffen und Knochenzement gebraucht.

Etwa 45 Feuerwehrleute waren am Samstag bei einem Gefahrgut-Einsatz in Senden. Aus einem Leck in einem Behälter war ein leicht entzündlicher Stoff ausgetreten.
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Gefahrguteinsatz in Senden
Foto: Wilhelm Schmid

Da der oder die betroffenen Behälter nicht sofort gefunden werden konnten, mussten die ins Halleninnere vorgehenden Einsatzkräfte wiederholt abgelöst werden, da die Arbeit unter Chemieschutzanzug und Atemschutzgerät eine erhebliche Belastung für die Feuerwehrdienstleistenden darstellt. Sicherheitshalber wurde zusätzliche Atemschutzausrüstung von einem Abrollbehälter der Feuerwehr Neu-Ulm nachgefordert, nachdem die Geräte aus den Einsatzfahrzeugne vor Ort knapp zu werden drohten. Aber nach mehr als zwei Stunden hatten die Feuerwehrleute mehrere in Frage kommende Behälter festgestellt und diese ins Freie gebracht. Nun ergaben weitere Messungen in dem Lagerraum, dass die Konzentration des verdunstenden Stoffes stark nachließ, sodass davon ausgegangen werden konnte, dass die undichten Behälter offensichtlich alle im Freien waren.

Der Einsatz der Feuerwehr in Senden dauert mehr als drei Stunden

So ging der Einsatz nach umfangreichen Aufräum- und Reinigungs- bzw. Dekontaminationsarbeiten nach mehr als drei Stunden seinem Ende zu, und eine Fachfirma wurde mit der Entsorgung der Fässer beauftragt. Über die Höhe des Sachschadens war am Samstagnachmittag noch keine Auskunft zu erhalten. Wichtiger ist allerdings, dass niemand verletzt wurde und auch der Betriebsablauf nicht beeinträchtigt sein dürfte.

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